Zukunft der Britensiedlung: Bünder SPD sucht Dialog mit Hunnebrockern
Bürger fordern »geordnete Verhältnisse«

Bünde (WB). Wie geht’s mit der Quartiersentwicklung in Hunnebrock weiter? Und wann gibt’s eine Bürgerbeteiligung zu dem Thema? Diese Fragen treiben viele Anwohner der ehemaligen Britensiedlung um. Die SPD hat ihrem Anliegen jetzt Gehör geschenkt.

Donnerstag, 04.04.2019, 10:38 Uhr aktualisiert: 04.04.2019, 11:10 Uhr
Rund 30 Hunnebrocker sind zum Open-Air-Bürgerdialog an der Karl-Arnold-Straße gekommen. Sie fordern, an der Quartiersentwicklung beteiligt zu werden. Foto: Salmon

Dienstagabend, 18 Uhr: Etwa 30 Hunnebrocker haben sich an der Ecke Carl-Severing-Straße/Karl-Arnold-Straße versammelt – viele Ältere, aber auch einige Jüngere. Zu ihnen gesellen sich Karsten Dogar, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bünde-Süd, und die Ratsmitglieder Ulf Dreier, Kai Unzicker und Magdalena Monka.

Handlungskonzept wird vermisst

Den Treffpunkt haben die Sozialdemokraten bewusst ausgewählt. Viele der Reihenhäuser der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in diesem Bereich stehen leer. Andere werden von der Stadt als Unterkünfte für Asylbewerber genutzt. »Der Kauf der Britenhäuser ist vom Rat beschlossen worden. Die ersten Immobilien sind gekauft, für den Erwerb von weiteren werden Verhandlungen geführt. Was wir vermissen, ist ein Handlungskonzept der Stadt, aus dem man erkennen kann, was hier passieren soll«, sagt Dogar.

Ulf Dreier verweist auf einen einstimmig gefassten Ratsbeschluss, der von Oktober 2017 datiert und von der SPD angestoßen wurde: »Es war beschlossen worden, dass mit den Bürgern vor Ort gemeinsam ein Konzept für das Quartier erstellt werden soll. Das war vor fast zwei Jahren. Bis jetzt ist nichts passiert. Das ist schade. Da werden Chancen vertan. Es fehlt der Dialog, es fehlen Infos, es fehlt bezahlbarer Wohnraum.«

»Wir wollen Familien in den Häusern haben«

Dann melden sich die Anwohner zu Wort. »Wir wollen dieses Jahr noch erfahren, was hier passieren soll – nicht erst 2021«, sagt eine jüngere Frau. »Geordnete Verhältnisse«, wünscht sich eine Teilnehmerin. Ein Bürger fügt an: »Man kann die Häuser doch nicht einfach so verrotten lassen.« Und eine ältere Dame meint: »Wir sind frustriert. Wir wollen Familien in den Häusern haben und keinen Leerstand.« Denn die Folge der leeren Wohnungen lägen auf der Hand: zunehmender Vandalismus und Einbrüche.

Und in der Tat: Zahlreiche Sichtschutzzäune in den Hintergärten der Britenhäuser sind demoliert, Planken wurden einfach herausgerissen. »Von den Zaunlatten wurden schon Lagerfeuer auf dem Spielplatz gemacht. Wer das war, wissen wir aber nicht«, sagt Anliegerin Sabine Stiegelmeier: »Es tut einem in der Seele weh, dass so viel kaputt gemacht wird.« Hunnebrockerin Meike Melzer ergänzt: »Es ist einfach nur schade, vor allem wenn man auf Facebook liest, wie viele junge Familien eine Wohnung mit Garten suchen.«

»Hier laufen die Ratten rum«

Viele Bürger ärgern sich darüber, dass viele Wohneinheiten schon seit Jahren leer stehen.

Viele Bürger ärgern sich darüber, dass viele Wohneinheiten schon seit Jahren leer stehen. Foto: Daniel Salmon

Unter den Nägeln brennt den Anliegern auch das Müllproblem in dem Ortsteil . Auf die überfüllten Abfallcontainer in dem Bereich war auch die Stadt schon aufmerksam geworden. Festgestellt worden sei dabei, dass der Unrat nicht nur von den aktuellen Bewohnern der Britenhäuser komme. »Die Hemmschwelle sinkt, dass andere hier ihren Müll abladen, wenn die Häuser nicht bewohnt sind«, sagt Karsten Dogar. Nichtsdestotrotz seien die Folgen dieses Umweltfrevels für das ganze Viertel spürbar. »Hier laufen die Ratten rum«, sagt eine Bürgerin.

Um den Druck auf die Stadtverwaltung hochzuhalten, ein schlüssiges Handlungskonzept für die Britensiedlung vorzulegen und die Anlieger zu beteiligen, fordern die vier Sozialdemokraten die Bürger zum aktiven Handeln auf. »Kommen Sie am 9. April in die Ratssitzung. Stellen Sie Fragen, wann die Bürgerbeteiligung umgesetzt wird. Wir müssen das Thema immer wieder auf die Tagesordnung bringen«, sagt SPD-Ratsherr Unzicker.

Nach gut 30 Minuten ist der Bürgerdialog beendet. »Mit der Resonanz bin ich zufrieden. Es ist eine Herzensangelegenheit für mich, dass es hier voran geht«, sagt Sozialdemokrat Dreier. Mit dieser Aussage dürfte er vielen der Teilnehmer der Veranstaltung aus der Seele sprechen.

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