Zwei Ziffernblätter im Turm der Pauluskirche ausgewechselt
Von der Zeit gezeichnet

Bünde  (WB). Etwa 70 bis 80 Jahre sind sie alt – die Ziffernblätter in der Turmuhr der Pauluskirche. Jahrzehntelang waren sie Wind und Wetter ausgesetzt, zeigten den Bündern im Stadtzentrum stets verlässlich die Uhrzeit. Doch nun haben die Ziffernblätter an der Nord- und Südseite des Kirchturms ausgedient.

Dienstag, 02.04.2019, 11:02 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 11:10 Uhr
Millimeterarbeit: Marcel Mühlenfeld (links) und Kai Kirchner vom THW-Ortsverein Bünde tragen eines der alten Ziffernblätter über die hölzernen Kirchturmtreppen nach unten. Foto: Hilko Raske

Am Wochenende sind sie gegen neue Blätter und Zeiger ausgewechselt worden. Ein Austausch, der nicht ganz so einfach war, wie Kurt Haubrok, Vorsitzender des Vereins zum Erhalt der Pauluskirche, festhält. Damit die Metallscheiben, die einen Durchmesser von etwa 1,70 Meter haben, überhaupt nach unten befördert werden konnten, hatte der Förderverein Unterstützung durch das Technische Hilfswerk (THW) in Bünde erhalten.

Doch bevor es soweit war, mussten die alten Ziffernblätter erst einmal aus ihrer Fassung gelöst werden. Und hier kam Peter Lachmann von der Turmuhr-Firma »Korfhage & Söhne« aus Melle-Buer zum Einsatz. Bereits am Freitagmorgen war Lachmann mit einem Kleintransporter vorgefahren, in dem sich die neuen Blätter befanden. Die habe er übrigens selber hergestellt, wie der Metallbaumeister erzählt. Kaum angekommen, ging es dann den Turm hinauf. Erst über die Wendeltreppe aus Stein, dann über die Holztreppen immer weiter nach oben. Höhenangst darf man hier nicht haben, zeigt ein Blick zwischen den Treppenstufen nach unten. Oben angekommen, klopfte Lachmann mit Hammer und Meißel die Zementeinfassung der Ziffernblätter heraus. Denn nur so kommt man überhaupt an die Aufhängung der Metallscheiben.

Ausbau nur bei Windstille

Stunden später hat das THW den Bereich um den Turm der Pauluskirche absperrt. Zum Einsatz kommt die Bergungsgruppe des Ortsvereins, die mit einem Gerätewagen vorgefahren ist. »Gottseidank spielt das Wetter mit. Bei Wind wäre es fast ein Ding der Unmöglichkeit, die Ziffernblätter gefahrlos zu bewegen«, sagt THW-Gruppenführer Hendrik Weber. Dennoch: Die Metallscheiben mit Seilen außen am Turm herabzulassen, ist ein Herausforderung. Denn unterhalb der Öffnungen für die Ziffernblätter sind Anbauten, die den direkten Weg nach unten versperren.

Überraschende Problemlösung

Doch das Problem löst sich auf überraschende Art und Weise. Dr. Manfred Heunen, Mitglied im Förderverein, entdeckt in den Treppenabsätzen Luken, die genau den Durchmesser der Ziffernblätter haben. »Auf diesem Weg sind die Ziffernblätter anscheinend auch schon in der Vergangenheit transportiert worden«, sagt er.

Kein alltäglicher Einsatz

Trotzdem ist es für das THW kein alltäglicher Einsatz, wie Gruppenführer Hendrik Weber betont. »Das Ganze läuft für uns nun als ›Bewegen von Lasten aus größer Höhe‹«, informiert er. Mit Sicherheitskleidung und einem Schutzhelm ausgestattet – »ohne den darf niemand in den Turm« – hilft das THW-Team Peter Lachmann, die Ziffernblätter endgültig zu lösen und vorsichtig nach unten zu transportieren.

6000 Euro kosten die neuen Ziffernblätter plus Zeiger, die aus witterungsbeständigen Materialien sind. »Außerdem lassen wir auch gleich das Uhrwerk überholen – das kostet noch einmal 3000 Euro«, informiert Haubrok. Und was geschieht mit den alten Ziffernblättern, die ja auch ein Stück Stadtgeschichte sind? »Vielleicht werden sie zugunsten des Fördervereins versteigert.« Aber das müsse die Kirchengemeinde entscheiden.

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