Woolworth-Komplex: Rat stimmt mehrheitlich für Anmietung von Büros
1,1 Millionen Euro für zehn Jahre

Bünde (WB). Die Stadt Bünde wird im Woolworth-Komplex nach dessen Sanierung 30 Büroräume für das Jugend- und das Schulverwaltungsamt anmieten. Das Volumen des Zehnjahresvertrags soll nach Informationen dieser Zeitung 1,1 Millionen Euro betragen.

Montag, 03.06.2019, 08:10 Uhr aktualisiert: 04.06.2019, 12:08 Uhr
Der so genannte Woolworth-Komplex an der Bahnhofstraße wird derzeit aufwändig saniert. Der Rat der Stadt hat die Verwaltung nun beauftragt, Räume in der Immobilie anzumieten, um auf den gestiegenen Platzbedarf an Büros zu reagieren. Foto: Daniel Salmon

Die Details des Mietvertrags mit der Amandla GmbH, die das Gebäude derzeit aufwendig umbauen lässt, waren im Stadtrat in der vergangenen Woche in nicht-öffentlicher Sitzung erläutert worden. Die Abstimmung über den Abschluss war dann öffentlich und auf Antrag des SPD namentlich erfolgt. Während sich die Sozialdemokraten und Carsten Albsmeier (parteilos) gegen eine Anmietung aussprachen, stimmte eine Mehrheit aus CDU, Grünen, UWG und FDP dafür.

Keine Lösung im Bestand in Sicht

Im Vorfeld hatte Hauptamtsleiterin Henriette König anhand einer Raumbedarfsanalyse die Gründe für das von der Stadt vorgeschlagene Vorhaben dargelegt. Demnach benötige die Verwaltung dringend mehr Platz hinsichtlich wichtiger Faktoren wie der Bürger- und der Mitarbeiterfreundlichkeit. König: »Wir sind seit 2016 immer wieder von Kollegen in der Sache angesprochen worden.« Eine umfangreiche Untersuchung habe ergeben, dass Stadtverwaltung und Kommunalbetriebe kurz- bis langfristig 14 weitere Büros benötigten.

Zunächst habe man laut König versucht, für das Raumproblem eine Lösung im Bestand zu finden. Verschiedene Szenarien – etwa die Umwandlung von Flurflächen in Büros oder ein neuer Zuschnitt von Räumen – seien geprüft worden. Allerdings komme keine dieser Alternativen in Frage.

Sanierung Ende 2020 abgeschlossen

Problematisch zeige sich vor allem die Situation am bisherigen Standort des Jugendamtes an der Ortstraße. Das Gebäude war ursprünglich als Wohnhaus geplant, der Zuschnitt der Räume sei daher ungünstig für eine Büronutzung, Barrierefreiheit gebe es nur im Erdgeschoss. Zudem stünden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an. »Das wäre aber keine umfassende Modernisierung«, schränkte König ein.

Andiskutiert worden sei unter anderem ein Neu- oder Anbau am Rathaus oder in der Nähe. Dieser soll nach Aussage von König auch nicht aus dem Blick verloren gehen. »Das ist für uns eine sinnvolle Handlungsvariante, die aber noch sehr viele Fragezeichen hat. Wir wissen nicht was Digitalisierung mit uns macht«, meinte sie.

Weil aktuell in der Nähe der Verwaltung aber keine passenden Flächen zur Verfügung stünden, um die Kommunikationsflüsse innerhalb der Verwaltung kurz zu halten, sei letztlich als kurzfristig umsetzbare Option die Anmietung von Räumen im Woolworth-Komplex geblieben. Nach letztem Stand will der Investor Amandla die millionenschwere Sanierung zum Ende dieses Jahres abgeschlossen haben.

Kritik von der SPD

Detailreich schilderte die Hauptamtsleiterin letztlich, wie die Unterbringung der infrage kommenden Abteilungen in den angemieteten Räumen aussehen könne. »Das ist von vornherein als Interimslösung gedacht«, machte Bürgermeister Wolfgang Koch klar, der mittelfristig eine andere Lösung der Platzproblematik anstrebt.

Lob gab’s für die vorgestellte Planung vonseiten der Grünen und der CDU. »Eine Anmietung ist zunächst der richtige Weg«, so Christdemokrat Martin Schuster. »Die Raumanalyse kommt neun Jahre zu spät«, warf SPD-Fraktionschefin Andrea Kieper ein und zog einen Ratsbeschluss von 2010 heran, der damals schon die Aufgabe des Jugendamtsgebäude an der Ortsstraße vorsah. Seither ist mit Blick auf einen möglichen Neubau wenig passiert. FDP-Ratsherr Martin Lohrie verwies darauf, dass die Raumbedarfe zwar schon früher bekannt gewesen seien, die finanziellen Möglichkeiten der Stadt jedoch seinerzeit eingeschränkt waren. Mit Blick auf die Anmietung sprach er von einer »einmaligen Chance«.

Finanzielle Rücklagen für Neubau

Laut Hauptamtsleiterin Henriette König kann die Stadtverwaltung im sanierten Woolworth-Komplex rund 30 Büro- und Besprechungsräume im ersten und zweiten Obergeschoss anmieten. Neben dem Jugend- soll dort das Schulverwaltungsamt untergebracht werden. Beide Abteilungen zeichnen sich durch einen relativ hohen Publikumsverkehr aus, dem in den sanierten Räumen gut Rechnung getragen werden könne.

So sei die gewünschte Barrierefreiheit durch einen rollstuhl- und kinderwagengeeigneten Aufzug gegeben. Ein behindertengerechtes WC sei ebenfalls vorhanden, Ein wichtiges Kriterium sei aus Verwaltungssicht die direkte räumliche Nähe zum Rathaus. Die Planung der Räume könne maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Stadtverwaltung erfolgen. Der kurzfristige Raummehrbedarf werde durch eine Anmietung überwiegend gelöst. Zudem sei durch die nun gewählte Variante eine größere Flexibilität hinsichtlich zukünftiger Personal- und Organisationsveränderungen möglich.

Bürgermeister Wolfgang Koch betonte, dass parallel weiterhin Planungen eines möglichen Rathausabaus verfolgt werden sollen. Grünen-Ratsherr Eyüp Odabasi regte an, für eine solche Investition zeitnah finanzielle Rücklagen zu bilden.

 

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