Familien Jährling und Lanvers teilen sich Firma – Kaufpreis fließt ins Unternehmen
Modehaus hat nun zwei Eigentümer

Bünde (WB). Die Weichen sind auf Zukunft gestellt: Ab diesem Samstag hat das Bünder Modehaus zwei Eigentümer. Familie Jährling – bisher alleiniger Inhaber – und Familie Lanvers halten Firmenanteile von jeweils 50 Prozent. Das Außergewöhnliche: Den Kaufpreis stellen die Jährlings komplett dem Unternehmen zur Verfügung.

Samstag, 06.07.2019, 05:05 Uhr aktualisiert: 06.07.2019, 05:20 Uhr
Die Verträge sind frisch unterschrieben: Die Firmenanteile des Bünder Modehauses liegen zu gleichen Teilen bei zwei Familien: Ellen Lanvers, geschäftsführender Gesellschafter Christoph Lanvers, Erika Jährling und Geschäftsführer Volker Jährling (von links). Foto: Kathrin Weege

»Es wurde höchste Zeit für eine Nachfolgeregelung. In 14 Tagen werde ich 80 Jahre alt«, sagt Geschäftsführer Volker Jährling, der aber weiter regelmäßig mit Rat und Tat zur Verfügung stehen will. Geschäftsführender Gesellschafter ist Christoph Lanvers (52), der seit acht Jahren im Unternehmen und seit einigen Jahren bereits Geschäftsführer ist. Jährlings zwei Kinder haben beruflich einen anderen Weg eingeschlagen.

Sichere Zukunft des Modehauses

Was dem Bünder besonders wichtig ist, wird sofort klar: die sichere Zukunft des Modehauses. »Wir stellen dem Unternehmen Kapital zur Verfügung – unter anderem den Kaufpreis der Anteile – um die Liquidität langfristig zu sichern«, erklärt Volker Jährling, der trotz seiner Arbeit als Geschäftsführer seit 15 Jahren kein Gehalt mehr bezieht. Das Modehaus sei ein Familienunternehmen. Seinen Partner hat sich Jährling ganz genau ausgesucht. Er und Christoph Lanvers verfolgen beim Traditions- und Familienbetrieb die selben Ziele.

Der neu gegründete Beirat besteht aus Kerstin Finke, Stefanie Hus, Michael Scheel, Rita Grovemeyer, Björn Lohkamp und Martina Stecknitz.

Der neu gegründete Beirat besteht aus Kerstin Finke, Stefanie Hus, Michael Scheel, Rita Grovemeyer, Björn Lohkamp und Martina Stecknitz.

Bereits Jahre zuvor hatte es schon einmal einen anderen Geschäftsführer gegeben – damals hatte es nicht gepasst. »Es wurden in der Vergangenheit auch Übernahme-Gespräche mit anderen Häusern geführt«, so der 79-Jährige. Es sei richtig gewesen, nicht schnell auf ein lukratives Angebot einzugehen und stattdessen in Ruhe den richtigen Partner zu suchen.

Breite Zustimmung für Christoph Lanvers

Mit führenden Mitarbeitern hatte Volker Jährling über die geplante Lösung beraten. Lanvers fand breite Zustimmung. »Damit im Falle von Streitigkeiten immer zum Wohle des Unternehmens entschieden wird, haben wir einen Beirat aus sechs leitenden Mitarbeitern installiert, der bei Uneinigkeiten mitentscheidet – und zwar ausschließlich im Sinne des Unternehmens«, so der 79-Jährige.

Lanvers, Vater von zwei Kindern, der aus Emsdetten stammt und dort sowie in Bünde seine Lebensmittelpunkte sieht, hat, wie er sagt »schon im Einzelhandel das Laufen gelernt«. Er meint das Textilkaufhaus seines Vaters. Er war zudem bereits für größere Unternehmen wie Leffers tätig.

Prominenter Besuch im Bünder Modehaus: Schauspielerin Marianne Koch stößt hier vor mehr als 40 Jahren mit Volker Jährling an.

Prominenter Besuch im Bünder Modehaus: Schauspielerin Marianne Koch stößt hier vor mehr als 40 Jahren mit Volker Jährling an.

Kennengelernt haben sich Jährling und Lanvers über den Ausbildungsbetrieb von Volker Jährling in Alzey (Rheinhessen). »Ich arbeitete dort als Unternehmensberater. Sowohl das Unternehmen als auch das Bünder Modehaus hatten den selben Wirtschaftsprüfer. Er vermittelte den Kontakt«, erzählt Lanvers.

Das Bünder Modehaus sei seine zweite Familie, sagt Volker Jährling. »Was man in 56 Jahren aufgebaut hat, das liegt einem einfach am Herzen.«

Kommentar

Knapp 80 Jahre ist Volker Jährling alt und hatte (bis vor kurzem) noch keinen Nachfolger. Spät scheint die Zukunftslösung für das Bünder Modehaus zu kommen. Es gab lukrative Angebote zur Übernahme, doch Jährling schlug sie aus. Wie man heute beurteilen kann: wohl eine richtige Entscheidung, denn einige dieser Unternehmen sind inzwischen nicht mehr am Markt. Kathrin Weege

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6751901?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
„Das ist Abstiegskampf“
Jan-Moritz Lichte
Nachrichten-Ticker