Im Amtshaus Ennigloh waren die Verwaltungen der Landgemeinden untergebracht Symbol der Selbstständigkeit

Bünde (WB). Insbesondere bei Repräsentationsbauten dient die Architektur neben der Funktionalität auch einer Aussage. Beim ehemaligen Ennigloher Amtshaus ist diese auch nach mehr als einem Jahrhundert zu erkennen: Zurschaustellung der staatlichen Obrigkeit und politische Unabhängigkeit gegenüber der Nachbarin Bünde.

Von Karl-Hendrik Tittel
Stilelemente der Neorenaissance: Das 1903 errichtete Amtshaus Ennigloh mit seinem charakteristischen Südgiebel wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1983 ist in dem historischen Gebäude die Musikschule der Stadt Bünde untergebracht.
Stilelemente der Neorenaissance: Das 1903 errichtete Amtshaus Ennigloh mit seinem charakteristischen Südgiebel wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1983 ist in dem historischen Gebäude die Musikschule der Stadt Bünde untergebracht. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Das Gebäude der heutigen Musikschule ist 1902 als Sitz der damaligen Amtsverwaltung Ennigloh erbaut und am 17. Juni 1903 eingeweiht worden. Das Amtshaus markierte einen kommunalpolitischen Wendepunkt, war es doch ein starkes Symbol für die Loslösung Bündes aus dem verwaltungsmäßigen Verbund der umgebenden Landgemeinden.

Denn als Bünde am 22. Mai 1902 eine amtsfreie Stadt wurde, verlegte man die Amtsverwaltung nach Ennigloh – und der neue Verwaltungssitz wurde unmittelbar an der Grenze zu Bünde gebaut. Fortan waren hier die Verwaltungen der Gemeinden Hunnebrock, Hüffen, Werfen, Ahle, Holsen, Muckum, Dünne, Spradow, Südlengern und auch Ennigloh untergebracht.

Wappen in den Fenstern

Die Architektur des Rathauses für diese Gebietskörperschaft spiegelte im hohen Maße den wilhelminischen Zeitgeist wider. Wie ein repräsentativer Herrensitz mutet das im historisierenden Stil erbaute Gebäude mit seinem charakteristischen Südgiebel im Renaissancestil und der großen, mit bleiverglasten Buntglasmotiven ausgestatteten Fensteröffnung auch heute noch an. Diese drei Fenster im Ziergiebel der Südseite stellen drei Wappen dar: das der Provinz Westfalen, der Familie von Borries und der Familie von Schütz. Das stattliche Äußere des Verwaltungssitzes sollte die besondere Stellung der Verwaltungsmitglieder sowie die Selbstständigkeit gegenüber der Stadt Bünde verdeutlichen.

Die Trennung Bündes und Enniglohs währte bis zur kommunalen Gebietsreform von 1969, infolgedessen sich Stadt und Amt wiedervereinten – zum heutigen Bünde. Die bis zum 31. Dezember 1969 bestehende Gebietskörperschaft Amt Ennigloh war gebietsidentisch mit der heutigen Stadt Bünde, abzüglich Bünde-Mitte und Bustedt und zuzüglich Südlengern-Dorf.

Heute Domizil der Musikschule

Schon lange werden im alten Amtshaus, seit 1985 offizielles Denkmal, keine politischen Beschlüsse mehr gefasst, dafür aber Instrumente gespielt, denn seit 1983 ist das Gebäude der Sitz der städtischen Musikschule. Eine öffentlich geförderte Musikschule gibt es in Bünde bereits seit 1958 – zunächst in der Trägerschaft des Jugendmusikwerkes im Kreis Herford und seit 1970 als Musikschule der Stadt Bünde. Wurde anfangs ausschließlich in Räumen der allgemeinbildenden Schulen unterrichtet, konnte während der 1970er Jahre, als die Trägerschaft auf die Stadt Bünde übergegangen war, das heutige Jugendzentrum Atlantis als eigenes Musikschulgebäude bezogen werden. 1983 erfolgte dann der Umzug in das Amtshaus Ennigloh, das durch den Rathausneubau an der Else freigeworden war.

Heute erstreckt sich das Angebot der Musikschule über das Erlernen aller gebräuchlichen Instrumente über eine musikalische Frühförderung bis hin zur Möglichkeit, Gesangsunterricht zu nehmen. Ferner existieren mehrere Orchester und Ensembles, die auch regelmäßig öffentlich auftreten.

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