Ex-Kampfschwimmer (64) hatte 2016 zwei SEK-Einsätze ausgelöst Bombendrohung gegen Polizei

Bünde  (WB). Weil er Ende 2016 damit gedroht hatte, die Herforder Polizeiwache in die Luft zu jagen, ist ein Bielefelder (64) vom Bünder Amtsgericht zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zusätzlich muss er sich einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung unterziehen.

Von Daniel Salmon
Der Ex-Rödinghauser hatte gedroht, die Herforder Polizeiwache zu sprengen. Daraufhin war ein SEK-Team (Symbolbild) zu seinem Wohnhaus ausgerückt.
Der Ex-Rödinghauser hatte gedroht, die Herforder Polizeiwache zu sprengen. Daraufhin war ein SEK-Team (Symbolbild) zu seinem Wohnhaus ausgerückt. Foto: Moritz Winde

In der Verhandlung am Donnerstagmorgen hatte der ehemalige Rödinghauser, der mittlerweile in Bielefeld lebt, die Vorwürfe gegen ihn weitgehend eingeräumt. In der Anklageschrift wurden neben des Tatbestandes der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung eines gemeingefährlichen Verbrechens auch versuchte Nötigung und Beleidigung aufgeführt

Früherer Kampfschwimmer der Nationalen Volksarmee

Laut der Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte der frühere Kampfschwimmer der Nationalen Volksarmee der DDR (»Zuletzt war ich Kapitänleutnant zur See«) am 16. Dezember vor zwei Jahren mehrere beschriebene DIN-A4-Zettel mit strafrechtlich

Die Herforder Polizeiwache wollte der 64-Jährige sprengen. Foto: Moritz Winde

relevantem Inhalt vor dem Haus eines Nachbarn in Rödinghausen abgelegt. »Bitte sorgen Sie bei ihren Polizeifreunden für die Rückgabe der mir entwendeten Sachen«, ansonsten würde er die Herforder Polizeiwache sprengen, kündigte der Diplom-Ingenieur an. Mit der Drohung wollte der Mann die Herausgabe seiner im Zuge eines früheren Polizeieinsatzes beschlagnahmten Waffen – damals hatte er zuvor einen Nachbarn mit einem Schwert bedroht – erzwingen. Bereits wegen dieses Vorfalls war er vom Bünder Amtsgericht wenige Wochen vor der neuerlichen Tat zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Kein Sprengstoff gefunden

Die Waffen bekam der Mann damals freilich nicht zurück. Stattdessen rückte – wie schon einige Monate zuvor – ein Sondereinsatzkommando der Polizei zum Haus des damals 62-Jährigen aus und überwältigte ihn abermals. Sprengstoff oder Hinweise auf einen geplanten Anschlag fanden die Beamten nicht.

Knapp ein halbes Jahr später, im Mai 2017, hinterlegte er erneut ein Schreiben auf dem Grundstück seines Nachbarn. Wohl aus Verärgerung über einen der vorhergehenden Polizeieinsätze forderte er: »Bitte rufe den Polizei-Idioten in deiner Familie an, ich will ihm ohne Uniform noch eins in die Fresse schlagen.«

Angeklagter räumt Erinnerungslücken ein

In seiner Aussage am Donnerstag räumte der Angeklagte Erinnerungslücken ein, bereute aber zugleich sein früheres Verhalten: »Das war falsch.« Seine Taten führte er auf Nachfrage seines Verteidigers Andreas Stuke (»Was zum Teufel haben Sie sich dabei gedacht?«) auf seine damals schwierige, persönliche Situation, die er ausführlich schildert, zurück: Seine Eltern waren gestorben, die Ehefrau hatte die Scheidung eingereicht. Dazu kamen finanzielle Probleme. »Das war eine extreme Belastung für mich.« Zusätzlich habe er während der Taten unter Alkoholeinfluss gestanden – bei der Tat im Ende 2016 waren es knapp zwei Promille.

Laut eines ärztlichen Gutachtens weist der 64-Jährige zudem psychologische Verhaltensauffälligkeiten auf, war deswegen kurz in Therapie. Nach eigener Aussage habe sich seine Situation gebessert – besonders nach seinem Umzug nach Bielefeld, wo er nach wie vor arbeitet. Ein anderer ehemaliger Nachbar, der als Zeuge auftrat, meinte: »Er ist jetzt ein anderer Mensch.«

Letztlich wirkten sich die Einlassung des Angeklagten und die schwierigen persönlichen Umstände strafmildernd auf die Gerichtsentscheidung aus. In den Richterspruch flossen auch die jüngsten Verurteilungen der Amtsgerichte Bünde (wegen Bedrohung) und Bückeburg (wegen Betrugs) ein, sodass eine Gesamtstrafe gebildet wurde. Staatsanwaltschaft und Verteidigung nahmen das Urteil an.

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