Biologische Station Kirchlengern beringt Jungvögel – 400 Paare im Kreis Herford
Saatkrähen wieder heimisch

Bünde (WB). In Bünde und Herford hat es sich inzwischen herumgesprochen: Immer mehr neue Bewohner machen lautstark auf sich aufmerksam, und zwar   brütende und heiser rufende Saatkrähen. Im Gegensatz zur ganz schwarzen Rabenkrähe haben sie eine helle Stelle am Schnabelansatz, der ohne Federn ist. Saatkrähen bilden große Kolonien. Jetzt sind die Vögel von der Biostation Kirchlengern beringt worden.

Mittwoch, 08.05.2019, 11:00 Uhr
18 Jungvögel wurden von Mitarbeitern der Biologischen Station Kirchlengern beringt. Foto: Lea Dittmann
Hoch hinaus: Mit einem Hubsteiger-Wagen kommt man an die Nester in den Baumkronen heran.

Hoch hinaus: Mit einem Hubsteiger-Wagen kommt man an die Nester in den Baumkronen heran. Foto: Lea Dittmann

Als die frisch gebauten Nester in den Baumkronen noch gut zu sehen waren, konnten sie gezählt werden. Erst seit 2012 brütet die Saatkrähe wieder im Kreis. Inzwischen zählen die Vogelkundler über 400 Paare an mindestens zehn Standorten, noch einmal deutlich mehr als im vergangenen Jahr.

»Die Saatkrähen haben vor allem in der Stadt Herford mehrere neue Standorte besiedelt«, führt Klaus Nottmeyer von der Biologischen Station Kirchlengern aus. Der Vogelkundler hat gemeinsam mit Jörg Hadasch, einem ehrenamtlichen Naturschützer aus Vlotho und Lehrer in Bünde, die Beringung von Saatkrähen durchgeführt.

Wissenschaftliche Methode

Mit der Beringung werden schon seit über 100 Jahren Tiere markiert, um sie später wieder erkennen zu können. Eingeführt wurde diese wissenschaftliche Methode, für die man eine spezielle Ausbildung und Erlaubnis haben muss, für Zugvögel. Ringe, die weit vom Beringungsort entfernt wiedergefunden wurden, haben sehr viele Informationen über das Zugverhalten der Vögel geliefert – und tun das auch heute noch. Vielfach werden die Tiere – wie die Saatkrähen – zusätzlich mit einem auffälligen Farbring markiert, der ein Wiederfinden erleichtern soll. Für die Beringung werden oft die Jungvögel gefangen, die noch nicht wegfliegen können.

Saatkrähen brüten aber in hohen Bäumen. Hier ist der Fang sehr schwer. Die Ornithologen bekamen erneut sehr gute Unterstützung von der Firma Bollmeyer aus Kirchlengern. Mit einem Hubsteiger-Wagen kommt man mit einem Metallkorb auf 30 Meter nahe Nester heran. Eine finanzielle Förderung für die gesamte Aktion kam vom Kreis Herford.

In Nester zurückgesetzt

Angesamt 18 Krähen wurden so in Herford und Bünde markiert und in ihre Nester zurückgesetzt. Viele Jungkrähen waren erstaunlicherweise schon ausgeflogen, andere dagegen waren noch klein, manche sogar noch nicht einmal geschlüpft – diese großen Unterschiede sind neu für die Ornithologen und eine wichtige neue Erkenntnis zur Brutbiologie der großen Vögel.

Das Beringen der Saatkrähen soll auch helfen, wenn es Ärger mit Anwohnern geben sollte, die sich über Lärm und Dreck beschweren. Die Naturschützer wollen Informationen sammeln, gerade in der Zeit, wo sich neue Kolonien bilden. Denn Saatkrähen stehen unter einem besonderen Schutz.

»Der Grund dafür liegt in der jahrhundertlangen, massiven Verfolgung durch den Menschen, der in vielen Bereichen Mitteleuropas zur Ausrottung der Saatkrähe geführt hat«, erläutert der Leiter der Biostation die Sachlage. Die Wiederkehr der Art sollte man doch begrüßen – gerade in Zeiten, wo die Artenvielfalt vielfältig bedroht ist.

Kommentare

Jürgen Knauf  wrote: 08.05.2019 16:45
Saatkrähen sind nicht willkommen!
Die Bewohner der Kleinen Mauerstraße, Steinstraße und Steintorwall sind alles andere als begeistert, dass sich die Saatkrähen am Steintor in Herford niedergelassen haben.

Es sind mittlerweile mehrere hundert Tiere, die schon morgens ab 05:00 Uhr, so einen Lärm veranstalten, dass man als Anlieger, trotz geschlossener Fenster, durch die Schreie der Vögel aus dem Schlaf geholt wird. Auch tagsüber kann man sich nicht mehr in Ruhe draußen hinsetzen, ohne diesen ohrenbetäubenden Lärm ertragen zu müssen.

Das ist eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität!
Die Vögel fühlen sich am Steintor in Herford besonders wohl, weil es hier jeden Tag ein Überangebot an Fleisch- und Brotresten von der umliegenden Dönerbuden gibt. Man sollte bei einem Spaziergang den Steintorwall meiden, ansonsten läuft man Gefahr, von dem herunterfallenden Vogelkot verdreckt zu werden. Der Gehweg sieht entsprechend abstoßend aus.

Es ist jetzt an der Zeit, dass die Politik endlich etwas gegen die massive Ansiedlung der Saatkrähen unternimmt.
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