Betrugsverfahren gegen 38-Jährige eingestellt – Haupttäter bereits verurteilt
Fingierter Einbruch in Friseursalon

Bünde  (WB). Weil sie in einen fingierten Einbruch in ein Bünder Haarstudio verwickelt war, hat sich eine 38-jährige Friseurin am Montagmorgen vor dem Bünder Amtsgericht verantworten müssen. Verurteilt wurde die Frau allerdings nicht – ihr wurde Beihilfe zum Betrug vorgeworfen.

Dienstag, 07.05.2019, 04:30 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 09:50 Uhr
Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Bünde verhandelt. Foto: dpa

Die Tat, auf die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift ausführlich einging, liegt bereits einige Zeit zurück. Im Sommer 2015 war der Friseursalon des Ex-Lebensgefährten der Frau – die Bünderin war seinerzeit dort angestellt – von Dieben heimgesucht worden. Die Beute: Haartrockner und -schneider, Pflegeprodukte sowie die Registrierkasse des Ladens. Der Wert der Beute wurde gegenüber der Versicherung mit rund 23.000 Euro angegeben.

Einige Zeit später kam auch dank der Mitwirkung der nun Beschuldigten heraus, dass der Diebstahl fingiert war, um die Versicherung zu betrügen. Der Besitzer des Friseurladens hatte einen bislang unbekannten Mittäter zu der Tat angestiftet, um in den Salon einzubrechen. Zumindest ein Teil der Beute aus dieser Tat war später in einem Schuppen in Rödinghausen wieder aufgetaucht.

17-monatige Freiheitsstrafe für den Ex

In einem gesonderten Verfahren war der Ex-Freund der Frau bereits im September vergangenen Jahres wegen des Einbruchs und weiterer Taten vor dem Herforder Amtsgericht zu einer 17 monatigen Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung – verurteilt worden.

Die Angeklagte habe von dem getürkten Einbruch gewusst und bei der Aufstellung der Schadensliste mitgewirkt, führte die Anklagevertreterin nun in dem Prozess am Montagmorgen aus.

»Meine Mandantin hat etwas gemacht, was sie bereut hat. Ich bin der Meinung, wir brauchen keine große Beweisaufnahme. Sie ist bestraft genug und hat von sich aus reinen Tisch gemacht«, so der Verteidiger der Frau. Er beantragte, das Verfahren einzustellen.

Psychischer Druck

Im Laufe der Verhandlung führte die 38-Jährige aus, unter welchen psychischen Druck sie von ihrem ehemaligen Lebensgefährten in der Sache gesetzt worden war. »Körperliche Angriffe waren bei ihm an der Tagesordnung«, berichtete die Frau, die gegen ihren Ex später vor Gericht erwirkt hatte, dass er sich ihr nicht mehr nähern dürfe. Auf die Frage des Richters, warum sie zunächst bei der Polizei falsche Angaben zu dem Einbruch gemacht habe, sagte die Bünderin: »Ich hatte einfach Angst vor dem Mann.«

Letztlich erkannte auch die Anklagevertreterin an, unter welchem extremen Druck die bislang nicht vorbestrafte Friseurin gestanden hatte, hielt ihr zudem die Mitwirkung an der Aufklärung des Falles zugute: »Ich hätte gegen eine Einstellung des Verfahrens nichts einzuwenden.« Dem folgte letztlich auch der Amtsrichter.

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