Naturschutzbund wünscht sich mehr Mut zur »Unordnung« »Wilde Wegesränder helfen Insekten«

Bünde (BZ). Wo es früher noch kilometerlange blühende Wegränder gab, die zum Blumenpflücken einluden, findet man heute oft nur noch artenarme, schmale Grasstreifen neben Äckern und Feldern. Friedhelm Diebrok vom Naturschutzbund (Nabu) und Botaniker Carsten Vogelsang haben sich auf die Suche nach den ursprünglichen Wildpflanzen an den Bünder Wegerändern gemacht.

Von Hannah Butz
Nicht nur Unkraut: Friedhelm Diebrok vom Nabu (links) und Botaniker Carsten Vogelsang sind auf der Suche nach heimischen Wildpflanzen an den Wegesrändern.
Nicht nur Unkraut: Friedhelm Diebrok vom Nabu (links) und Botaniker Carsten Vogelsang sind auf der Suche nach heimischen Wildpflanzen an den Wegesrändern. Foto: Hannah Butz

»Hier sieht es erstaunlich gut aus«: Am Bahnübergang südlich vom Sportplatz Holsen werden Friedhelm Diebrok und Carsten Vogelsang fündig – ein langer Abschnitt voll blühender Wildblumen und Gräsern schmiegt sich an die Schienen, im überwucherten Graben summt und brummt es. Etwa 40 bis 50 verschiedene Pflanzenarten haben die beiden auf ihrem Weg durch die Felder bereits gefunden – eine gute Quote. »An manchen Orten gibt es leider oft nur drei verschiedene Arten – das ist schlimm«, bedauert Diebrok.

Artenvielfalt an Bahntrassen

Ob die lila blühende Flockenblume, das sonnengelbe Jakob-Greiskraut oder die Gemeine Wegwarte: An den Bahntrassen ist eine bunte Artenvielfalt noch gegeben. Auf der anderen Seite sieht es dagegen mager aus: »An den Ackerrändern gibt es nur noch schmale Streifen, die mitgedüngt werden. Dort wachsen dann oft ausschließlich stickstoffliebende Gräser und einige wenige konkurrenzstarke Arten«, beklagt Carsten Vogelsang.

Vor allem für die heimischen Insekten sind wilde Wegeränder wichtig: »Wir haben hier Distel- und Zitronenfalter und viele Wildbienen, die Nahrung und Lebensraum in den Blühflächen finden – das sind ihre letzten Refugien«, so Diebrok. Obwohl viele Bauern bereits Wildblumenmischungen an ihren Feldrändern aussäen, bleiben immer noch Probleme: »Oft werden durch die Saatmischungen Pflanzen ausgesät, die da gar nicht hingehören. Das ist dann ein bewusstes Gestalten der Natur – eine Verfälschung«, erklärt der Botaniker Vogelsang.

»Tief verwurzeltes Ordnungsdenken«

Problematisch sehen Diebrok und Vogelsang auch das tief verwurzelte Ordnungsdenken der Menschen: So solle man an den Wegerändern lieber wachsen lassen, was kommt und das natürliche Potenzial nutzen, statt zu viel zu mähen und dann neu einzupflanzen.  »Auch kleine, unscheinbare Arten, wie das Labkraut haben ihre Berechtigung, selbst wenn sie nicht bunt blühen«, bekräftigt Friedhelm Diebrok. »Was heute als Unkraut abgetan wird, schätzt man oft nicht genug.«

Ein ungespritzter Randstreifen vom Acker oder Feld kann schon Wunder wirken: »Da können sich schnell 20 wilde Arten vermehren«, sagt Carsten Vogelsang. Auch ein Straßenregister der Gemeinde, in dem genau steht, wann welcher Wegrand gemäht werden soll, würde helfen, wilde und artenreiche Blühstreifen an den Feldern und Wegen zu erhalten, so der Botaniker.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6744419?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F