Bünder gesteht und zeigt Reue – Landgericht ordnet Therapie für alkoholabhängigen 26-Jährigen an Mutter gewürgt und bedroht: drei Jahre Haft

Bielefeld/Bünde (WB). Am Ende gab es für einen 26-jährigen Mann aus Bünde keine Chance auf eine Bewährungsstrafe. Das machte der Vorsitzende Richter der 20. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld, Carsten Glashörster, in seiner Urteilsbegründung am Mittwoch klar. Da er seine Mutter mit dem Tode bedroht, gewürgt und geschlagen haben soll, verhängten die Richter eine dreijährige Freiheitsstrafe.

Von Steve Wasyliw
Vor dem Bielefelder Landgericht ist gestern eine dreijährige Freiheitsstrafe gegen einen Bünder verhängt worden.
Vor dem Bielefelder Landgericht ist gestern eine dreijährige Freiheitsstrafe gegen einen Bünder verhängt worden. Foto: Friso Gentsch/dpa

Dazu wurde eine zweijährige Therapie in einer Entziehungsanstalt für den alkoholabhängigen Angeklagten angeordnet. Denn der übermäßige Genuss von Alkohol soll ausschlaggebend für die Gewaltausbrüche des Studenten gewesen sein. Die Mutter hatte während des Prozessauftakts am Montag ihren Sohn als liebenswert und intelligent bezeichnet. Nur wenn er Alkohol getrunken habe, sei er aggressiv und unberechenbar geworden.

2,3 Promille zur Tatzeit

So hatte der junge Mann auch am Tattag Ende Oktober 2017 reichlich Bier und eine Flasche Rum getrunken. Ein Gutachter errechnete eine Blutalkoholkonzentration zum Tatzeitpunkt von 2,3 Promille. Dennoch hielt das Gericht den Angeklagten für schuldfähig, als er gegen 4 Uhr in der Früh das Schlafzimmer der Mutter betrat, diese um die Herausgabe der Schlüssel und Autopapiere bat und der Forderung mit Morddrohungen und einem Messer Nachdruck verlieh.

»Es hat mit dem Messer Stichbewegungen gegeben, weshalb die Mutter zumindest Angst um ihre Gesundheit haben musste, wenn auch keine akute Todesangst«, sagte Richter Glashörster in der Urteilsbegründung. Er sprach von einer »alkoholbedingten Enthemmung«, einer »Spontantat«.

Wie berichtet , wollte der mehrfach vorbestrafte 26-Jährige den Wagen der Mutter verkaufen oder einen mittleren vierstelligen Betrag von ihr erhalten, um seine Freundin in Russland besuchen zu können. »Sie haben Ihre Mutter als Geldautomaten angesehen«, sagte Glashörster. Dabei sei es dann zu dem Gewaltausbruch am 11. Oktober gekommen. Die 47-jährige Kassiererin konnte flüchten indem sie vorgab, die Autopapiere von einer Freundin zu holen.

Bewährungsstrafe habe nie im Raum gestanden

Während des zweitägigen Prozesses zeigte sich der Student geständig. Die Richter stuften das Geständnis auch als »von Reue getragen« ein. Dennoch sei die Handlung als versuchte, besonders schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung einzustufen. Eine Bewährungsstrafe hat nach Aussage von Glashörster nie im Raum gestanden.

Verteidiger Martin Mauntel hatte hingegen eine zweijährige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, beantragt. Staatsanwalt Kley forderte eine Haftstrafe von 16 Monaten. Einig waren sich alle Prozessbeteiligten darin, dass der Weg in ein geordnetes Leben für den 26-Jährigen nur über eine Therapie gehen kann. Er selbst bezeichnete sich als »mittlerweile trocken und therapiewillig.« Daher ordneten die Richter den Aufenthalt in einer Entziehungsanstalt an.

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