Durchfallquote im Kreis Herford auf 32,4 Prozent gestiegen – Gründe vielfältig
Immer mehr schaffen Führerschein nicht

Bünde (WB). Eine falsche Antwort in der Theorie zu viel, einmal das Stoppschild überfahren – schon ist die Führerscheinprüfung nicht bestanden. Und das kommt immer häufiger bei den Fahrschülern vor. Die Durchfallquote beim Führerschein ist in den vergangenen Jahren bundesweit auf 39 Prozent in 2017 angestiegen, 2016 waren es noch 37 Prozent.

Samstag, 02.03.2019, 03:56 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 09:28 Uhr
Zu schnell in die Kreuzung eingefahren, ein Stoppschild nicht beachtet – schnell ist der Fahrschüler durch die Prüfung gefallen. Auch im Kreis Herford schaffen immer mehr Personen den Theorie- oder Praxisteil im ersten Anlauf nicht. Foto: Kathrin Weege

Das hat das Kraftfahrt-Bundesamt ermittelt. Und auch im Kreis sieht’s ähnlich aus (siehe unten).

Vielfältige Gründe

W»Einen einzigen ganz konkreten Grund kann bisher niemand ausmachen. Es ist eine Kombination aus vielen Aspekten«, sagt Ralf Collatz, Pressesprecher für den ADAC Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Bielefeld.

Ein Aspekt sei sicherlich der steigende Druck in der Schule. Gerade die Gymnasiasten, die nach acht Jahren (G8) Abitur machten, hätten viel Stress in der Schule. »Da fehlt es dann am vollen Engagement für den Führerschein«, so Collatz. Möglicherweise ändere sich das mit der Wiedereinführung von G9.

Für viele – gerade in größeren Städten – ist die eigene Mobilität zudem nicht vordringlich. Öffentliche Verkehrsmittel werden genutzt. »Das war vor Jahren noch anders. Da wollte man mit 18 Jahren seinen Schein unbedingt pünktlich haben«, meint Lennart Buschmann von der Fahrschule Michael Buschmann in Bünde. Heute ließen sich die Jugendlichen deutlich länger Zeit. An seiner Fahrschule, sagt er, hätten sich die Zahlen zum Bestehen des Führerscheins in den vergangenen zehn Jahren allerdings nicht verändert.

Bessere Vorbereitung

Wie aber kann man sich besser auf den Führerschein vorbereiten? »In der Theorie ist das richtige Lehr- und Übungsmaterial wichtig. Nicht jede App eignet sich«, sagt Christian Niederschierp, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Enger. Günstigeres Material beinhalte in der Regel nicht die amtlich anerkannten Prüfungsfragen, also könne sich der Schüler nicht so gut vorbereiten. »Bei unserem Lehrmaterial kann der Prüfling zu Hause seine Fragen üben. Eine Ampel zeigt Rot, Gelb oder Grün: Rot bedeutet keinesfalls prüfungstauglich, Gelb noch nicht bereit für die Prüfung. Erst bei Grün sollte es zur Prüfung gehen«, erklärt Niederschierp.

Insgesamt sind 1100 Fragen für den Theorieteil beim Führerschein Klasse B (Auto) zu lernen. »Dafür kann man etwa 18 Stunden ansetzen, um fit zu sein«, weiß Henrik Kronsbein von der gleichnamigen Engeraner Fahrschule. Inzwischen versuche man, pädagogisch an die Sache heranzugehen. »Es gibt Animationen oder kleine Filme als Unterstützung beim Lernen«, ergänzt der Fahrlehrer. Sind es eher Frauen oder Männer, deutsch- oder anderssprachige Personen, die durchfallen? Einen Trend kann Kronsbein zumindest bei sich nicht erkennen.

Probleme in der Praxis

Beim praktischen Teil fielen vor allem die durch, die zu früh zur Prüfung gehen. »Die Schüler möchten ihren Führerschein verständlicherweise möglichst günstig machen – also mit weniger Fahrstunden«, sagt Niederschierp. Er selber setzt auf gute, intensive Ausbildung. Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder.

»Bei uns liegt die Durchfallquote seit Jahren immer gleich bei zwischen zehn und fünfzehn Prozent«, erklärt der Fahrlehrer. Aber nicht nur die Fahrschüler drängten auf eine frühzeitige Prüfung. Auch einige Fahrschulen ließen dieses zu. Schafft der Prüfling es dann mit Glück doch, sei dies nicht selten Werbung für die Fahrschule, da der Schüler es im Bekanntenkreis weitergibt.

Sprachprobleme

Wer Probleme mit der deutschen Sprache hat, hat es oft nicht leicht beim Führerschein. »Den theoretischen Part kann man inzwischen zwar in vielen verschiedenen Sprachen ablegen, aber längst nicht in allen, weiß der ADAC-Pressesprecher. Auch mit der Verkehrsdichte in Deutschland hätten ausländische Prüflinge oft Schwierigkeiten. »Da geht es auf den Straßen in einigen Herkunftsländern eben deutlich ruhiger zu«, sagt Ralf Collatz.

Hinzu kommt, dass auch Personen mit Führerschein, den sie außerhalb Europas erworben haben, ohne weitere Vorbereitung eine sogenannte Umschreibung vornehmen lassen können. »Das heißt, dass sie sich ohne Theorie oder Fahrstunden sofort zur Prüfung anmelden können«, erklärt Collatz.

So sieht es im Kreis aus

Auch im Kreis Herford sieht es ähnlich aus: 2015 absolvierten 5489 Personen die theoretische Prüfung, 28 Prozent davon bestanden nicht. 2017 waren es 5934, 32,4 Prozent davon schafften es nicht. Und 2018 versuchten sich 6072 an der Theorie – 32,4 Prozent fielen durch. Auch bei der praktischen Prüfung stieg die Durchfallquote: 2015: 5639 Versuche, davon 24,3 Prozent missglückt; 2017 waren es 5868, davon 26,2 Prozent nicht bestanden; 2018: 6307 Versuche davon sind 26,7 Prozent durchgefallen.

Ein Führerschein kostet im Schnitt 1800 bis 2200 Euro. Für Durchfaller kommen Kosten für weitere Fahrstunden dazu, außerdem eine erneute TÜV-Prüfungsgebühr. Um die passende Fahrschule zu finden, empfiehlt der ADAC, mehrere Fahrschulen und deren Angebote zu vergleichen. »Betrachten Sie dabei die Kosten zunächst einmal nur am Rande. Es ist wichtiger, dass die Fahrschule fachliche Qualität bietet und außerdem zu Ihren persönlichen Anforderungen passt«, heißt es auf der Homepage des ADAC.

Kommentare

Torquemada  wrote: 02.03.2019 10:43
Ausserdem...
...gibt’s ja heute fast nur noch einser Abiturienten. .....
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