Herbert Knebels Affentheater kommt mit rockigem Programm im Stadtgarten gut an
Rentner außer Rand und Band

Bünde  (WB). Der Mann mit der Schirmmütze fackelt nicht lange: »Steht Ihr auf Schlager? Dann seid Ihr hier falsch!«, ruft Herbert Knebel den rund 600 Zuschauern im Stadtgarten zu, wartet gar nicht erst eine Antwort ab und greift beherzt in die Saiten.

Donnerstag, 07.02.2019, 17:01 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 17:04 Uhr
Rockige Rentner: Herbert Knebel (links) und sein Affentheater, Ozzy Ostermann, Ernst Pichl und der Trainer (von links), interpretieren einige der ganz Großen der Musikgeschichte auf kauzige Art und Weise neu. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Die weltberühmten Akkorde des Clash-Klassikers »Should I stay or should I go?« dröhnen aus den Boxen, Sekunden später gesellen sich Bass, die zweite Gitarre und Schlagzeug druckvoll dazu. »Ihr habt es schon erkannt, wir sind außer Rand und Band« singen die vier Herren des Herbert Knebel Affentheaters zur bekannten Melodie und benennen damit gleichzeitig den Namen ihres aktuellen Bühnenprogramms – das inzwischen 15. in der langen Geschichte des 1988 gegründeten Quartetts.

Rentner lassen es krachen

Auch bei ihrem dritten Gastspiel in Bünde lassen es die rüstigen Rentner ordentlich krachen und interpretieren einige der ganz Großen der Musikgeschichte mit eigenen Texten auf eine kauzige Art und Weise neu. Dabei geht es vorwiegend, aber nicht nur rockig zu. So wird auch der Liebeskummer mit »Schönes Frollein«, einer skurrilen Version von Roy Orbisons »Pretty Woman«, verarbeitet oder mit einer stimmgewaltigen A-cappella-Einlage »Des Wandern ist des Knebels Lust« altes Liedgut aufs Korn genommen. Neben den musikalischen und textlichen Qualitäten sind es dabei die Protagonisten selber, die das Ganz abrunden. Man kann sich an diesen schrulligen Charakteren einfach nicht satt sehen.

Erfrischender Charme

Jeder im Affentheater spielt seine Rolle sowohl routiniert als auch mit einem erfrischend improvisierten Charme. Da ist der eine schlecht sitzende Seitenscheitel-Perücke tragende Gitarrist Ozzy Ostermann (Georg Göbel-Jakobi), der seinen Schmerbauch derart stolz vor sich herträgt, dass man ständig erwartet, er kippt nach hinten weg. Auf der rechten Seite steht Bassist Ernst Pichl (Martin Breuer) gerade wie eine Altarkerze, mit strengem Blick und pomadigen Resthaaren. Und das Schlagzeug bedient der Trainer (Detlef Hinze), ausgestattet mit merkwürdig gestreifter Funktionshose und Fiepsstimme. Der Chef der Altherren-Combo trägt wie eh und je Kassengestell, Schirmmütze und Hosenträger: Herbert Knebel (Uwe Lyko), der nörgelnde Frührentner aus dem Ruhrgebiet und selbst ernannter »King of Rock ’n’ Rollator«.

Zusammen bieten sie eine abwechslungsreiche Mischung aus Musikcomedy und klassischem Kabarett mit viel Ruhrpottcharme. Ein übergeordnetes Thema hat das Programm nicht, die Übergänge zwischen Musik, den »herrlich blöden Ensemblenummern« und den typischen Knebel-Solo-Geschichten gelingen mal fließend, mal holprig, insgesamt geht diese Mixtur aber sehr gut auf.

Auf schräge Art authentisch

Obwohl die vier Charaktere teilweise bis ins Groteske überzeichnet sind, wirken sie doch auf eine schräge Art authentisch, was daran liegen dürfte, dass der Spaß, den das Quartett selber hat, in jedem Augenblick zu spüren ist.

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