180 Besucher beim Infoabend in Bünde zur geplanten Werkserweiterung Schlagabtausch ohne Häcker-Geschäftsführung

Bünde (WB). Zur Bürgerinformationsveranstaltung über die geplante Häcker-Erweiterung hatten die Bürgermeister von Rödinghausen und Bünde eingeladen – und etwa 180 Gegner und Befürworter nutzen die Gelegenheit, um ihre Argumente auszutauschen. Dabei vermissten die Gegner Mitglieder der Häcker-Geschäftsführung.

Von Thomas Klüter
Landschaftsarchitekt Rainer Brokmann (von rechts) und Stadtplanerin Tanja Schrooten übernahmen die Aufgaben, die alle Besucher von Jochen Finkemeier erwartet hatten. Ernst Wilhelm Vortmeyer, Wolfgang Koch und Jürgen Müller gaben Antworten.
Landschaftsarchitekt Rainer Brokmann (von rechts) und Stadtplanerin Tanja Schrooten übernahmen die Aufgaben, die alle Besucher von Jochen Finkemeier erwartet hatten. Ernst Wilhelm Vortmeyer, Wolfgang Koch und Jürgen Müller gaben Antworten. Foto: Thomas Klüter

Wer gehofft hatte, der Abend würde eine Annäherung der Vertreter der unterschiedlichen Positionen bringen, musste die Aula der Gesamtschule nach drei Stunden enttäuscht verlassen. Besonders negativ kam bei den zum Teil verunsicherten, zum Teil verärgerten Besuchern an, dass niemand von den Verantwortlichen des Unternehmens an der Veranstaltung teilnahm. »Ich glaube, das hätte die Wogen glätten können, wenn Jochen Finkemeier so viel Verständnis und genügend Mut gehabt hätte, sich selbst den Sorgen der Anwohner zu stellen«, sagte einer der Besucher. Etwas provokanter formulierte es Hans Köhler von der Bürgerinitiative Muckum: »Es ist ein Skandal, dass niemand von der Geschäftsführung anwesend war«.

Präsentation wirkt wie Werbeveranstaltung

Stattdessen informierten Tanja Schrooten vom Stadtplanungs- und Kommunalberatungs-Unternehmen Tischmann und Schrooten und Landschaftsarchitekt Rainer Brokmann von »Kortemeier und Brokmann« über die Planungen von Häcker Küchen. Die vorbereitete Powerpoint-Präsentation wirkte dabei auf viele der Zuschauer wie eine Häcker-Werbeveranstaltung. Daten und Fakten von der Gründung des Unternehmens, über bisherige Erweiterungen, Neubauten, Produktionsergebnisse bis zur Entwicklung der Mitarbeiterzahlen stellte Schrooten vor. Und sie machte damit mehr als deutlich, dass Häcker erweitern muss. Wenn nicht hier, dann anderswo.

Brokmann stellte dann fünf Gebiete im Umfeld des Hauptsitzes vor, die für eine Erweiterung genauer inspiziert worden waren. Aspekte wie Topografie, Verkehrsanbindung, Größe und Format der Flächen und auch der Naturschutz seien in die Entscheidung eingeflossen. »Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, dass die Fläche in Muckum der günstigste Standort ist«, so Brokmann.

Sachliche Diskussion

Nach dieser Präsentation waren die Besucher also genauso schlau wie vorher. Denn über den Erfolg der Firma Häcker bestanden wohl bei niemandem Zweifel und die Tatsache, dass das Unternehmen in Muckum erweitern will, war auch schon allen bekannt. Die Gründe dafür spielen für die Anwohner kaum eine Rolle, wenn sie befürchten müssen, dass ihre Häuser bald nicht mehr im Grünen sondern in einem Industriegebiet stehen.

Die Diskussion lief trotzdem weitestgehend sachlich ab. Häcker Küchen verfolge die Ein-Standort-Strategie und wolle aus logistischen Gründen nicht weiter als fünf Kilometer vom Hauptsitz entfernt bauen, hieß es da auf die Frage von Hans Köhler (siehe Kasten).

Die interkommunale Zusammenarbeit sei an diesem Standort lediglich auf dieses Projekt ausgerichtet, beruhigte Wolfgang Koch Besucherin Heike Schrader und Ernst-Wilhelm Vortmeyer machte auf die Sorgen von Waldemar Schendel klar, dass Häcker in der Vergangenheit 100 neue Arbeitsplätze pro Jahr geschaffen habe.

Alle Verantwortlichen, die sich den Fragen der Besucher stellten, betonten, dass die Planungen noch am Anfang ständen und dass das Projekt natürlich ganz normal die Gremien der Verwaltung durchlaufen müsse. Die Interessen der Anwohner konnten Bündes Bürgermeister Koch und Rödinghausens Bürgermeister Vortmeyer natürlich nachvollziehen. Es gehe aber um die Schaffung von Arbeitsplätzen – und da sei das allgemeine Interesse höher zu bewerten als das individuelle.

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