Fridays for Future: Lehrer sollen Schüler eingeschüchtert haben – Schule bestreitet dies
Viel weniger Teilnehmer als erwartet

Bünde (WB). 300 Jugendliche waren zur Fridays-for-Future-Demonstration in Bünde erwartet worden. Doch es kamen nur knapp 60. Schnell machte die Nachricht die Runde, dass einige Lehrer Schüler eingeschüchtert hätten.

Samstag, 08.06.2019, 06:00 Uhr
Engagement für Klimaschutz: Erneut trafen sich in Bünde Schüler zur Fridays-for-Future-Demonstration. Allerdings fiel die Teilnehmerzahl geringer aus als erwartet. Foto: Daniel Salmon

Vor dem Bünder Rathaus versammeln sich die Schüler. Workshops werden angeboten – auf dem Boden liegen Papptafeln, die es zu beschriften gilt. Auf einem Schild ist ein abgewandeltes Zitat von Willy Brandt zu lesen: »Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts.«

Nikolaus vom Nordpol

Dann wird es zum ersten Mal laut an diesem Freitag. Ayman Zribi, Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule, trifft mit seinem Fahrrad ein, das Megafon auf Alarm eingestellt. Später wechselt der Mitorganisator von Fridays for Future das Outfit und schlüpft in ein Nikolaus-Kostüm. »Nehmt mir nicht mein Zuhause« steht auf einer Pappe, die er hochhält. Zuhause – das sei der Nordpol. Er wolle nicht, dass der Nordpol wegen des Klimawandels schmelze.

Vertreter verschiedener Parteien kommen anschließend zu Wort. Einen großen Redeanteil hat hier Martin Schuster, der eigentlich nur ein paar Sätze für die CDU sagen will. Doch nach seinem Plädoyer an die Schüler, ihren engagierten Weg weiterzugehen, muss er sich einigen Fragen stellen. So fragt eine Tierschützerin, ob er Fleisch esse. Schuster bejaht, spricht sich aber fürs Maßhalten und für Lebensmittel aus der Region aus: »Es muss nicht jeden Tag ein Rindersteak sein.«

Schule begrüßt Engagement

An anderer Stelle äußert der CDU-Politiker sein Bedauern, dass nur vergleichsweise wenige Schüler da seien – was eine Zuhörerin zu der Bemerkung veranlasst, das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium lasse seine Schüler nicht vom Schulgelände. Ein Mitorganisator spricht sogar von Einschüchterungen aus der Lehrerschaft – aber das gelte auch für die Erich-Kästner-Gesamtschule.

Jens Ransiek, stellvertretender Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, kann nicht verstehen, woher diese Einschätzung kommt. In seiner Schule gebe es keinen Kurswechsel, das Engagement der Schüler werde sogar begrüßt. Es bestehe nach wie vor die Möglichkeit, Beurlaubungsanträge zwecks Teilnahme an der Demonstration zu stellen. Für minderjährige Schüler gelte: »Die Lehrer haben die Aufsichtspflicht. Wir brauchen eine Einverständniserklärung der Eltern, wenn die Kinder das Schulgelände verlassen wollen.« Dieses Vorgehen sei mit den anderen weiterführenden Schulen in Bünde abgestimmt, betont Jens Ransiek.

»Mitten in einer Klausurphase«

Als einen möglichen Grund für das Ausbleiben von Schülern nennt er: »Wir befinden uns gerade in einer Klausurphase.« Falls sich ein Schüler entscheide, eine Klausur nicht zu schreiben, werde kein Nachschreibtermin angeboten. Aber das gelte auch für andere Beurlaubungen – im Unterschied zu einem Krankheitsfall.

Stefanie Janßen-Rickmann (Grüne) vermutet, dass auch die Eltern ihren Anteil daran haben, dass nur wenige Schüler gekommen sind: »Es gibt viele Eltern, die das Engagement außerhalb der Schule nicht mittragen.« Zum Vergleich: Im März hatten mehr als 300 junge Klima-Aktivisten vor dem Rathaus demonstriert, Mitte April waren es um die 150.

Kommentar

Woran liegt es, dass so wenige Jugendliche gekommen sind? Wird tatsächlich von Schulen Druck ausgeübt? Aber selbst wenn sich Lehrer den Schülern gegenüber kritisch äußern sollten – dass dies zu einem derartigen Rückgang bei den Teilnehmerzahlen führt, ist unwahrscheinlich. Oder spielt die Klausurphase eine Rolle? Oder das Pfingstwochenende, das manche zum Kurzurlaub nutzen? Eine einfache Antwort wird es nicht geben.

Definitiv falsch wäre die Einschätzung einer Trendwende. Alle Umfragen belegen, dass der Klimaschutz das entscheidende Thema bleibt. Auch in Bünde ist Fridays for Future noch lange nicht am Ende.

 

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