Anwohner fühlen sich von der Politik übergangen Bürgerinitiative gegen Häcker-Erweiterung

Bünde  (WB). Die Bürgerinitiative Muckum geht in die Offensive: Nach einer offenen Diskussion am vergangenen Dienstag fanden sich einige Bürger zusammen, um den Bebauungsplänen der Küchenfirma Häcker entgegenzuwirken. Das geplante Areal an der Hansastraße möchten sie dem Rödinghauser Unternehmen nicht kampflos überlassen.

Von Thorben Lippert
Sie planen Aktionen für den Erhalt des Ackers im Ortsteil Muckum (von links): Waldemar Schendel, Sigrid Plaßmann, Klaus Kamann, Claudia Zirfas, Rita Hellmann, Christel Schendel, Hans Köhler und Ulrich Hellmann.
Sie planen Aktionen für den Erhalt des Ackers im Ortsteil Muckum (von links): Waldemar Schendel, Sigrid Plaßmann, Klaus Kamann, Claudia Zirfas, Rita Hellmann, Christel Schendel, Hans Köhler und Ulrich Hellmann. Foto: Thorben Lippert

»Wir wollen nicht einfach klanglos untergehen«, fasste Waldemar Schendel von der Bürgerinitiative »Der Acker bleibt« während der Diskussion im Gemeindehaus der Adventskapelle Muckum zusammen. Damit traf er wohl den Nerv der über 50 Anwesenden. Deren Meinung war klar: Das von Häcker favorisierte Gebiet soll unberührt bleiben. Schließlich gibt es hier nicht nur ein Landschaftsschutzgebiet, sondern auch den am besten bewerteten landwirtschaftlichen Boden im ganzen Kreisgebiet. Außerdem befürchten Anwohner eine spätere Erweiterung der geplanten Industriefläche, erhöhtes Verkehrsaufkommen und eine Verschandelung des Landschaftbildes. Deshalb sollten während der Diskussion Wege des Widerstands gegen das Vorhaben gefunden werden.

Positive Signale von den Verwaltungen

Von Seiten der Rödinghauser und Bünder Politik gab es zuletzt trotzdem überwiegend positive Signale, eine Nutzung des Geländes als interkommunales Gewerbegebiet scheint favorisiert zu werden. Auch der Besitzer der Flächen würde einem Verkauf offenbar zustimmen.

Aufgrund dieser Umstände fühlten sich die Anwesenden übergangen. »Schließlich wurde das Landschaftsschutzgebiet auf diesem Gelände nicht ohne Grund eingerichtet. Die Politik kann das doch nicht einfach wieder vergessen«, ärgerte sich Schendel. Kritik wurde während der Diskussion vor allem aufgrund »mangelhafter Transparenz« laut – handfeste Informationen oder Teilhabe an den Planungen vermissen die Muckumer Anwohner. Auch die teils nicht-öffentlichen Entscheidungsprozesse, etwa im Landschaftsbeirat, sind der Bürgerinitiative ein Dorn im Auge.

Aufgrund dieser Umstände beschlossen die Teilnehmer der Diskussion ihr weiteres Vorgehen. Als erstes Zeichen möchte die Bürgerinitiative bei der heutigen Ratssitzung Antworten von der Politik bekommen, Versäumnisse sollen angemerkt werden.

Widerstand gegen Bauvorhaben

Darüber hinaus erklärten sich acht Interessierte dazu bereit, weitere Möglichkeiten zum Widerstand gegen das Bauvorhaben auszuloten. »Es muss vor allem eine Öffentlichkeit hergestellt werden, in der über das Vorhaben gestritten werden kann«, waren sich die Mitglieder der neuen Gruppe einig. Als Möglichkeit zieht die Initiative eine Podiumsdiskussion mit Fraktionsvertretern und anderen Entscheidungsträgern in Betracht, um ein umfassendes Bild zur Situation erhalten zu können.

Unterschriftenlisten für Bürgerentscheid

Denkbar seien aber auch Unterschriftenlisten, wie sie etwa beim Umbau der Eschstraße vor mehr als zehn Jahren zum Einsatz kamen. Damals erzwangen Gegner des Umbaus mittels der Unterschriften einen Bürgerentscheid über das umstrittene Projekt, bei dem sich dann die Mehrheit der Wähler für einen Umbau aussprach. Inwieweit ein Bürgerentscheid auch im aktuellen Konflikt realistisch ist, wird die Gruppe in den nächsten Wochen herausfinden müssen. Der selbst ausgerufene »Kampf gegen Windmühlen« kann also beginnen.

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