Freibadbecken in Bünde: Standsicherheitsnachweis kann nicht erbracht werden »Es besteht Handlungsbedarf«

Bünde (WB). Die Ausführungen von Experte Christian Bär bei der Ratssitzung am Mittwochabend machten es noch einmal deutlich: In Sachen Freibadsanierung besteht dringender Handlungsbedarf – vor allem mit Blick auf das marode Becken.

Von Daniel Salmon
Nach Anraten von Fachmann Christian Bär sollte das Bünder Freibadbecken idealerweise nur noch in der kommenden Saison betrieben werden. Zuvor sollte allerdings mit einem Monitoring geprüft werden, ob sich das Becken verzogen hat.
Nach Anraten von Fachmann Christian Bär sollte das Bünder Freibadbecken idealerweise nur noch in der kommenden Saison betrieben werden. Zuvor sollte allerdings mit einem Monitoring geprüft werden, ob sich das Becken verzogen hat. Foto: Daniel Salmon

Der Fachmann des von der Stadt mit der Sanierungsstudie beauftragten Ingenieurbüros Bär Janßen Partnerschaft (Bad Zwischenahn), betonte, dass ein Standsicherheitsnachweis für den Stahlbeton-Beckenkorpus nicht mehr gerechnet werden könne: »Nicht für den so genannten Lastfall 1, also wenn sich der Wasserdruck im Becken und der Erddruck von außen in etwa in Waage halten und auch nicht für den Lastfall 2, wenn also nur die Erde von außen gegen die Wände drückt.« Zudem seien Fugen undicht. Eine Sanierungsoption für das Bassin entfalle unter diesen Umständen somit definitiv.

Bär fuhr fort: »Bei gefülltem Becken haben wir nur ein geringes Restrisiko, das etwas passiert. Wenn wir Erddruck von außen haben, das Becken ist entleert und während der Revisionsarbeiten fährt ein Lastwagen an den Beckenkopf, könnte es ›knack‹ machen.« Die Folge: Das Becken könnte sich verformen, eine partieller Einsturz der Beckenwand wäre denkbar. Somit steht nun fest: Während kommender Revisionsarbeiten sollten sich Fahrzeuge nicht mehr der Beckenumrandung nähern.

Eine Nutzung des Pools auch in der kommenden Badesaison sei zwar denkbar. Allerdings empfiehlt Bär im Vorfeld des Weiterbetriebs ein so genanntes Monitoring durchzuführen, um etwaige Verformungen am Bassin festzustellen. Eine solche Maßnahme würde mit einem vierstelligen Euro-Betrag zu Buche schlagen. »Wenn sich die Beckenköpfe aufeinander zubewegen, dann muss man sofort sperren«, betonte der Experte. Einen Betrieb über die Saison 2018 hinaus bewertete der Fachmann als äußerst kritisch.

Gebäudesanierung würde 750.000 Euro kosten

Auch auf den Zustand des Funktionsgebäudes ging Bär ein. Dieses könne zwar für rund 750.000 Euro saniert und weiterbetrieben werden. Dazu müsste allerdings der Innenbereich komplett entkernt werden. Zudem sei die Elektrik abgängig. Und auch die Außenfassade müsste angegangen werden. Der Ingenieur gab zu bedenken: »Würde man das machen, hätte man aber dann keineswegs ein neuwertiges Gebäude.« Zumal: Sollte irgendwann über die Anschaffung einer Solaranlage zur Temperierung des Wassers nachgedacht werden, würde das derzeitige Dach dieses gar nicht tragen können.

Für einen Neubau rechnete er mit möglichen Kosten von 1 bis 1,5 Millionen Euro, je nach Ausstattungsvariante, die auch vom neu zu erstellenden Becken abhänge. Bär: »Von der Wasserfläche hängt dann auch ab, wie viel Duschen und Umkleideplätze man bräuchte.«

Bär gab zu bedenken, dass eine Steigerung der Projektkosten zu erwarten sei, je länger eine Sanierung aufgeschoben würde: »Wir gehen von 2 bis 4 Prozent pro Jahr aus.« Das wäre auch der Fall, wenn die Arbeiten stufenweise ausgeführt werden. Bürgermeister Wolfgang Koch fasste abschließend zusammen: »Es besteht dringender Handlungs- und Planungsbedarf. Wir müssten uns in den Fraktionen kurzfristig darauf verständigen, welche Variante wir in die Planung gegeben, damit wir zeitnah ein neues Bad bekommen.«

Koch plädiert für familienfreundliches Bad

»Mein Wunsch ist, dass das neue Freibad 2019 in Betrieb geht«, sagte Koch gestern. Eine endgültige Entscheidung, was für eine Planungsvariante verwirklicht wird, solle auf jeden Fall in diesem Jahr fallen. Gegen Ende der Sommerferien werde zunächst eine interfraktionelle Arbeitsgruppe, in der auch die Verwaltungsspitzen vertreten sind, zusammenkommen. Koch: »Wir werden dann diskutieren, welche Zielausrichtung wir haben wollen, auch was Zusatzangebote neben dem reinen Badebetrieb angeht. Ich denken, wir werden dann schnell zu einer einheitlichen Linie kommen, um womöglich im Herbst einen Planer zu beauftragen, dem wir unsere Vorgaben mit auf den Weg geben.« Der Bürgermeister selbst plädiert für eine Variante, die vor allem für Familien, Kinder und Jugendliche attraktiv ist.

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