58-Jähriger wegen Tierquälerei verurteilt – Hinweis aus der Bevölkerung
Verwester Kot, wenig Licht: Zwei Hunde leiden

Bünde (WB). Hunde brauchen Auslauf, große Schäferhunde sogar mehrmals am Tag. Sind sie in einem engen Kellerraum eingesperrt, leiden sie. Unter mangelnder Bewegung, zu wenig Licht, unter bestialischem Gestank durch ihren Kot und Urin. Das mussten zwei Hunde eines 58-jährigen Angeklagten ertragen. Wegen Tierquälerei musste sich der Halter vor Gericht verantworten.

Freitag, 02.08.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.08.2019, 12:46 Uhr
Auch Hunde brauchen Zuneigung, Pflege und ein artgerechtes Umfeld. Zwei Schäferhunde des Angeklagten hatten von all dem zu wenig – sie waren erheblichem Leiden ausgesetzt. Dafür musste sich der 58-jährige Bünder vor Gericht verantworten. Foto: dpa

Fotos auf dem Richtertisch dokumentieren eindrucksvoll, was Nelson und Rufus über einen langen Zeitraum erdulden mussten. Fotos, die das Kreisveterinäramt gemacht hat, als es mit der Polizei das Haus des Bünders im Februar 2017 öffnen ließ. Der Mann selbst war nicht zu Hause – scheinbar Glück für die Tierärzte, hatten sie bei vergangenen Kontrollen doch die Aggressivität des Tierhalters zu spüren bekommen. Schon öfter hatte es Beschwerden über eine nicht artgerechte Haltung gegeben, doch an die Tiere kamen die Kontrolleure nie heran.

Hunde sind reinliche Tiere

Erst der Hinweis einer Frau, die als Sachverständige für Immobilienbewertung ins Haus des Angeklagten kam, brachte die Ermittlung ins Rollen: Hausdurchsuchung, Hunde sichern, Anzeige. »Beißend und kaum auszuhalten« beschrieben zwei beteiligte Tierärzte allein schon den Gestank, der ihnen im Keller entgegenschlug. »Hunde haben eine feine Nase, ein ausgeprägtes Riechorgan. Sie müssen erheblich gelitten haben«, sagte Dr. Reinhard Zwingelberg, Chef des Kreisveterinäramtes.

Überall in dem Raum hätten frische und auch verweste Hundehaufen gelegen. »Nie würden Hunde freiwillig über ihre eigene Scheiße laufen. Sie sind reinliche Tiere, machen ihr Geschäft immer weit weg von ihrem Aufenthaltsort«, ergänzte Veterinär Dr. Elmar Boesing. Wie kann man sich das Leiden vorstellen?, wollte Richterin Schiwon wissen. Die Beschreibung der Tierärzte war eindrucksvoll: »Stellen Sie sich vor, Sie sind mehrere Stunden in einer ungereinigten Bahnhofstoilette eingesperrt.«

Wenig Unrechtsbewusstsein

Der Angeklagte zeigte während seiner Anhörung vor Gericht wenig Unrechtsbewusstsein. Er stritt viele Vorwürfe ab oder bagatellisierte sie. »Man kann auch übertreiben. Hunde stinken nun mal, vor allem, wenn das Wetter wechselt. Ich fand es nicht schlimm«, entgegnete er auf die Darstellung der Ärzte. Auch seien seine beiden Schäferhunde höchstens mal für zwei Stunden in dem Kellerraum eingesperrt gewesen – was die Veterinäre anhand der vielen Kothaufen widerlegten. Jeden Tag den Raum reinigen, das hätte er wegen seiner Rückenschmerzen nicht gekonnt.

Gesundheitliche Konsequenzen hatten Nelson und Rufus scheinbar nicht davongetragen: Ein niedergelassener Tierarzt hatte sie untersucht und nichts festgestellt, weder Ungeziefer noch Verhaltensauffälligkeiten. Richterin Schiwon sah dennoch einen erheblichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Sie folgte in vollem Umfang dem Antrag der Staatsanwältin: 80 Tagessätze zu 200 Euro. Für fünf Jahre darf der Bünder auch keine Hunde halten oder in Pflege nehmen.

Kommentar

Für manche Hundehalter ist sein Tier wie ein Kind: Es wird geschmust, gehätschelt, darf anspringen, bellen, bekommt Schleifchen ins Haar. Es kann machen, was es will. Unerzogen, würde man sagen. Dieses oft zu beobachtende Verhalten ist genauso wenig artgerecht wie seinen Vierbeiner verwahrlosen zu lassen, ihn einzusperren, ihn nicht zu pflegen – so wie es der Angeklagte getan hat. Jedes Tier ist ein Lebewesen, es braucht die Versorgung, eine würdevolle, zugewandte Behandlung, ein artgerechtes Umfeld. Ob Vier- oder Zweibeiner: Schmerzen tun weh, Vernachlässigung erzeugt Leiden. Wegschauen gehört leider heute zur Mentalität vieler Menschen. Da verdient es Lob, dass es Bürger gibt, die aufmerksam sind und sich nicht scheuen, die Behörden zu alarmieren.

Kommentare

Karishka Kaminski  wrote: 02.08.2019 09:45
Und die Gesetzgebung?
Tierquälerei gilt aktuell noch als "Sachbeschädigung". Einen Kommentar der Redaktion zu diesem Umstand hätte ich mir gewünscht.
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