Fips Asmussen liefert im Universum drei Stunden Gags am laufenden Band
Der König der Kalauer

Bünde  (WB). Auch im deutlich fortgeschrittenen Alter will der deutsche König der Kalauer das Zepter noch nicht weiterreichen. Warum auch? Erst am Samstag wurden rund 170 Gäste im Universum Zeuge, dass bis dato kein Thronfolger in Sicht ist, der Fips Asmussen in seiner Sparte das Wasser reichen kann.

Montag, 01.04.2019, 14:52 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 14:56 Uhr
Fips Asmussen (Rainer Pries) gilt als Urvater aller Stand-up-Comedians in Deutschland und ist auch mit fast 81 Jahren noch für ein dreistündiges Programm gut. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Ohne Ankündigung betritt der 80-Jährige durch den Besuchereingang das alte Bünder Kino, mustert die Menschen in den Stuhlreihen genau, begrüßt einige persönlich und hat dabei stets einen Spruch auf Lager: »Weicher Händedruck, bist du arbeitslos?«, »Flotter Pullover, war der teuer, als er modern war?« oder »Mutti, kommst du mit einem Stuhl aus?«. Noch nicht einmal auf der Bühne angekommen, hat Fips Asmussen schon mehr Witze erzählt als manch anderer Komiker in der ersten Programmhälfte.

Humorsalven im Stakkatorhythmus

Es ist genau das, was sein Publikum von ihm erwartet: Humorsalven im Stakkatorhythmus, ein Pointenfeuerwerk am laufenden Band. Dabei habe nicht viel gefehlt, da hätte er gar nicht ins Universum kommen können, gesteht er: »Gestern lag ich noch mit 39 im Bett, das war ein Gedränge!« Und sie lachen alle, ob jung oder alt. Vertreter dreier Generationen haben es sich in den Kinosesseln und an den Tischen auf dem Balkon gemütlich gemacht. Kein alltägliches Bild bei einer Kabarett- oder Comedyveranstaltung – der gebürtige Hamburger genießt das, was gemeinhin als Kultstatus bezeichnet wird.

Das sei aber ein schöner Anblick, so Asmussen, als er dann auf der Bühne steht und seinen Blick über die Zuschauerreihen schweifen lässt. »Ich wusste gar nicht, dass so viele im offenen Vollzug sind.« Wie ein Schuljunge, mit baumelnden Beinen, setzt er sich dann auf einen Tisch und nimmt reichlich Volksvertreter ins Visier. Was der Unterschied zwischen Fips Asmussen und Politikern sei? »Fips weiß, dass er dummes Zeug redet«, sagt er und verteilt ausführlich Seitenhiebe in alle möglichen politischen Windrichtungen. Seine Taktik ist immer gleich: Durchaus geschickt, hier werden seine kabarettistischen Wurzeln deutlich, stellt er das jeweilige Opfer vor, bevor er dann zum Rundum-Beleidigungsschlag ausholt. »Als Peter Alzheimer neulich über seinen Schatten springen musste, war er drei Tage in der Luft« oder »Angela Merkel ist ja geschickt, fragt sich bloß von wem.« Aber eines sei unbestritten, sie sei die schönste Bundeskanzlerin, die wir jemals hatten. Trotzdem sei er von der Politik enttäuscht. »Wenn das in Deutschland so weitergeht, ziehe ich zu meinem Geld in die Schweiz.« Und was er nicht schon für Berufe hatte. Als Friedhofsgärtner hätte er 2000 Leute unter sich gehabt und als Brennholzverleiher reichlich Asche gemacht. Aber nun sei er alt, würde sich in der eigenen Garage verfahren und müsse aus Gesundheitsgründen drei Diäten auf einmal machen: »Mit einer wirste ja nicht satt.«

Mit 81 Jahren auf der Bühne

Fips Asmussen wird am Ende dieses Monats 81 Jahre alt und agiert auf der Bühne des Universums so, als wolle er bis zu seinem Ehrentag durchspielen. Nicht weniger als drei Stunden feuert das Urgestein der deutschen Humorlandschaft seine Witzattacken mit beachtlicher Schlagzahl ab, ist mal Märchenonkel, mal Kabarettist und häufig Possenreißer, bietet zotige, platte und uralte Gags sowie politisch-satirische Pointen – und ist hin und wieder erfrischend politisch unkorrekt.

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