Das Bünder Tierheim kümmert sich nicht nur um ausgesetzte Hunde und Katzen
Wenn Herrchen ins Gefängnis muss

Bünde  (WB). Nicht nur ausgesetzte oder vernachlässigte Vierbeiner finden im Bünder Tierheim ein Zuhause auf Zeit. Auch wenn ein Hunde- oder Katzenbesitzer ins Gefängnis muss, springen die Tierfreunde ein. So wie bei American-Staffordshire-Terrier Sammy.

Dienstag, 05.03.2019, 07:01 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 08:01 Uhr
Laut Polizeisprecher Uwe Maser gibt es pro Jahr eine handvoll Fälle, bei denen die Beamten Tiere in die Obhut des Bünder Tierheims geben. Foto: Daniel Salmon/Symbolbild

Seit Mitte November vergangenen Jahres lebt der sechs Jahre alte Rüde in der Einrichtung des Tierschutzvereins im Stadtteil Ahle. Es war der Tag, an dem Beamte der Kripo Bielefeld mit einem Haftbefehl beim Halter des Tieres auftauchten und den Bünder festnahmen. Der Mann steht im Verdacht, seine Ehefrau getötet zu haben und sitzt seither in U-Haft.

Von der Polizei angefordert

»Die Polizei hatte uns angefordert, wir sollten Sammy abholen und bei uns unterbringen«, sagt Tierheimleiterin Kathrin Sander. Denn außer den Tierfreunden hätte sich niemand um den Hund kümmern können. »Er machte einen sehr gepflegten Eindruck, war durch und durch freundlich als wir kamen, ließ sich einfach anleinen und sprang dann ins Auto«, sagt Sander.

Dass ein solcher Einsatz auch komplizierter ablaufen kann, weiß sie aus eigener Erfahrung. »Vor einigen Jahren wurde ein Mann an einer Tankstelle verhaftet. Und er hatte seinen Hund im Auto dabei. Der wollte an den Wagen niemanden ran lassen.« Mit der Unterstützung eines Hundeführers der Polizei sei es der Tierheimleiterin dann aber doch gelungen, den Vierbeiner aus dem Fahrzeug zu holen.

Katzendame Lucy teilt ein ähnliches Schicksal wie Sammy. Auch sie wurde von der Polizei sichergestellt. Ihr Halter war zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen worden. Seit fast einem halben Jahr lebt Lucy nun schon im Tierheim.

Hund kostet pro Tag 15 Euro

So geht’s Urmel mittlerweile

Was macht eigentlich Kater Urmel? Das Schicksal des Vierbeiners hatte vor im Sommer 2017 bundesweit viele Menschen bewegt. Unbekannte hatte dem Tier beide Ohren abgeschnitten, es dann in Herford ausgesetzt. Nach einer OP kam der Kater, der dann den Namen Urmel erhielt, ins Bünder Tierheim.

Einige Monate später fand er bei einem Ehepaar aus dem Kreisgebiet ein neues Heim. »Urmel geht es bei seinen neuen Besitzern sehr gut. Sie sind sehr glücklich mit ihm und schicken mir von Urmel auch immer noch regelmäßig Fotos«, sagt Kathrin Sander. Nach seinem schlimmen Erlebnis hat es für den Kater doch ein Happy End gegeben, findet die Tierheimleiterin.

...

Solche oder ähnliche Fälle gehören für Kathrin Sander und ihr Team zwar nicht zum Alltagsgeschäft: »Aber hin und wieder kommt so etwas schon vor.« Lucy und Sammy werden in Ahle genauso versorgt wie alle anderen tierischen Bewohner der Einrichtung. Kosten für Futter und Betreuung schlagen bei einer Katze mit zehn Euro täglich zu Buche, bei einem Hund mit 15 Euro. »Für die Kosten kommt die Polizei auf. Die hat uns ja schließlich beauftragt«, sagt Sander. Das bestätigt auch Uwe Maser, Sprecher der Herforder Kreispolizei. Letztlich handele es sich somit um Steuergelder, die für die Versorgung solcher Tiere fließen. »In Einzelfällen prüfen wir aber, inwiefern die Kosten wieder eingetrieben werden können«, so der Beamte.

Doch wie lange müssen Sammy und Lucy überhaupt im Tierheim bleiben? Sander: »Beide Halter sind ja auch Eigentümer der Tiere. Daher können wir sie nicht einfach so vermitteln. Wir kommen an die Besitzer ja auch nicht so einfach ran.« Eine Klärung der Situation könne somit eigentlich nur behördlicherseits erfolgen.

Schicksal des Hundes ungewiss

Vor allem das Schicksal des American-Staffordshire-Terrier scheint im Moment mehr als ungewiss. »Derzeit sitzt der Halter in U-Haft. Und wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt, kann das dauern«, sagt die Heimleiterin. Sollte der Bünder verurteilt werden, würde er Sammy so oder so abgeben müssen. Denn American-Staffordshire-Terrier zählen zu den sogenannten Listenhunden. Ihre Haltung ist in fast allen deutschen Bundesländern – darunter auch NRW – an strenge Auflagen geknüpft. Und dazu zählt auch ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis.

»Für Katze Lucy gäbe es bereits Interessenten. Für einen Hund von Sammys Rasse würde man aber nicht über Nacht einen neuen Halter finden, der alle notwendigen Bedingungen erfüllt«, sagt Sander. Sie ergänzt: »Dabei ist er eigentlich ein toller Hund. Das kann man nicht anders sagen.«

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