Markus W. zu zehn Jahren Haft verurteilt – Gericht: Sexunfall-Version »Verächtlichmachung«
»Abscheulich«

Bünde/Bielefeld (WB). Die Tatversion des Angeklagten – er hatte von einem Sexunfall gesprochen – nennt Richter Christoph Meiring »abscheulich«. Das Landgericht Bielefeld hat Markus W. wegen Totschlags seiner Frau Natalie W. (34) zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Donnerstag, 06.06.2019, 15:25 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 20:48 Uhr
Markus W. (48) mit seinen Anwälten Peter (links) und Holger Rostek: Das Landgericht Bielefeld hat den wegen Betruges und Urkundenfälschung vorbestraften Bünder zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Die Verteidigung will gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof beantragen. Foto: Bexte

Die Zuhörerbänke sind wieder voll besetzt, als der Vorsitzende Richter des Schwurgerichtes das Urteil über den 48-Jährigen verkündet. Viele Bekannte und Angehörige des Opfers sind gekommen. Markus W. nimmt den Schuldspruch regungslos auf. Er hat nach Auffassung der Gerichts am 27. November 2017 in der gemeinsamen Wohnung in Holsen seine Frau erwürgt, weil sie sich von ihm habe trennen wollen.

W. gegenüber sitzen die Eltern des Opfers, die als Nebenkläger auftreten. Natalie W.s Mutter wird während der Urteilsbegründung immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt, ihr Vater wahrt die Fassung, nimmt seine Frau zwischendurch in den Arm. »Der bedrückendste Moment in diesem Prozess war das Vorspielen der Sprachnachrichten des Opfers«, sagt Meiring.

»Opfer verächtlich gemacht«

Sie hätten offenbart, wie eine junge Frau und Mutter erfolglos um ihre Ehe gekämpft habe, »bittend, fordernd, anklagend«. Das sei vor allem für die Eltern beklemmend gewesen. Meiring wendet sich direkt an sie, spricht ihnen sein Mitgefühl aus. Dass sie die Last auf sich genommen hätten, an vier Prozesstagen mit dem Verbrechen erneut konfrontiert zu werden, verdiene »Achtung und Anerkennung«.

Dann wendet sich Meiring dem Angeklagten zu: Seine Einlassung, Natalie W. sei versehentlich beim Sexspiel ums Leben gekommen, weil sie nur durch »Würgeakte« zum Höhepunkt habe kommen können, sei eine »Verächtlichmachung des Opfers«. Immer wieder habe er seine Frau angelogen, haber heimlich Kontakt zu Frauen im Internet gesucht und das Verhalten seiner erwachsenen Tochter gedeckt, mit der Natalie W. häufig Streit hatte.

Nach der Tat hatte W. vom Handy seiner Frau eine fingierte Abschiedsbotschaft an sich selbst geschickt und die Geschichte vom Verschwinden seiner Frau aufrecht erhalten. Dabei hatte der Bünder ihre Leiche in einer unter falschem Namen angemieteten Garage in Bielefeld-Vilsendorf abgelegt.

Auf den Boden gedrückt und erwürgt

Hauptmotiv für die Tat sei die Ankündigung der 34-Jährigen gewesen, sich von ihm zu trennen. »Er hatte Angst, vom Umgang mit seinen Kindern ausgeschlossen zu werden«, sagt Meiring. An ihnen habe er gehangen. Deshalb habe er am Tattag um kurz vor 11 Uhr seine Frau auf den Boden gedrückt und erwürgt. Mit seinen Knien auf ihrem Brustkorb brach er ihr dabei zwei Rippen.

»Bei einem Paarkonflikt gibt es aber nicht nur einen Schuldigen«, urteilt Meiring. Natalie W. sei wegen ihrer Depressionen und ihrem aufbrausenden Temperament »nicht immer leicht zu ertragen« gewesen. Sie habe auch das Angebot einer Ehetherapie abgelehnt.

Verteidigung geht in Revision

Die Einlassung des vorbestraften Lageristen am vorletzten Verhandlungstag – »Was passiert ist, tut mir leid« – sei kein echtes Geständnis, Reue nicht erkennbar gewesen. Beim Strafmaß – für Totschlag können fünf bis 15 Jahre verhängt werden – bleibt das Gericht unter den Forderungen von Staatsanwaltschaft (elf Jahre) und Nebenklage (13 Jahre). Die Verteidigung hatte auf eine Haftstrafe von unter zehn Jahren plädiert. »Ob dies ein angemessenes Urteil ist, mögen andere beurteilen«, schließt Meiring seinen Vortrag.

Staatsanwalt Christoper York wollte sich im Anschluss nicht zu dem Urteil äußern. Nebenklageanwalt Armin Knoch wertete die Verurteilung zu einer Haftstrafe im zweistelligen Bereich positiv, hält in einer ersten Einschätzung eine Revision von seiner Seite aus als eher unwahrscheinlich. Verteidiger Holger Rostek kündigte an, das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen zu lassen.

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