Inklusive Politikgruppe und Rolli-Club nehmen Bünder Polizeiwache unter die Lupe »Hier übernachtet niemand freiwillig«

Bünde (WB). Uniformierte Polizisten sind nichts Besonderes im Straßenbild. Aber wie sieht der Berufsalltag der Beamten abseits des Einsatzgeschehens aus? Mitglieder der Inklusiven Politikgruppe und des Rolli-Clubs Bünde wollten es bei ihrem Besuch auf der Bünder Polizeiwache ganz genau wissen.

Von Karl-Hendrik Tittel
Interessanter Besuch: Mitglieder der Inklusiven Politikgruppe und des Rolli-Clubs Bünde mit ihren Gastgebern vor der Bünder Polizeiwache.
Interessanter Besuch: Mitglieder der Inklusiven Politikgruppe und des Rolli-Clubs Bünde mit ihren Gastgebern vor der Bünder Polizeiwache. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Wie zigtausend Mal zuvor hält Jörg Hölscher seinen Funkschlüssel an den Empfänger – und die schwere Glastür öffnet sich surrend. »Ab hier geht es nur noch mit Polizeibegleitung weiter«, sagt der Hauptkommissar. Neugierig folgen ihm die 13 Besucher ins Innere der Polizeiwache in Richtung Gewahrsamstrakt.

Dort schließt Hauptkommissar Hans-Jörg Dunklau die vier Zellen auf, in denen »niemand freiwillig übernachtet«. Die Ausstattung ist auf eine Matratze mit abwaschbarem Kunststoffbezug auf einem schnöden Sockel und eine im Boden eingelassene Stehtoilette aus Metall beschränkt, ansonsten dominieren nackte Fliesen das Ambiente. »Ganz schön trostlos«, sagt Patrick Balthun.

Die Polizei ist ja 24 Stunden im Dienst«

Dieser Abstecher markiert den spannenden Abschluss, im Mittelpunkt des Besuchs steht aber der angeregte Austausch. Für reichlich Überraschung sorgt die Information, dass nicht weniger als 94 Männer und Frauen auf der Wache arbeiten – etwa die Hälfte davon im Streifendienst. »Die Polizei ist ja 24 Stunden im Dienst, daher müssen wir in Schichten arbeiten«, erklärt Hauptkommissar und Verkehrssicherheitsberater Dietmar Hess.

Sicherheit und Mobilität im öffentlichen Raum, das sind zentrale Themen der Inklusiven Politikgruppe und des Rolli-Clubs. »Wir engagieren uns, damit Menschen aus allen Bereichen am öffentlichen Leben teilhaben können, sagt Ulrike Kowalewsky, Koordinatorin der Inklusiven Politikgruppe.

Den eifrigen Schilderungen der Gäste zufolge kommen unschöne Situationen, beispielsweise mit »rücksichtslos über Zebrastreifen fahrende Autos«, nicht selten vor. »Man muss leider immer mit der Dummheit der anderen rechnen«, sagt Hans-Jörg Dunklau und rät, sicherheitshalber vor Betreten des Zebrastreifens auf sich aufmerksam zu machen.

»Die Pöbeleien haben zugenommen«

Vermehrt unwohl fühlen sich viele der Anwesenden offenbar auch im fußläufigen Bereich der Stadt: Mit Bahnstraße, ZOB oder am Elsedamm unter der Levsionbrücke zählen die Besucher einige der Orte auf, die ihnen besonders abends nicht mehr ganz geheuer sind. »Die Pöbeleien haben zugenommen«, meint Martina Kinder.

»Der Respekt – auch uns Polizisten gegenüber – ist nicht mehr der gleiche wie früher«, entgegnet Jörg Hölscher. Diese und andere Orte seien der Polizei bekannt, ebenso die Leute, die dort regelmäßig Alkohol konsumierten, was man als solches nicht verbieten könne. Wer belästigt werde, sollte umgehend die Polizei verständigen, lautet der Ratschlag.

»Offiziell gibt es keine Angsträume in Bünde«, betont Dietmar Hess. Unwohlsein an Orten habe häufig mit der dortigen Beleuchtungssituation zu tun. »Man muss nur an die Bahnunterführung denken – früher ein schummriger Ort, heute sehr hell beleuchtet«, so Hölscher.

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