Die Osterkerze symbolisiert für Christen den Sieg des Lebens über den Tod Das Dunkel weicht dem Licht

Bünde (WB). Es ist still und dunkel im Gotteshaus. Kleine Kerzen werden am Eingang verteilt, die griechischen Buchstaben für »Alpha« und »Omega« zieren das Wachs – Anfang und Ende.

Von Karl-Hendrik Tittel
Nur für das Foto hält Pfarrer Sieghard Flömer bereits vor Ostern ein Streichholz an die Osterkerze. Entzündet wird sie erstmals am Sonntag auf dem Altar der Arche Noah und dann bei jedem Taufgottesdienst des Jahres.
Nur für das Foto hält Pfarrer Sieghard Flömer bereits vor Ostern ein Streichholz an die Osterkerze. Entzündet wird sie erstmals am Sonntag auf dem Altar der Arche Noah und dann bei jedem Taufgottesdienst des Jahres. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Am Ostersonntag, genau an der Schwelle zwischen Nacht und Tag, feiern Gläubige der Lydia-Gemeinde in der Arche Noah die Auferstehung Christi mit dem Entzünden zahlreicher Lichter im Gottesdienst. Ostern ist das höchste Fest der Christenheit und nimmt die zentrale Rolle im Kirchenjahr ein. Es ist die jährliche Gedächtnisfeier des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu, der nach christlicher Vorstellung als Sohn Gottes den Tod überwunden hat, und markiert gleichzeitig das Ende der siebenwöchigen Passions- oder Fastenzeit. Aus theologischer Sicht steht Ostern für den Sieg des Lebens über den Tod – versinnbildlicht in den Ostergottesdiensten als Sieg des Lichtes über die Finsternis durch das feierliche Entzünden von Osterkerzen.

Erst vor einigen Jahrzehnten hielt diese liturgische Handlung in den evangelischen Kirchen Einzug, als der Protestantismus nach und nach das Symbolische wiederentdeckte. »Hier hat man sich der gemeinsamen Tradition mit der römisch-katholischen Kirche angenähert«, sagt Sieghard Flömer, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Lydia-Gemeinde Bünde. Er wird die »Osternacht«, ab 6 Uhr morgens in der Arche Noah, leiten.

»Alpha und Omega«

»Es ist stets ein ganz besonderer Moment, wenn das Licht durch die Reihen geht und sich die dunkle Kirche nach und nach erhellt von den Kerzen, die die Menschen in ihren Händen halten und entzünden.« Diese außergewöhnliche Atmosphäre würden viele Besucher schätzen.

Auch auf der großen Osterkerze am Altar ist, neben der aktuellen Jahreszahl, das »Alpha« und das »Omega« zu sehen, der erste und der letzte Buchstabe des klassischen griechischen Alphabets. Sie symbolisieren nach christlicher Vorstellung gemäß der Johannes-Offenbarung Christus als den Ersten und Letzten und somit als Anfang und Ende, während das Kreuz auf der Kerze für den neuen und der Regenbogen für den alten Bund (Noahbund) steht.

Die Osterkerze ist auch in den anderen christlichen Gotteshäusern Bündes Bestandteil der österlichen Liturgie – in der Arche Noah wird der nahezu archaische Charakter dieser Lichtsymbolik am Sonntagmorgen aber vermutlich am unmittelbarsten zu spüren sein.

Feuer spielt in vielen Religionen eine Rolle

Feuer und Licht hatten bereits für viele vorchristliche Religionen eine zentrale Bedeutung. Das Urfeuer, die Sonne, wurde im alten Ägypten verehrt, und Prometheus ist der griechischen Mythologie nach nicht nur Kulturstifter, sondern auch Feuerbringer der Menschheit. Im Tempel der Vesta, der römisch-antiken Göttin von Heim und Herd, wurde das heilige Feuer bewacht, und in den nordischen und germanischen Mythologien hat das Feuer seinen festen Platz in der rituellen Praxis.

Bekanntermaßen spielt das Licht auch in der christlichen Theologie eine wichtige Rolle. »Ich bin das Licht der Welt«, zitiert Flömer die bekannte Bibelstelle nach Johannes. Im österlichen Kontext symbolisiere das Licht die Auferstehung Christi. Aus diesem Grund fänden viele Gottesdienste am Ostersonntag bereits früh am Morgen statt, wenn »das Licht in die Welt kommt«. Dies stehe für Leben, für Hoffnung und auch für »die Menschenfreundlichkeit Gottes«, sagt Flömer und betont: »Das ist eine Botschaft, die wir in diesen Zeiten, da Nationalismus und Populismus wieder erstarken und die Gesellschaft zunehmend verroht, bitter nötig haben.«

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