Museumstechniker Ulrich Franzrahe hat in Bünde einen besonderen Jahrmarkt erschaffen Im Reich der »Waldmännchen«

Bünde  (WB). Riesenrad, Breakdancer, Free-Fall-Tower – das klingt nach viel Spaß auf dem Jahrmarkt. Was aber, wenn dieser Vergnügungspark eine Fläche von nur zwei Quadratmetern einnimmt und alle Fahrgeschäfte und Akteure ausschließlich aus Materialien sind, die man im Wald findet?

Von Hilko Raske
Zahlreiche Jahrmarktattraktionen sind in der Miniaturwelt zu sehen, die Ulrich Franzrahe geschaffen hat. Fast alle können auch bewegt werden. Es wurden ausschließlich Materialien verwendet, die im Wald zu finden sind.
Zahlreiche Jahrmarktattraktionen sind in der Miniaturwelt zu sehen, die Ulrich Franzrahe geschaffen hat. Fast alle können auch bewegt werden. Es wurden ausschließlich Materialien verwendet, die im Wald zu finden sind. Foto: Hilko Raske

Zu sehen ist dieser »Erlebnispark« derzeit im Bünder Museum. Dort wird er im Rahmen der Sonderausstellung »Unter Bäumen – der Wald und der Mensch« präsentiert. Geschaffen hat diese Wunderwelt im Kleinen Museumstechniker Ulrich Franzrahe.

Neun Monate Bauzeit

Über eine Zeitspanne von neun Monaten hat er die einzelnen Jahrmarktattraktionen entworfen, in seiner Freizeit die Materialien dafür gesammelt und die Fahrgeschäfte konstruiert – und fast nebenbei das Reich der »Waldmännchen« erschaffen, die den Jahrmarkt bevölkern.

Etwa sieben Zentimeter sind die Angehörigen dieses possierlichen Völkchens groß. Bucheckern bilden die Füße, Kopf und Rumpf bestehen aus Eicheln, die Hüte und Mützen sind wahlweise aus Eichelkappen oder den Samenhülsen der Bucheckern. Doch damit nicht genug.

Weil auch die Waldmännchen über eine bewegte Geschichte verfügen, gibt es noch zwei kleinere Modelle mit ihnen, die sie als Jäger- und Käfersammler darstellen und das »römisch-waldische Zeitalter« demonstrieren.

Den Wald mit kindgerechten Modellen erklären

Doch wie kommt man dazu, eine derartige Miniaturwelt Wirklichkeit werden zu lassen? »Als sich Ende September vergangenen Jahres abzeichnete, dass wir eine Sonderausstellung zum Thema Wald präsentieren werden, kam auch die Frage auf, wie sich das pädagogisch sinnvoll umsetzen lässt.« Von seiner Kollegin Maren Bohnenkemper, ihres Zeichens Museumspädagogin, sei der Tipp gekommen, dass es beispielsweise Bastelangebote wie »Eichelmännchen für kleine Kinder« gebe.

»Ich habe mir Gedanken gemacht, wie man solchen ›Waldmännchen‹ Leben einhauchen könnte – und dann ist meine Fantasie mit mir durchgegangen.« Ihm sei schnell klar geworden, dass man vieles, was im Wald vorkommt, mit kindgerechten Modellen erklären kann. Ganz wichtig für Franzrahe: »Es sollten funktionelle Modelle sein, damit Kinder sehen, dass man mit einfachen Mitteln Bewegung erzeugen kann.« Und das gehe am besten mit Kirmesattraktionen: »Die erkennen Kinder sofort«.

Von der digitalen hin zur analogen Welt

Zuerst fertigte Franzrahe technische Zeichnungen im Maßstab 1:20 an. Danach wurden die einzelnen Fahrgeschäft konstruiert. Aber dabei blieb es nicht. In der äußerst detailreichen Waldmännchen-Welt entstanden nebenbei ein Hotel, ein Unterstand für den »Waldpunsch«, eine Grillecke oder eine Plattform für Bungeespringer.

»Die Szenen sollen dem Leben nachempfunden sein«, betont Franzrahe. Dabei sei es ihm ganz wichtig, dass Kinder von der digitalen hin zur analogen Welt finden würden. Er hofft nun, dass sein Waldmännchen-Reich auch nach dem Ende der Ausstellung einen Platz finden wird.

Das Bünder Museum bietet in diesem Zusammenhang am Samstag, 19. August, und Sonntag, 20. August, jeweils von 14 bis 18 Uhr einen Bastel-Workshop zum Thema »Waldmaterialien« an. Mit Hilfe von selbst gesammelten Materialien aus dem Wald sollen Ideen zum Leben erweckt und tolle Objekte gebastelt werden. Neben den Eintrittskosten werden zwei Euro für Materialkosten erhoben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.