Naturschutzgebiet für Feier und Sperrmüllentsorgung zweckentfremdet Polizei beendet Grillparty am Doberg

Bünde   (WB). Der Doberg ist nicht nur ein Naturschutzgebiet, sondern auch ein Bodendenkmal von internationalem Rang. Eines der Bünder Wahrzeichen – das Skelett der Seekuh – ist hier gefunden worden. Manchen Zeitgenossen scheint das aber vollkommen egal zu sein.

Von Hilko Raske
Diese rote Sofagarnitur stand auf oben auf dem Doberg. Einige Radfahrer hatten es sich schon darauf gemütlich gemacht. Die Garnitur ist inzwischen vom Kreis Herford entsorgt worden.
Diese rote Sofagarnitur stand auf oben auf dem Doberg. Einige Radfahrer hatten es sich schon darauf gemütlich gemacht. Die Garnitur ist inzwischen vom Kreis Herford entsorgt worden. Foto: Rainer Ebel

So ist der Doberg zum wiederholten Mal als Müllkippe und Grillplatz missbraucht worden. Eine Entwicklung, die besonders Dr. Rainer Ebel mit großer Sorge betrachtet. Ebel hat gemeinsam mit Michael Kaiser das Buch »Der Doberg bei Bünde« herausgegeben – eine Publikation, die die überragende Bedeutung des Geotops für die geologische und paläontologische Forschung würdigt. Denn immerhin steht der Doberg stellvertretend für eine Zeitspanne, die etwa 30 Millionen Jahre zurückliegt: das Oligozän. Damals war Norddeutschland von der so genannten Urnordsee bedeckt.

Bei einem Spaziergang am Sonntagnachmittag machte Ebel eine Entdeckung, die ihm gar nicht gefiel. Direkt auf dem Doberg hatten Unbekannte eine rote Sofagarnitur abgestellt. Die Möbel sollten eigentlich als Sperrgut vom Gelände einer nahe gelegenen Lebensmittelfirma entsorgt werden. Stattdessen hatte sich jemand im Naturschutzgebiet wohnlich einrichten wollen. Doch damit nicht genug. Auf einer Wiese zwischen den charakteristischen Dobergklippen hatte sich eine Gruppe von 20 Personen – anscheinend eine Großfamilie – häuslich niedergelassen und zwei Grills aufgebaut. Anwohner hatten zu diesem Zeitpunkt bereits die Polizei verständigt. »Die Kollegen waren um 15.15 Uhr vor Ort. Uns war gemeldet worden, dass am Kalkofenweg nicht nur gegrillt wurde, sondern auch ein offenes Feuer angelegt worden war. Dementsprechend wurde eine Ordnungswidrigkeitsanzeige vorgelegt. Und natürlich ist das Grillen untersagt worden«, informiert Steven Haydon, Sprecher der Kreispolizeibehörde Herford.

Bereits am Dienstagvormittag waren Mitarbeiter des Kreises Herford am Doberg im Einsatz, um die Überreste der »Grillfeier« zu entsorgen. Verpackungsmüll, Wodkaflaschen, aber auch ein Grill waren einfach die Klippe hinabgeworfen worden. Der Einsatztrupp packte natürlich auch gleich die Wohnzimmergarnitur mit auf die Ladefläche des Lkw. »Der Hinweis ist von der Stadt Bünde gekommen«, sagt Esther Ungerland, Sprecherin des Kreises Herford. Die Stadtverwaltung sei im Zuge der »Grillfeier« durch die Polizei auf die roten Sofas aufmerksam gemacht worden. »Daraufhin haben wir das Verfahren aufgenommen und in dem Zuge auch das Sofa entfernt.« Bei dem Delikt handele es sich um eine »unzulässige Abfallabladung«. »Für den Verursacher gibt es ein Bußgeldverfahren. Derartige Ordnungswidrigkeiten werden nach dem Landesnaturschutzgesetz mit bis zu 50 000 Euro geahndet. Außerdem muss der Verursacher die Entsorgungskosten, die der öffentlichen Hand angefallen sind, übernehmen«, so Ungerland.

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