Polizei findet Tausende Bild- und Video-Dateien – zwölfmonatige Bewährungsstrafe
War es Sammelwut? Bünder (38) hortet Kinderpornos

Bünde (WB). Etwa 3000 Bilder und 300 Videos mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt hatte ein 38-Jähriger auf etlichen Datenträgern gehortet. Das Bünder Amtsgericht verurteilte ihn dafür zu einer zwölfmonatigen Freiheitsstrafe – ausgesetzt zur Bewährung.

Freitag, 26.04.2019, 07:47 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 13:02 Uhr
Die Polizei beschlagnahmte bei dem Bünder im April 2018 zahlreiche CD-Roms und weitere Datenträger. Foto: dpa

»Das ist wirklich eine große Menge. Ich hatte schon zig solcher Verfahren, aber so viele Bilder und Videos sind mir noch nicht untergekommen«, zeigte sich die erfahrene Staatsanwältin in ihrem Plädoyer erschüttert über die Masse des von der Polizei sichergestellten belastenden Materials.

Durchsuchung im April 2018

Laut Anklageschrift waren die Ermittler im April 2018 in der Wohnung des Beschuldigten angerückt, hatten Computer, Handys, Festplatten, USB-Sticks und zahlreiche CD-Roms beschlagnahmt. »Alle Bilder und Filme bilden den teils schweren sexuellen Missbrauch von Jugendlichen und Kindern – entweder untereinander oder durch Erwachsene – ab«, führte die Staatsanwältin aus und ging auch auf verschiedenen Sexualpraktiken, die dabei zur Anwendung kamen, ein.

Der Angeklagte selbst wollte sich zur Sache nicht äußern. Stattdessen ließ er über seinen Verteidiger eine vorgefertigte Erklärung verlesen, in der er die Vorwürfe vollumfänglich einräumte – und zugleich eine vermeintliche Erklärung für die Anhäufung des verbotenen pornografischen Materials enthielt. Demnach sei der 38-Jährige – er hat nach eigenen Angaben nie einen Beruf erlernt – häufig arbeitslos, antriebslos und gelangweilt gewesen. Und weil er mit seiner Zeit nichts anzufangen wusste, sei er in eine Art Sammelwut verfallen. Zunächst habe er seine Wohnung mit mehr oder minder nutzlosen Dingen zugestellt.

»Falsch« und »widerwärtig«

Ähnlicher Fall im Januar

Bereits Anfang dieses Jahres hatte ein damals 23-jähriger Soziologie-Student wegen ähnlicher Vorwürfe vor dem Bünder Amtsgericht gestanden. Er hatte auf zwei Computern insgesamt 1700 Fotos und Videos mit Kinder- und Jugendpornos gespeichert, als die Polizei im Januar 2018 in seiner Wohnung auftauchte. Der Mann hatte sich geständig gezeigt und war zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

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Später, als seine Räume komplett vollgestellt gewesen seien, sei der Bünder auf das Sammeln digitaler Daten umgestiegen – weil das »platzsparender« gewesen sei. Der Angeklagte habe begonnen, »normale« Sexfilme zu speichern und zu konsumieren, später seien Kinder- und Jugendpornos dazugekommen.

Als »falsch« und »widerwärtig« bezeichnete der 38-Jährige sein Verhalten in der schriftlichen Stellungnahme und entschuldigte sich für seine Taten. Seit vergangenem Oktober gehe der Angeklagte einer vom Jobcenter vermittelten Arbeit nach und glaube, dadurch seine Sammelwut unter Kontrolle zu haben.

»Mein Mandant hat eine psychologische Zwangsstörung«, führte der Verteidiger weiter aus. Eine Therapiemaßnahme wegen des Messie-Syndroms sei erfolglos verlaufen. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass man Kinderpornos sammelt, wie andere Schlumpffiguren. So was mit Sammelwut zu begründen, ist nicht nachvollziehbar«, wandte sich die Staatsanwältin an den Beschuldigten. Auch die Richterin versuchte vergeblich, mehr über die Hintergründe des auffälligen Verhaltens des Angeklagten zu erfahren.

200 Sozialstunden und Geldauflage

Unter Berücksichtigung der Gesamtumstände forderte die Staatsanwaltschaft letztlich eine 15-monatige Haftstrafe für den Bünder, dem sie eine ungünstige Sozialprognose ausstellte. Der Verteidiger hingegen plädierte auf eine Geldstrafe (90 Tagessätze) für seinen Mandanten.

Das Gericht verhängte – nach einer längeren Unterbrechung – schließlich eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe (Bewährungszeit: vier Jahre). Als Auflage muss der Bünder zudem 200 Sozialstunden ableisten und 1100 Euro an die Aktion Kinderschutz zahlen. »Ich hoffe, Sie werden durch das Urteil beeinflusst, sich therapeutische Hilfe zu suchen«, so die Richtern.

Gegen das Urteil können binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden.

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