Bild der Künstlerin Irmtraud Sundkjer für Kirchenkreis-Ausstellung abgelehnt
Abstrakter Engel darf nicht ins Museum

Bünde (WB). Hat ein ab­strakt gemalter Engel in der Museumsausstellung »Also auch auf Erden« nichts zu suchen? Diesen Eindruck hat die Bünder Künstlerin Irmtraud Sundkjer gewonnen. Sie kritisiert die ablehnende Haltung von Museumsleiter Michael Strauß gegenüber ihrem Kunstwerk.

Montag, 04.02.2019, 16:52 Uhr
Künstlerin Irmtraud Sundkjer mit ihrem Bild »Engel der Lebensfreude«. Sie hatte es als Exponat für die derzeitige Kirchenkreis-Ausstellung angeboten. Foto: Hilko Raske

Der Evangelische Kirchenkreis Herford feiert seinen 200. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums zeigt das Museum Bünde noch bis zum 10. Februar die Ausstellung »Also auch auf Erden«, die sich mit dem Thema Religion auseinandersetzt. Im Mittelpunkt stehen Geschichten von Menschen, die heute im Gebiet des Kirchenkreises Herford leben.

»Symbol der persönlichen Wegbegleitung«

Vom Konzept her ist es eine offene Ausstellung – das heißt, sie kann durch Exponate ergänzt werden. Und genau das hatte Irmtraud Sundkjer vor. Die Bünderin, die viele Jahre die evangelische Kindertageseinrichtung Steinbeck geleitet hat, bot dem Museum im vergangenen Jahr ihr Bild »Engel der Lebensfreude« an. »Der Engel ist für mich ein Symbol der persönlichen Wegbegleitung«, erzählt sie. Das Bild habe sie zum Beispiel in der Kindertagesstätte zur Vertiefung der biblischen Botschaft genutzt. Telefonisch habe sie den Kontakt zum Museumsleiter gesucht.

»Im Gespräch wollte er erfahren, was das vorgeschlagene Bild mit meinem persönlichen Glauben zu tun habe. Er verwies mich anschließend an den Superintendenten.« Sie habe dort eine schriftliche Darstellung zu ihrem Bild eingereicht, die dann an Michael Strauß weitergeleitet worden sei. Der habe das Exponat ohne Angabe von Gründen abgelehnt. »Aus meiner Sicht eine Zumutung, dass ich mich einem Menschen in Glaubensdingen erklären soll, der diesen für sich selbst ablehnt und sich in der Ausstellung als Atheisten bezeichnet.« Sie empfinde es vor diesem Hintergrund auch als befremdlich, dass Strauß ein eigenes Kunstwerk im Zentrum der Ausstellung präsentiere.

Strauß bestreitet, sich als Atheisten bezeichnet zu haben

Michael Strauß weist diese Kritik entschieden zurück. »Das Konzept der Ausstellung sieht vor, dass Kunstwerke nur in Ausnahmefällen gezeigt werden sollen – und zwar nur dann, wenn man im Schaffensprozess eine religiöse Erfahrung, beispielsweise eine Glaubensoffenbarung, erlebt hat.« Im Gespräch mit Irmtraud Sundkjer habe diese das aber verneint. Was die Entscheidung betreffe, das Bild von Irmtraud Sundkjer nicht auszustellen, wisse er den evangelischen Kirchenkreis hinter sich.

Strauß bestreitet auch, sich als Atheisten bezeichnet zu haben. »Wir haben anlässlich der Ausstellung Videoclips angefertigt, in denen verschiedene Personen sich zum Thema Glauben äußern konnten.« In einem solchen Videoclip habe er seine Position dargelegt. »Ich habe gesagt, dass ich als Naturwissenschaftler nicht an Gott glaube, aber seine Existenz auch nicht ausschließen kann.« Im Gegenteil: Es würde ihn freuen, wenn Gott existiere.

Eine Art Display

Das von ihm geschaffene Ausstellungsstück – eine begehbare Kreuzigungsszene – sei vor sechs Jahren als Auftragsarbeit für die hiesigen katholischen Gemeinde geschaffen worden. In der aktuellen Ausstellung sei es jedoch nicht etwa als Kunstwerk zu verstehen. »Es hat mehr oder weniger die Funktion wie eine Art Display«, erklärt Strauß.

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