Einsatz bei 40 Grad Lufttemperatur: Dr. Emma (80) auf humanitärer Mission im Kongo
121 Kinder operiert

Bünde (WB). Temperaturen von über 40 Grad, eine Luftfeuchtigkeit von annähernd 98 Prozent – unter diesen klimatischen Bedingungen arbeiten zu müssen, ist eine extreme Herausforderung. Vor allem dann, wenn man in höchster Konzentration Kinder und Jugendlichen operieren will.

Mittwoch, 05.06.2019, 07:12 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 08:52 Uhr
Als die Ärzte aus Deutschland an der Ambulanz am Universitätsklinikum in Kikwit eintreffen, herrscht dort ein reger Andrang. Für viele Einheimische ist diese Einrichtung die einzige Möglichkeit, ihre Kinder medizinisch versorgen zu lassen.

Für Dr. Theophylaktos Emmanouilidis (80) und sein sechsköpfiges Team aus Ärzten und Krankenschwestern eine Herausforderung, der sie sich gerne gestellt haben. Gut zwei Wochen, vom 19. Mai bis zum 2. Juni, war der ehemalige Bünder Chefarzt für das »Hammer Forum« in der Demokratischen Republik Kongo im Einsatz.

In der Provinzhauptstadt Kikwit unterhält die Hilfsorganisation an der Universitätsklinik eine eigene Ambulanz. Für viele Einheimische ist diese Einrichtung die einzige Möglichkeit, ihre Kinder medizinisch versorgen zu lassen. Dementsprechend groß war der Andrang, als die Ärzte aus Deutschland eintrafen. »Wir haben während unseres Aufenthaltes 332 Kinder untersucht und 121 von ihnen operiert«, so Dr. Emma, wie ihn die Bünder nennen. Darunter seien einige Fälle gewesen, die selbst er noch nie erlebt habe. »So mussten wir einer Elfjährigen die Milz entfernen. Normalerweise wiegt dieses Organ 150 Gramm. Ihre hatte aber ein Gewicht von sechs Kilogramm.«

Ärzte schlecht ausgebildet

Aus medizinischer Sicht sei der Einsatz zwar ein voller Erfolg gewesen. Trotzdem sei man bis zu einem gewissen Grad frustriert zurückgekehrt. Den Grund nennt der ehemalige Chefarzt, der bereits 40 Mal im Kongo war, auch: »Seit 2008 gibt es die Kinderambulanz des Hammer Forums in Kikwit. In der ganzen Zeit haben sich die Zustände in der Stadt und der Region nicht etwa verbessert. Im Gegenteil. Es wird von Mal zu Mal schlimmer.« Auf Schritt und Tritt werde man mit der Korruption konfrontiert, dazu kämen Unwissenheit, Armut und weit verbreiteter Hunger. Die Situation an der örtlichen Universitätsklinik sei um keinen Deut besser.

»Die Ärzte, die dort arbeiten, sind schlecht ausgebildet, zudem fehlt es ihnen an Erfahrung. Der Krankenhausleitung ist es überdies vollkommen egal, wie die Ärzte operieren – die Ergebnisse sind dementsprechend katastrophal.« Hinzu komme, dass es weder Strom, Wasser, Desinfektionsmittel noch medizinische Materialien gebe. »An der Uniklinik, die 400 Betten hat, arbeiten zwar 80 Ärzte. Wir haben aber während unseres Aufenthaltes mehr Operationen vorgenommen als die Uniklinik seit Jahresbeginn.«

Am 18. Juni geht’s in den Libanon

Da stelle sich durchaus die Frage nach dem Sinn solcher humanitären Einsätze. »Wir wollen Kindern medizinisch helfen. Gleichzeitig wollen wir Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Das setzt aber voraus, dass überhaupt Interesse daran besteht, unser Hilfsangebot, das auch medizinische Weiterbildungen umfasst, anzunehmen.« Daran würde es in Kikwit aber mangeln. Er habe vielmehr den Eindruck gewonnen, dass das Wohl der Patienten den einheimischen Ärzten nicht am Herzen liege: »Sie werden ausschließlich als Einnahmequelle betrachtet.«

Er werde sich von diesen Erfahrungen aber nicht entmutigen lassen. »Wir müssen auch immer den Einzelnen sehen, dem wir helfen können und ihm dadurch ein Stück seiner Menschenwürde wieder zurückgeben.« Und deshalb geht es für Dr. Emma bereits am 18. Juni weiter. Dann folgt er einer Einladung der Hilfsorganisation Roter Halbmond und fliegt in den Libanon.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6666164?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514621%2F
0:2, 3:2, 3:4 – SCP verliert erneut
In der Klemme: Christopher Antwi-Adjei wird hier gleich von zwei Hamburgern bedrängt. Foto: Wilfried Hiegemann
Nachrichten-Ticker