297 Anlieger beteiligten sich an der Umfrage der Stadt – 273 sind gegen Umbenennungen
Mehrheit gegen neue Straßennamen

Bünde  (WB). Das Votum der Anlieger ist eindeutig: Für das Thema Straßenumbenennungen kann sich nach den nun vorliegenden Ergebnissen einer Umfrage der Stadt kaum jemand erwärmen.

Freitag, 08.03.2019, 11:28 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 11:30 Uhr
23 Anlieger der Lettow-Vorbeck-Straße erhielten Post von der Kommune, 17 reagierten auf die Anfrage. Davon sprach sich ein Anwohner für einen neuen Straßennamen aus, der Rest war dagegen. Foto: Daniel Salmon

So haben die Anlieger abgestimmt

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  • An der Carl-Diem-Straße erhielten 87 Anlieger die Umfragezettel. 56 beantworteten den Brief der Stadt. Sechs votierten für eine Umbenennung, 46 sprachen sich dagegen aus, vier enthielten sich.

    An der Carl-Diem-Straße erhielten 87 Anlieger die Umfragezettel. 56 beantworteten den Brief der Stadt. Sechs votierten für eine Umbenennung, 46 sprachen sich dagegen aus, vier enthielten sich.

    Foto: Daniel Salmon
  • Für den Frühlingsweg liegen der Kommune keine Befragungsergebnisse vor. Der Grund ist einfach: Einwohnermelderechtlich ist an der Straße niemand gemeldet.

    Foto: Daniel Salmon
  • An der Hindenburgstraße wurden 245 Anlieger von der Stadt kontaktiert. 101 meldeten sich zurück. Acht stimmten für einen neuen Namen, 90 dagegen. Ein Anlieger enthielt sich, zwei Stimmen waren ungültig.

    Foto: Daniel Salmon
  • Von 65 angeschriebenen Anwohnern an der Kameradschaft meldeten sich 25 zurück. Die Rücklaufquote liegt somit bei 38,5 Prozent. Für eine Umwidmung sprach sich niemand aus.

    Foto: Daniel Salmon
  • Beim Friedrich-Langewiesche-Weg verhält es sich genau so wie beim Frühlingsweg: Weil dort niemand gemeldet ist, konnte die Stadt dorthin keine Briefe verschicken.

    Foto: Daniel Salmon
  • 17 Personen, die an der Rudolf-Kinau-Straße wohnen, wurden von der Stadt angeschrieben. 14 meldeten sich bei der Verwaltung zurück, von denen keiner für eine Umbenennung votierte.

    Foto: Daniel Salmon
  • An die Saarlandstraße wurden 109 Umfragezettel versandt, 68 antworteten auf die Anfrage. Davon stimmten 66 Anlieger gegen einen Umbenennung, zwei enthielten sich, zwei Stimmen waren ungültig..

    Foto: Daniel Salmon
  • 19 Haushalte liegen an der Wagenfeldstraße. 16 Empfänger der Umfragepost schickten ihre Unterlagen an die Stadt zurück. Alle sprachen sich gegen eine Umwidmung aus.

    Foto: Daniel Salmon

Wie mehrfach berichtet, hatten Mitarbeiter des Rathauses Anwohner von neun Straßen (Hindenburg-, Saarland-, Lettow-Vorbeck-, Carl-Diem-, Wagenfeld- und Rudolf-Kinau-Straße sowie Frühlingsweg, Friedrich-Langewiesche-Weg und Kameradschaft) angeschrieben, »deren Benennung durch Verbindung zu Verbrechen an der Menschlichkeit oder zu Verbrechen in der NS-Zeit belastet ist«.

Zugrunde lag dieser Aktion ein gemeinsamer Antrag der Bünder CDU und FDP, der den Verkehrausschuss im letzten November passiert hatte . Die Fraktionen hatten nach den zahlreichen Diskussionen, die sich in der Vergangenheit vor allem um die Lettow-Vorbeck-Straße drehten, die Anlieger in der Sache mit ins Boot holen wollen. Historiker Jörg Militzer hatte im Zuge dessen eine Liste mit den Straßennamen ermittelt, bei denen eine Umbenennung infrage kommen könnte. Zusätzlich hatte die Stadt die Bürger gebeten, noch weitere Straßennamen zu nennen, die aus ihrer Sicht mit in die Abstimmung aufgenommen werden sollten. Rückmeldungen auf diesen Aufruf gab’s jedoch nicht.

Kommentar

Wenn das kein eindeutiges Votum ist: Mehr als 90 Prozent der Anlieger, die auf das Schreiben der Stadt geantwortet haben, sind gegen eine Umbenennung. Man darf davon ausgehen, dass es denen, die sich nicht Mühe gemacht haben, Stellung zu beziehen, schlicht egal ist, wie die Straßen heißen.

Über mehrere Jahre hinweg ist das Thema immer wieder in der Elsestadt aufgeflammt, sorgte in den politischen Gremien für mehrere Stunden teils emotionaler Debatten. Viel Greifbares kam dabei allerdings nicht heraus.

Möglicherweise wäre es nicht soweit gekommen, hätte man gleich zu Anfang einen politischen Konsens gefunden, die Lettow-Vorbeck-Straße, die Auslöserin aller Diskussionen, umzubenennen. Was in vielen deutschen Städten tatsächlich gelang, funktionierte in Bünde allerdings nicht. Daniel Salmon

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Entscheidung am 14. März

Bereits in der Sitzung des Verkehrsausschusses Anfang dieses Jahres hatte Technischer Beigeordneter Andreas Siepenkothen mitgeteilt, dass sich das Gros der befragten für die Beibehaltung »ihrer« Straßennamen ausgesprochen habe. Eine endgültige politische Entscheidung sollte dann in der Sitzung des Gremiums am 14. März fallen. Bis dahin sollten die genauen Zahlen vorliegen.

Und das ist auch der Fall. Von den 565 Angeschriebenen beteiligten sich immerhin 297 an der Umfrage der Stadt. Weil am Frühlingsweg und an der Friedrich-Langewiesche Straße einwohnermelderechtlich niemand gemeldet ist, gibt’s aus diesen Straßen logischerweise auch keine Abstimmungsergebnisse.

Insgesamt plädierten 273 Anlieger – das sind 91,9 Prozent der eingegangenen Rückmeldungen – für die Beibehaltung der Straßennamen. Für keine der abgefragten Straßen fand sich eine Anwohnermehrheit, die für eine Umwidmung stimmte. Überhaupt sprachen sich nur 15 Befragte für neue Straßennamen aus. Sechs von ihnen wohnen an der Carl-Diem-Straße, acht an der Hindenburgstraße und einer an der Lettow-Vorbeck-Straße.

»Thema erledigt«

»Ich finde es gut, dass es so eine überraschend üppige Beteiligung an der Umfrage gab. Das zeigt, dass die Leute ein Interesse daran haben und das Ergebnis somit auch eine demokratische Wirkung hat«, sagt Martin Schuster, CDU-Stadtverbandschef und einer der Initiatoren des Umfrageantrags. Er fährt fort: »Straßenumbenennungen werden in breiter Front abgelehnt. Für mich hat sich das Thema somit erledigt.«

Wahrscheinlich sieht das eine Ausschussmehrheit am 14. März ebenfalls so.

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