Bünde: Taten können Duo nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden Pfandflaschen-Prozess: Gericht stellt Verfahren ein

Bünde (WB). Am Ende überwogen die Zweifel: Das Bünder Amtsgericht hat das Verfahren gegen zwei Männer, die 50.000 Pfandflaschen unterschlagen haben sollen , am Dienstagmittag eingestellt.

Von Daniel Salmon
Ob und wo Pfandflaschen überhaupt eingelöst – und somit zu Geld gemacht – worden sein sollen, blieb unklar.
Ob und wo Pfandflaschen überhaupt eingelöst – und somit zu Geld gemacht – worden sein sollen, blieb unklar. Foto: Lukas Schulze/dpa

Dieser Entscheidung war ein mehr als dreistündiger, teilweise abenteuerlicher Prozesstermin vorausgegangen – bei dem auch ein vorderasiatischer Geheimdienst eine Rolle spielte. Fest stand am Ende einzig: Das Duo auf der Anklagebank, ein Brüderpaar (36 und 42 Jahre alt) aus Kirchlengern und Hiddenhausen mit aserbaidschanischen Wurzeln, ist sich spinnefeind.

Anklage ging von 18 Taten aus

Die Staatsanwaltschaft hatte den Beschuldigten zur Last gelegt, von September bis November 2015 bei 18 Gelegenheiten Säcke mit Leergut an sich gebracht zu haben. Der jüngerere der Brüder war während dieser Zeit als Fahrer einer Spedition angestellt, die für eine Supermarktkette Waren an Filialen ausliefert und Leergut einsammelt.

Umladeort der Säcke soll ein Gewerbegelände am Schnellweg in Bünde gewesen sein. Dem Unternehmen soll durch die vorgeworfenen Taten ein Schaden von 12.000 Euro entstanden sein. Am 18. November sollen Mitarbeiter einer von der Supermarktkette beauftragten Detektei die beiden Männer bei einer vermeintlichen Übergabe ertappt haben. Allerdings: Dieser Vorfall tauchte in der Anklageschrift gar nicht auf.

»Das passt hinten und vorne nicht«

Bereits vor Verhandlungsbeginn hatte Wolf Heinrich, Strafverteidiger des 36-Jährigen, erklärt: »Die Anklage ist schlecht recherchiert. Das passt hinten und vorne nicht.« Sein Mandant stritt alle Vorwürfe ab. Die Zwischenstopps am Schnellweg erklärte er damit, dass er dort den »Ameise« genannten Hubwagen seines Lasters elektronisch aufladen könne. Mit seinen Vorgesetzten sei das abgesprochen gewesen.

Sein Bruder, der sich mittels einer Dolmetscherin verständigen musste, beschuldigte den 36-Jährigen, sehr wohl PET-Flaschen unterschlagen zu haben, bezichtigte ihn noch weiterer Taten, wollte selbst aber nichts mit den Vorwürfen zu tun haben. Die Vernehmung des 42-Jährigen gestaltete sich äußerst zäh. Oftmals waren seitens des Gerichts mehrere Nachfragen erforderlich, um eine Antwort zu bekommen. Es kam zu einigen Ungereimtheiten. Unklar blieb, ob und wo der Pfand eingelöst worden sein soll.

Ärger wegen Präsidentenbeleidigung

Heraus kam zudem: Der Jüngere hatte dem Älteren einen Knastaufenthalt in ihrem Heimatland zu verdanken. So hatte letzterer zwischenzeitlich einen Facebook-Account unter dem Namen seines Bruders eröffnet, auf dem der aserbaidschanische Präsident verunglimpft wurde. Bei einem Besuch in seinem Heimatland bekam der 36-Jährige Ärger mit dem Gesetz. Erst der Geheimdienst des asiatischen Staates konnte recherchieren, dass er für die Beleidigungen nicht verantwortlich gewesen sei.

Als Zeugin sagte schließlich die Leiterin eines Logistikzentrums der Supermarktkette aus. Sie gab an, dass es bei Liefertouren des Angeklagten zu Ungereimtheiten gekommen sein soll. Festgestellt wurde jedoch auch: Die abgelieferten Pfandflaschen waren nach der Abgabe auf dem Gelände des Logistikzentrums oftmals über Stunden unbeobachtet.

Somit kam das Gericht zu dem Schluss, dass an dieser Stelle auch ein unbekannter Dritter die Flaschen an sich genommen haben könnte und stellte das Verfahren ein. Die Staatsanwaltschaft behält sich jedoch vor, in der Sache des nicht mit angeklagten »Zugriffs« der Detektei tätig zu werden.

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