Sina Vickers baut Särge für totgeborene Kinder »Sternenwolke« für die letzte Reise

Bünde (WB). Noch vor einigen Jahren waren sie ein Tabuthema: Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben sind. Für diese so genannten Sternenkinder hat die Bünderin Sina Vickers (35) etwas entworfen, was einem Sarg entsprechen soll. Sie will mit ihrem Projekt »Sternenwolke« betroffenen Eltern das Abschiednehmen erleichtern.

Von Hilko Raske
Sina Vickers hat für Sternenkinder zwei Sargmodelle entwickelt. Sie möchte damit den betroffenen Eltern das Abschiednehmen erleichtern. Die 35-Jährige betreibt ihr Projekt »Sternenwolke« ehrenamtlich.
Sina Vickers hat für Sternenkinder zwei Sargmodelle entwickelt. Sie möchte damit den betroffenen Eltern das Abschiednehmen erleichtern. Die 35-Jährige betreibt ihr Projekt »Sternenwolke« ehrenamtlich. Foto: Hilko Raske

Mit dem Thema Sternenkinder hat sich Sina Vickers vor einigen Jahren schon beruflich auseinandergesetzt. »Auf Wunsch der Eltern habe ich diese Kinder fotografiert«, erzählt sie. Sei dieses Thema früher totgeschwiegen worden, würden die betroffene Eltern heute offener darüber sprechen. »In vielen Fällen haben sie sich deshalb bewusst dazu entschieden, auch Bilder von diesen Kindern machen zu lassen.«

»Ich habe den Wunsch verspürt, etwas zu tun«

Bedingt durch diese Tätigkeit habe sie viel zu diesem Thema recherchiert. »Dabei musste ich feststellen, dass etliche Krankenhäuser den Eltern das totgeborene Kind einfach in einer Nierenschale aus Pappe mit einem Tuch darüber mitgeben.« Speziell für ungeborene Kinder im Alter zwischen einem und sechs Monaten gebe es eigentlich nichts, was einem Sarg entspreche. Etwas, was sie persönlich sehr traurig stimmte. »Sternenkinder sind ja teilweise nur so groß wie eine Hand. Trotzdem muss man dann entweder einen Sarg für einen Säugling kaufen. Oder man entscheidet sich für die preiswerte Variante. Und das ist ein Pappfaltkarton, der einem Sarg ähnlich sieht.« Dadurch sei in ihr Wunsch entstanden, hier etwas zu tun – und das auch ganz praktisch.

Erst einmal erkundigte sie sich bei heimischen Bestattern, was überhaupt an Materialien erlaubt sei. »Bei einer Feuerbestattung ist das ein relativ geringes Problem. Anders sieht es bei Erdbestattungen aus.« Als Erstes habe sie zwei unterschiedlich große Grundformen, also praktisch Rohlinge, entwickelt. »Auf die vorhandenen Formen ziehe ich dann spezielles Bastelpapier. Das wird mit einem Kleber in Form gebracht. Anschließend wird Strohseide darüber geklebt, damit alles aussieht wie eine Wolke.« Das Ganze sei sehr stabil und wäre in verschiedenen Farben möglich. Verziert werde es mit kleinen Schmuckstücken beispielsweise in Form von Herzen, Schmetterlingen oder auch Strassperlen. Ausgekleidet werden diese kleinen Särge dann mit einem Vlies oder Federn.

Mit dem Projekt schon in Krankenhäusern vorstellig geworden

»Ich will dafür kein Geld – schließlich möchte ich nicht am Tod eines Kindes verdienen«, betont Sina Vickers. Ihre Arbeit sei rein ehrenamtlich. Allerdings würde sie sich über Spenden in Form der benötigten Materialien freuen. Mit ihrem Projekt sei sie auch schon in Krankenhäusern in Osnabrück, Melle und Herford vorstellig geworden. »Allerdings habe ich bislang da noch keine Rückmeldung erhalten.« Ein Bünder Bestatter habe sich aber inzwischen bereit erklärt, ihre »Sternenwolken« betroffenen Eltern als Alternative zu den Säuglingssärgen zu zeigen.

Sie hofft nun, dass sie mit ihrem Projekt »Sternenwolke« trauernden Eltern helfen kann und das Abschiednehmen dadurch vielleicht etwas leichter fallen wird. Mehr Informationen auch im Internet:

www.sternenwolke2017.jimdo.com

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