Bodo Meier beklagt zu niedrige Schutzwand – Petition angestrebt
A30-Lärm belastet Anwohner

Bünde (WB). Schon nach dem Klingeln ist die Antwort aus der Gegensprechanlage kaum zu verstehen. Und auch im heißesten Sommer müssen bei Bodo Meier nachts die Fenster geschlossen bleiben. Der Lärm von der A30, die direkt hinter seinem Garten verläuft, ist unerträglich. Der 72-Jährige sieht vor allem die zu niedrige Lärmschutzwand als Grund. Er fordert Nachbesserung.

Donnerstag, 20.06.2019, 06:02 Uhr

»Am lautesten ist es bei Südwestwind – den haben wir aber meistens. Die Geräusche vom Bereich der Brücke bei Bruchmühlen werden dann noch bis hierher getragen«, sagt Meier, der in der Weberstraße in Ahle wohnt. Sein Garten endet direkt an einer grauen Betonmauer – dahinter liegt die A30.

Lastwagen über Mauer zu sehen

Die Lärmschutzwand an dieser Stelle – errichtet 1994 – ist niedriger als die Wälle links und rechts davon. Meier: »Daher werden die Geräusche vom Wind direkt in diese ›Einflugschneise‹ getragen.« Die vorüberfahrenden Lastwagen ragen einen Meter weit über die Mauer. Einen so schlechten Lärmschutz habe er an anderer Stelle bisher nicht gesehen. Und Meier kennt sich aus. »Ich war jahrelang als Vertreter unterwegs und befuhr quasi alle Autobahnen in Deutschland«, meint er.

Dass es an einer Autobahn nie ganz leise sein kann, sei ihm durchaus bewusst. »Wenn ich aber sehe, dass vor etwa fünf Jahren direkt gegenüber eine hohe Lärmschutzwand auf dem Wall aufgesetzt wurde und zudem in westlicher Richtung eine an der Spenger Straße errichtet wurde, um die Anwohner auf der anderen Seite der A30 zu schützen, frage ich mich: Warum geht das bei uns nicht?«, so Meier, der sich auch für die Anwohner der Weber-, Osnabrücker, Imperial- und Ahler Straße einsetzt.

Verkehr und Lärm nehmen stetig zu

Beim Gang auf die andere Seite der A30 – hinter die neue hohe Lärmschutzwand – fällt direkt auf: Hier ist es deutlich leiser als bei den Meiers im Garten. »Ein bisschen was hat meine Forderung auch mit Gerechtigkeit zu tun«, gibt der Ahler zu.

Die Autobahn entstand Anfang der 70er Jahre, zum selben Zeitpunkt baute Meier sein Haus. »Als ich die Bauvoranfrage gestellt hatte, war von der Autobahn noch keine Rede. Es sollte dort die Europastraße 8 entstehen – eine zweispurige Bundesstraße«, blickt der Rentner zurück. Der Verkehr auf der A30 habe über die Jahre zugenommen und damit auch der Lärm.

Meier fordert Erdwall

2013/2015 wurde Splitmastixasphalt – ein so genannter Flüsterasphalt – auf die Fahrbahn aufgebracht. »Verändert hat sich dadurch wenig«, so die Erfahrung der Familie Meier. »Man kann im Garten und auf der Terrasse keine Ruhe finden. Unser Haus habe ich inzwischen mit dreifach-verglasten Fenstern ausgestattet. So ist es drinnen leise. Bei geöffnetem Fenster kann man aber nicht schlafen«, klagt der Anwohner.

Bodo Meier fordert daher einen Erdwall und eine Lärmschutzwand wie auf der gegenüberliegenden Seite. »Und zwar zeitnah.« Er strebt zum zweiten Mal eine Petition an. Die erste war 2013 gescheitert. Meier hat sich kürzlich an den stellvertretenden Bürgermeister Ulf Dreier gewandt. Inzwischen ist ein Ortstermin für den 4. Juli anberaumt. Dann werden auch ein Landtags- und ein Bundestagsabgeordneter dabei sein. Von den Lokalpolitikern hätte sich Meier insgesamt mehr Unterstützung gewünscht.

Lärmreduktion ausreichend

Die Autobahnniederlassung Hamm von Straßen NRW ist der Meinung, dass durch die Lärmschutzwand, den angrenzenden Wall und den neuen Flüsterasphalt ausreichend gegen den Lärm vorgegangen wurde. »Als der Splitmastixasphalt aufgebracht wurde, gab es im Jahr darauf eine Messung. Wir hatten eine Lärmreduktion von zwei Dezibel geplant – am Ende waren es bei der Messung sogar zehn. Heute sind es noch vier«, erklärt Manfred Klein, Sachbearbeiter in der Autobahnniederlassung. Zehn Dezibel hätten eine Minimierung der Verkehrslautstärke um die Hälfte ausgemacht. Zehn Jahre soll der Spezialasphalt halten.

Auf die Frage, warum auf der gegenüberliegenden Seite so hoch aufgerüstet wurde, antwortet Klein: »Es gab eine Petition der Bürger der Schierholzstraße, die der Petitionsausschuss im Sinne der Anwohner befürwortete.« Außerdem habe es an dieser Stelle zuvor gar keinen Lärmschutz gegeben.

»Ich hoffe, dass sich bald was tut«

Die Bürger rund um Bodo Meier könnten eigentlich nur eines tun: ebenfalls eine Petition an den Bundesausschuss anstreben. Dieser ist für die Autobahnangelegenheiten zuständig. Bürger haben zudem die Möglichkeit, die Überprüfung auf passiven Lärmschutz zu beantragen.

Dafür ist schon ein formloses Schreiben an Straßen NRW ausreichend. Für diesen Sommer werden wohl die Fenster auch bei heißesten Temperaturen bei Bodo Meier weiterhin nachts geschlossen bleiben müssen: »Ich hoffe aber, dass sich bald endlich etwas tut.«

Kommentar

Klar, es hängt immer von der Windrichtung ab, wie laut die Autobahn gerade wirkt – egal auf welcher der beiden Seiten der Autobahn. Doch eines dürfte ebenfalls klar sein: Permanenter Lärm bedeutet Stress und kann auf Dauer krank machen. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Schon allein deswegen sollte noch einmal die genaue Lärmbelastung für die Bürger im Bereich Ahle an der Autobahn 30 geprüft werden.

 

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