Gericht kann Vorfall vor dem Bünder Bahnhof nicht aufklären
Freispruch nach Schlägen mit E-Zigarette

Bünde (WB). Durch Schläge mit seiner E-Zigarette hatte er zwei Männern blutige Platzwunden am Kopf zugefügt. Das ist unstrittig. Aber war es Notwehr oder doch ein brutaler Angriff? Da der Verlauf der Auseinandersetzung im Mai 2018 nicht mehr zu klären war, hat das Amtsgericht einen 41 Jahre alten Bünder vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freigesprochen.

Freitag, 09.08.2019, 05:00 Uhr
Am 13. Mai 2018 war es zu der gewalttätigen Auseinandersetzung vor dem Bahnhof in Bünde gekommen. Foto: WB

Es war der 13. Mai 2018, letzter Spieltag der Zweiligasaison für Arminia Bielefeld. Auch der Bünder hatte das 0:0 gegen Sandhausen im Stadion gesehen, saß danach im Zug aus Bielefeld. Der spätere Nebenkläger aus Rödinghausen befand sich ebenfalls im Kreis von Bekannten auf der Rückreise von der Alm. Bereits im Zug soll es zwischen der Gruppe und dem Angeklagten zum Streit gekommen sein, möglicherweise sogar mit Schlägen.

Widersprüchliche Aussagen

Die Darstellungen des Bünders sowie der fünf Zeugen aus der Gruppe wichen allerdings stark voneinander ab. Eine Grund dafür könnte der Alkoholkonsum vor, während und nach dem Spiel gewesen sein. Alle Beteiligten wiesen laut Polizeiprotokoll erhebliche Promillewerte auf. Auslöser des Streits soll ein Dialog mit einem Schwarzafrikaner in dem Zug gewesen sein. Eine Person aus der Gruppe soll dem Mann nach Angaben des Angeklagten »dumme Fragen gestellt haben«. Darauf habe er den Fragesteller angesprochen, erklärte der 41-Jährige. Es entwickelte sich ein lautstarker Schlagabtausch. Sicherheitspersonal wies die Streithähne an, am Bahnhof in Bünde getrennt auszusteigen.

Dennoch kam es dort in der Vorhalle zu den Schlägen unter Zuhilfenahme der metallenen E-Zigarette. Der 26-jährige Nebenkläger erlitt drei stark blutende Wunden am Kopf, der Angeklagte trug Prellungen davon. Von wem die Aggression ausgegangen war, ließ sich vor Gericht nicht klären. Auch ein weiteres Mitglied der Gruppe, ein 23-Jähriger aus Rödinghausen, trug eine Platzwunde am Kopf davon. Der Angeklagte sprach von Notwehr, er sei unvermittelt in der Bahnhofshalle attackiert worden, der Nebenkläger behauptete das Gegenteil.

Auch Anklage fordert Freispruch

Weil das Geschehen nicht aufzuklären war, sprach Richterin Beatrice Schiwon den Lkw-Fahrer frei. »Die Notwehrsituation ist nicht zu widerlegen.« Schon die Staatsanwaltschaft hatte im Plädoyer einen Freispruch gefordert, die Nebenklagevertreterin eine achtmonatige Bewährungsstrafe samt Schmerzensgeld für ihren Mandanten.

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