Geplante Sprinterlinie soll nicht in OWL halten ICE-Streit: Abgeordnete laden Bahnchef ein

Bielefeld/Bünde/Bad Oeynhausen/Minden (WB). Der Protest gegen mögliche Einschränkungen im ICE- und IC-Verkehr in der Region zieht immer weitere Kreise. Mittlerweile haben sich parteiübergreifend alle Bundestagsabgeordneten der Region an die Bahn gewandt.

Von Bernd Bexte
Auf Strecken wie München-Berlin fahren bereits ICE-Sprinter. Die Bahn plant eine weitere Verbindung von Köln nach Berlin. Einziger Halt: Hannover.
Auf Strecken wie München-Berlin fahren bereits ICE-Sprinter. Die Bahn plant eine weitere Verbindung von Köln nach Berlin. Einziger Halt: Hannover. Foto: dpa

Hintergrund sind Befürchtungen, dass die geplante Einrichtung der ICE-Sprinter-Linie 19 von Köln nach Berlin ohne Halt in OWL negative Auswirkungen für die Region haben könnte. Aufgrund nur eines einzigen Halts (Hannover) würde die Fahrtzeit um 16 Minuten reduziert.

»Durch die Planungen der DB Fernverkehr und die damit verbundenen Auswirkungen auf die bestehenden ICE- und IC-Linien darf die Region nicht schlechter angebunden sein«, heißt es in dem von elf Bundestagsabgeordneten von CDU, SPD, FDP und Grünen unterzeichneten Brief an Richard Lutz, Vorstandschef der Bahn.

Für den ländlichen Raum und die Region OWL seien die Pläne der Bahn kontraproduktiv. Die Abgeordneten laden Lutz zu einem Gespräch ein.

Weiterhin Stundentakt in Bielefeld

Die SPD-Bundestagsabgeordneten aus OWL hatten in dieser Sache bereits zuvor mit DB-Vorstand Ronald Pofalla in Berlin gesprochen. Fazit: Bielefeld werde auf der ICE-Strecke Köln-Berlin weiterhin im Stundentakt angefahren.

Die neue Sprinter-Linie sei laut DB als zusätzliche Verbindung geplant. Der IC Amsterdam-Berlin halte wegen einer halbstündigen Halteverlegung künftig aber wohl nicht mehr in Minden, Bad Oeynhausen und Bünde.

Der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hatte am 12. April die Bahn aufgefordert, bei den Planungen für die Sprinterzüge der ICE-Linie 19 »mindestens einen Halt im NWL-Gebiet zu berücksichtigen«. Konkret wäre dies Hamm oder Bielefeld. Zudem dürfte durch die geplante Sprinter-Linie der Nahverkehr nicht beeinträchtigt werden.

Keine konkreten Konzepte

Die Bahn zeigte sich am Montag auf Anfrage zurückhaltend: Perspektivisch solle das Angebot auf der Strecke NRW-Hannover-Berlin auf eine Frequenz von vier ICE-Zügen in zwei Stunden ausgeweitet werden. »Da die heute auf dieser Linie verkehrenden ICE-2-Fahrzeuge etwa Mitte der 2020-er Jahre abgelöst werden, prüfen wir derzeit verschiedene Konzepte für die mittel- und langfristige Bedienung ab 2021«, teilte eine Sprecherin mit.

Man wolle in Abstimmung mit den Landesverkehrsministerien und den Verkehrsverbünden »bestmöglich verzahnte Mobilitätsangebote auf der Schiene« schaffen. Konkrete Linienkonzepte könnten »zum jetzigen Zeitpunkt« aber noch nicht veröffentlicht werden.

Kommentare

Weniger Stopps für chronisch unpünktliche Züge?

Was hilft es den Reisenden aus Köln, wenn sie theoretisch 16 Minuten früher in Berlin sind und der Zug eine halbe Stunde und mehr Verspätung hat? Statt Haltepunkte zu streichen sollte die Bahn an der Pünktlichkeit der Züge arbeiten und längere Stopps einplanen. Dann hätten die Züge Zeitpuffer für Verzögerungen. Ich bin noch selten zur fahrplanmäßigen Zeit irgendwo mit der DB angekommen.

Durch den Verweis auf den "ländlichen Raum" kastriert man sich mal wieder in erster Linie selbst. Natürlich hat OWL ländliche Bereiche, aber die Achse von Gütersloh, über Bielefeld, Herford, Bad Oeynhausen bis Minden und auch Städte wie Paderborn und Detmold weisen trotz Zersiedelung eine extrem hohe Bevölkerungsdichte und Wirtschaftskraft aus, sodass die Region mit Ihren 320 Einwohner pro Quadratkilometer trotz der ländlichen Bereiche so manche Metropolregion in die Tasche steckt.

Das wären dann auch mal Argumente für die Bahn, statt „habt Mitleid mit den Landeiern“.

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.