Ertrunkene Ricke: Polizei prüft möglichen Straftatbestand
Totes Kitz im Elsebruch entdeckt

Bünde  (WB). Jagdpächter Tobias Meyer hat am Mittwochmorgen im Elsebruch ein totes Rehkitz gefunden. Handelt es sich dabei um den Nachwuchs der in der Else ertrunkenen Ricke?

Donnerstag, 04.07.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 08:30 Uhr
Tobias Meyer entdeckte das tote Kitz am Mittwoch.

»Es liegt zumindest nahe, dass es sich um das Jungtier des verendeten Rehs handelt. Ich könnte es aber nicht unterschreiben«, sagt der Hunnebrocker. Zumal er noch ein anderes Jungtier ohne offensichtlichen »Familienanschluss« ganz in der Nähe beobachten konnte. Weitere Suchmaßnahmen würden nur in Abstimmung mit dem Veterinäramt erfolgen, so der Jagdpächter weiter.

Hund hetzt Ricke

Wie berichtet, hatte ein Zeuge am Sonntag den nicht angeleinten hellbraunen Hund einer noch unbekannten Frau dabei beobachtet , wie dieser das vermeintliche Muttertier des toten Kitzes im Elsebruch in den Fluss gehetzt hatte. Dort war die Ricke später ertrunken und erst am Montagabend von einem Spaziergänger entdeckt worden. Dieser hatte wiederum Tobias Meyer verständigt. Der Jagdpächter hatte den Nachwuchs der verendeten Ricke dann zubnächst in der Nähe entdeckt. Fangen konnte er das Jungtier aber nicht.

Doch welche Möglichkeiten hätte man überhaupt, an ein mutterloses Kitz heranzukommen, das mittlerweile über einen Fluchtinstinkt verfügt? Nach Angaben aus dem Kreisveterinäramt wäre es zumindest möglich, das Tier – wenn der Jagdpächter es denn entdeckt – zu betäuben und in eine Wildaufzuchtstation zu bringen. »Eine Handaufzucht würde hingegen vermutlich nicht möglich sein«, so Dr. Elmar Boesing.

Veterinär warnt

Auch im Internet wird rege über den Vorfall vom Sonntag, bei der die Ricke in der Else ertrank, diskutiert. Auf Facebook keimte bei einigen Nutzern schnell die – sicherlich gut gemeinte – Idee auf, aktiv nach dem Kitz der Ricke zu suchen. Davon würde Dr. Elmar Boesing vom Kreisveterinäramt dringend abraten. Er weist darauf hin, dass es nur dem Jagdpächter erlaubt wäre, das Kitz an sich zu nehmen. »Wenn jemand anderes ein Wildtier an sich nimmt, würde das den Straftatbestand der Wilderei erfüllen. Das sollte man besser nicht riskieren«, warnt der Fachmann.

...

Fände man das junge Tier nicht, würde es wahrscheinlich später von einem Fuchs erlegt. »Das wäre der natürliche Kreislauf«, sagt der Behördenmitarbeiter.

Anzeige erstattet

Bei der Polizei hat Tobias Meyer mittlerweile Anzeige wegen des tödlichen Vorfalls vom Sonntag gegen die noch unbekannte Hundehalterin gestellt. Laut Kreispolizeisprecherin Simone Lah-Schnier wird derzeit geprüft, ob in dem Fall eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz vorliegen könnte.

Nach Angaben aus dem Bünder Rathaus bestehe in Landschaftsschutzgebieten – wie das Elsebruch eines ist – keine generelle Anleinpflicht für Hunde, »solange sie sich auf Wegen befinden, beaufsichtigt werden und niemanden beeinträchtigen«. Abseits von Wegen bestehe hingegen Anleinpflicht.

Regelmäßige Kontrollen

Weiter teilt Stadtsprecherin Doris Greiner-Rietz mit, dass Mitarbeiter des Zentralen Außendienstes der Kommune regelmäßig auch in diesen Bereichen kontrollieren: »Jedoch müssen Verursacher von Ordnungswidrigkeiten auf frischer Tat ertappt werden beziehungsweise der Verursacher bekannt sein.« Eine grundsätzliche Anleinpflicht müsse in der Ordnungsbehördlichen Verordnung verankert sein.

Eine Entscheidung über die Einführung einer solchen Anleinpflicht falle jedoch aus Sicht der Stadt in den Bereich der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Herford. Denn diese sei für das Landschaftsschutzgebiet im Bruch und die dort lebenden Tiere zuständig.

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