Hospizgruppe bietet erstmals einen »Letzte-Hilfe-Kurs« an
»Sterben ist ein Teil des Lebens«

Bünde (WB). Es ist eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft: das Reden über das Sterben. Das erklärt, weshalb viele Menschen unsicher im Umgang mit sterbenden Angehörigen, Freunden oder Nachbarn sind. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit soll ein Kurs nehmen, den die Hospizgruppe am Lukas-Krankenhaus am Dienstag, 2. April, erstmals in Bünde anbietet.

Samstag, 30.03.2019, 04:08 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 09:26 Uhr
Die Unsicherheit im Umgang mit Sterbenden will ein Kurs nehmen, den jetzt die Hospizgruppe am Lukas-Krankenhaus anbietet. Foto: dpa

Unter der Bezeichnung »Letzte-Hilfe-Kurs« soll ein kleines Einmaleins der Sterbebegleitung vermittelt werden. »Die Bezeichnung des Kurses ist bewusst so gewählt worden. Sie lehnt sich an die weithin bekannten ›Erste-Hilfe-Kurse‹ an, die ja auch ein Basiswissen zur Verfügung stellen«, sagt Gisela Sauerland, die gemeinsam mit Petra Vogt die Aktivitäten der Hospizgruppe koordiniert. Der Kursname signalisiere, dass jeder in der Bevölkerung sich dieses Wissen aneignen könne, betont sie.

Kurs besteht aus vier Einheiten

 

Letzte Hilfe

Die Idee eines »Letzte-Hilfe-Kurses« stammt von Dr. Georg Bollig, der sich als Palliativ- und Notfallmediziner mit diesem Thema auseinandersetzt. Im Jahr 2015 fanden in Schleswig-Holstein, Norwegen und Dänemark die ersten Letzte-Hilfe-Kurse statt. Die Kurse wollen Grundwissen an die Hand geben und ermutigen, sich Sterbenden zuzuwenden.

Inzwischen haben mehr als 9000 Menschen an Letzte-Hilfe-Kursen teilgenommen. Mehr als 1000 Kursleiter sind ausgebildet worden.

Mittlerweile werden die Kurse in zahlreichen europäischen Ländern angeboten – neben Deutschland unter anderem in Norwegen, Dänemark, der Schweiz, Litauen, Österreich und Schottland.

Das Projekt »Letzte-Hilfe-Kurse« ist mehrfach ausgezeichnet worden. 2015 erhielt es den »Preis der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin«. Weitere Informationen auch im Internet.

...

»Der Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft wächst. Das Wissen um das Verhalten am Lebensende und Sterben ist aber verloren gegangen«, so Gisela Sauerwald. Zuhause zu sterben sei ein Wunsch, den viele Menschen äußerten, wenn sie an ihren eigenen Tod denken würden – und doch sterbe der größte Teil der Bevölkerung in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Menschen am Lebensende zu begegnen und sie im Sterben zu begleiten, sei für viele mit Angst, Unsicherheit und Überforderung verbunden.

Doch was wird denen vermittelt, die an dem Kurs teilnehmen, der von 16.30 bis 20.30 Uhr in den Räumen der Hospizgruppe (Brunnenallee 36) stattfindet? Der Kurs gliedert sich in vier Einheiten: »Sterben ist ein Teil des Lebens«, »Vorsorgen und Entscheiden«, »Leiden lindern« sowie »Abschied nehmen vom Leben«. »Um an diesem Kurs teilzunehmen, sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Die Inhalte werden allgemein verständlich vermittelt«, sagt Petra Vogt, die sich ebenso wie Gisela Sauerland zur Kursleiterin hat ausbilden lassen. »Wir wollen den Teilnehmern die Unsicherheit nehmen. Viele befürchten, dass sie im Umgang mit Sterbenden etwas falsch machen – und das zieht oftmals einen Überaktionismus nach sich«, weiß Gisela Sauerland.

Konkrete Infos werden vermittelt

Die Unsicherheit im Umgang mit Sterbenden will ein Kurs nehmen, den jetzt die Hospizgruppe am Lukas-Krankenhaus anbietet. Foto: dpaGisela Sauerland (links) und Petra Vogt leiten den »Letzte-Hilfe-Kurs«, der erstmals in Bünde angeboten wird.

Die Unsicherheit im Umgang mit Sterbenden will ein Kurs nehmen, den jetzt die Hospizgruppe am Lukas-Krankenhaus anbietet. Foto: dpaGisela Sauerland (links) und Petra Vogt leiten den »Letzte-Hilfe-Kurs«, der erstmals in Bünde angeboten wird. Foto: Raske

Und genau hier setze der Kurs an. Teilnehmer würden konkrete Informationen und einfache Handgriffe vermittelt. Der Kurs gebe aber auch Denkanstöße, um eine persönliche innere Haltung zu dem Thema zu entwickeln. »Sterbebegleitung ist keine Wissenschaft, sondern gelebte Mitmenschlichkeit und sollte, ebenso wie ›Erste Hilfe‹, zum Allgemeinwissen werden«, so die Koordinatorinnen.

Die Teilnahme am Kurs ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich: Telefon 05223/167738 (falls das Büro nicht besetzt ist, auf den AB sprechen).

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