Heimische Steinmetze bieten kostenlose Mitarbeit an
Hilfsaktion für Notre-Dame

Bad Oeynhausen/Bünde/Lübbecke (WB). Der Brand von Notre-Dame hat die historische Kirche in Paris schwer beschädigt. Frankreich will sie wieder aufbauen, aber Handwerker sind rar. Jonas Migenda aus Lübbecke und Jannik Wiegand aus Bad Oeynhausen organisieren Unterstützung.

Mittwoch, 03.07.2019, 03:00 Uhr
Die Steinmetze Jannik Wiegand (links) und Jonas Migenda wollen den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame unterstützen. Mehr als 40 Steinmetze und Bildhauer sehen das genauso und haben sich ihnen angeschlossen. Foto: Frank Lemke

Ihre Idee: Steinmetze und Bildhauer aus Deutschland, der Schweiz und Australien bieten Hilfe an. »Diese Kathedrale ist der Inbegriff meisterlicher Steinmetzarbeit«, sagt Migenda, Filialleiter des Steinmetzbetriebs Butler in Bünde. Stefan Wolf vom Bundesinnungsverband für Steinmetze ist der Ansprechpartner.

Der Steinmetzmeister vermittelt das Angebot der deutschen Gesellen, Meister und Techniker an die Organisatoren des Wiederaufbaus in Paris. Nehmen die Franzosen die Hilfe in Anspruch, würden sie Schablonen und genaue Anforderungen für die Steinarbeiten nach Deutschland schicken. Das können Figuren sein, aber auch Mauersteine und Maßanfertigungen für das Gewölbe – alles ehrenamtliche Arbeit.

»Den Transport per Lkw nach Paris haben wir ebenfalls geplant«, sagt Migenda. »Wir wollen einfach helfen«, fügt Wiegand hinzu. Der 30-Jährige hat sich für diesen Beruf entschieden, weil er mit seinen Händen etwas schafft, das lange bestehen bleibt.

Eine Figur, geformt mit Hammer und Meißel: Dieser Engel aus Granit wird auf einem Friedhof die Ahnen beschützen.

Eine Figur, geformt mit Hammer und Meißel: Dieser Engel aus Granit wird auf einem Friedhof die Ahnen beschützen.

1163 bis 1345 errichtet

Die Kathedrale Notre-Dame wurde von 1163 bis 1345 errichtet. Die Arbeit tausender Handwerker stützt bis heute, trotz des Brandes, die 69 Meter hohen Türme und das beschädigte Gewölbe des 130 Meter langen Kirchenschiffs.

»Die Arbeit von Steinmetzen bleibt – trotz aller Vergänglichkeit. Sehen Sie sich die Pyramiden von Gizeh an. Was ich aus Stein mache, bleibt für die Ewigkeit«, sagt Wiegand. Die bis zu 140 Meter hohen Pyramiden im westlichen Teil des Niltals wurden vor etwa 4500 Jahren aus etwa drei Millionen Steinblöcken gebaut. Bis heute geben die Bauwerke Rätsel über ihre Entstehung auf. Ein ägyptisches Sprichwort sagt: »Der Mensch fürchtet die Zeit. Die Zeit aber fürchtet die Pyramiden.«

Migenda: »Mit unserer Hilfe würden wir ein Teil von Notre-Dame werden«

In jedem Stein, den ein Steinmetz bearbeitet, stecke ein Teil von ihm selbst, heißt es. »Mit unserer Hilfe würden wir ein Teil von Notre-Dame werden«, sagt Migenda. Eine Alternative, für die sich die Franzosen entscheiden könnten, wären Steine, die von Robotern gefertigt werden: Technik verdrängt das Handwerk, weil der Nachwuchs fehlt, Lehrstellen bleiben unbesetzt. »Doch ein von Computern gefräster Stein ist ohne Charakter. Jedes Stück sieht gleich aus«, sagt Migenda.

Mit Hilfe aus Deutschland und weiteren Ländern könnte der Wiederaufbau von Notre Dame zu einem europäischen Projekt werden. Als Migenda seine Ausbildung 2010 beendete, gründete er die Facebook-Gruppe »Steinmetze/Steinbildhauer«, um mit seinen Freunden aus der Lehrzeit in Kontakt zu bleiben. Aus den 20 Gruppenmitgliedern sind mehr als 2500 geworden. Nach dem Brand von Notre-Dame fragten Migenda und Wiegand in der Gruppe nach, wer sich am Wiederaufbau beteiligen wolle. Die Rückmeldungen waren zahlreich; 40 schriftliche Zusagen haben sie bereits. Zwei Zusagen kommen aus der Schweiz, eine aus Australien. Die Vorbereitungen für die Restaurierung in Paris laufen. Eine Antwort erwarten die deutschen Steinmetze in den nächsten Monaten. Wer Steinmetz ist und ebenfalls helfen möchte, kann mit Jonas Migenda per E-Mail Kontakt aufnehmen:

jonasmigenda@gmx.de

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Kommentare

Anonym  wrote: 03.07.2019 08:41
Unnötig
Bei fast 1 Milliarde Spenden für eine uralte Kathedrale, ist diese Art von zusätzlicher Hilfe einfach unnötig, es gibt wichtigeres worum man sich kümmern sollte oder könnte....
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