Bünde will sich an Modell aus dem Kreis Minden-Lübbecke orientieren Beruf und Pflege vereinbaren

Bünde (WB). Die Zahl älterer Menschen wächst – und damit auch die Zahl pflegebedürftiger Senioren. Oftmals werden sie von Familienmitgliedern betreut. Wie sich Pflege und Beruf unter einen Hut bringen lassen, ist eine Frage, mit der sich Sozialpolitiker in Bünde beschäftigten. Sie wollen sich nun an einem Modell orientieren, das im Kreis Minden-Lübbecke erfolgreich praktiziert wird.

Von Hilko Raske
Pflegebedürftige Senioren werden häufig von Angehörigen gepflegt. Jedoch lassen sich Beruf und Pflege nicht immer unter einen Hut bringen. Bünder Sozialpolitiker setzen sich deshalb für ein Modell ein, das im Kreis Minden-Lübbecke ins Leben gerufen wurde.
Pflegebedürftige Senioren werden häufig von Angehörigen gepflegt. Jedoch lassen sich Beruf und Pflege nicht immer unter einen Hut bringen. Bünder Sozialpolitiker setzen sich deshalb für ein Modell ein, das im Kreis Minden-Lübbecke ins Leben gerufen wurde. Foto: dpa

»Menschen, die Angehörige zuhause pflegen, haben viel Verantwortung zu schultern. Oftmals sind sie zwischen 40 und 50 Jahre und befinden sich im Berufsleben. Auf diese Menschen ist man im Kreis Minden-Lübbecke zugegangen«, sagt Christian Rüter, Vorsitzender des Sozialausschusses. Man habe dort das Projekt »Pflegeguide« ins Leben gerufen, das sich an Mitarbeiter dortiger Unternehmen richte. Pflegeguides seien Ansprechpersonen im Betrieb, an die sich Beschäftigte mit Pflegeverantwortung wenden können. Die Pflegeguides führen zwar selbst keine Pflegeberatung durch, kennen aber zum Beispiel Entlastungsmöglichkeiten und können Kontakte zu Hilfeangeboten wie Beratungsstellen herstellen. Darüber hinaus haben sie Kenntnisse über betriebliche Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtern und können die Unternehmensleitung entsprechend beraten. Menschen, die sich zu Pflegeguides ausbilden lassen wollten, biete man eine zweitägige Fortbildung. Diese sei für die Unternehmen und die Teilnehmenden kostenfrei.

Niedrigschwellige Hilfe

In Minden-Lübbecke sei dieses Projekt im Bereich Wirtschaftsförderung angedockt, informiert Rüter. »Man muss es allerdings nicht nur auf Unternehmen beschränken, sondern kann es breiter aufstellen und in die Gesellschaft hineingehen«, so Rüters Empfehlung. Viele Menschen seien über das Thema Pflege nicht aufgeklärt, sagt Jan-Philipp Schnier (SPD). »Da würde sich eine solche niedrigschwellige Hilfe anbieten. Sie hätte überdies noch eine gute Signalwirkung für die Stadt Bünde und den Kreis Herford.« Als nicht sonderlich innovativ charakterisiert Dr. Elmar Holstiege (Bündnisgrüne) die Unternehmen im Kreis Herford. »Wir sollten auf alle Fälle die IHK und die Wirtschaftsförderung mit an Bord nehmen«, lautet sein Vorschlag.

Handelsverband OWL vom Projekt überzeugt

Zumindest der Handelsverband Ostwestfalen-Lippe ist vom Projekt Pflegeguide schon jetzt überzeugt. »Pflegeguides leisten einen wichtigen Beitrag zu besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Pflegende Beschäftigte stehen häufig unter massivem Druck, sind mitunter überfordert durch die neue Situation. Pflegeguides können schnell Informationen und Möglichkeiten zur Unterstützung liefern«, meint Dr. Axel Berger, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Minden-Herford des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe.

Empfehlung für kommunale Konferenz »Alter und Pflege«

Die Bünder Sozialpolitiker wollen nun der kommunalen Konferenz »Alter und Pflege« empfehlen, das Thema aufzugreifen und auch in den Unternehmen im Kreis Herford eine Ausbildung zum Pflegeguide zu ermöglichen.

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