Anlieger wollen sich mit Häcker-Plänen in Muckum nicht abfinden Noch mehr Gewerbe befürchtet

Bünde (WB). »Wir haben nichts gegen Häcker, wir wollen nur, dass die Natur hier erhalten bleibt«, sagt Detlev Plaßmann. Der Anlieger der Hansastraße in Muckum ist strikt dagegen, dass der Küchenmöbelhersteller im Landschaftsschutzgebiet ein weiteres Werk bauen darf.

Von Daniel Salmon
Für Waldemar Schendel wäre es ein Unding, würde das Landschaftsschutzgebiet hinter seinem Haus zu einem interkommunalen Gewerbegebiet werden. »Mit so einem Bauvorhaben würde die typische Ravensberger Kulturlandschaft hier zerstört«, meint er.
Für Waldemar Schendel wäre es ein Unding, würde das Landschaftsschutzgebiet hinter seinem Haus zu einem interkommunalen Gewerbegebiet werden. »Mit so einem Bauvorhaben würde die typische Ravensberger Kulturlandschaft hier zerstört«, meint er. Foto: Daniel Salmon

Zudem befürchtet der 62-Jährige, dass eine etwaige Ansiedlung des Unternehmens auf dem Gelände, das direkt an sein Grundstück grenzt, weitere Ausweisungen von Gewerbegebieten in der Gegend zur Folge haben wird. »Wenn ich das Filet aus der Sau rausschneide, wird der Rest schließlich auch verwertet«, meint Plaßmann, der selbst für Häcker arbeitet. Nach Informationen dieser Zeitung soll der Landwirt, dem ein Großteil der infrage kommenden Flächen gehört, bereit sein, Flächen an den Küchenhersteller abzugeben.

Kritik an Politik

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern von der Bürgerinitiative Muckum will Plaßmann versuchen, die Verwirklichung der Pläne noch zu stoppen. »Ich weiß, dass unsere Chancen schlecht stehen. Wir kämpfen gegen Windmühlen. Aber probieren wollen wir es.« Sein Nachbar Waldemar Schendel (63) ergänzt: »Ich kann kein Verständnis dafür aufbringen, mit welcher Hingabe viele unserer Politiker in Bünde das Industriegebiet in Muckum vorantreiben wollen.«

Dabei spiele es scheinbar keine Rolle, dass es sich bei der knapp 30 Hektar großen Fläche, die Häcker für sein Vorhaben favorisiere, um ein Landschaftsschutzgebiet mit wertvollen Ackerflächen handele. »Es ist eine von wenigen großen Flächen im Kreis Herford, wo man die Landschaft noch ungetrübt genießen kann. Hier hat man einen wundervollen Blick über Gut Böckel bis ins Meller Land hinein. Es gibt hier keine störenden Windkraftanlagen oder Hochspannungsleitungen.«, gibt Schendel zu bedenken.

»Wir haben große Grundstücke«

Der 63-Jährige kritisiert zudem, das als großes Argument für einen Werksbau die Schaffung von Arbeitsplätzen vorgeschoben werde: »Die können aber zwei Kilometer im Anschluss an das bereits bestehende Häcker-Firmengelände genauso gut geschaffen werden. Oder aber direkt an der Autobahn, so wie in der Nachbarstadt Melle. Bei uns in Bünde an der Autobahn ist noch genug Platz.« Als weitere Fläche bringt Detlev Plaßmann die Sandkuhle, gegenüber dem Muckumer Sportplatz in Spiel: »Als Ackerfläche wäre die ohnehin nicht zu gebrauchen.«

Die Hoffnung der Initiative ist nun, dass sich eine übergeordnete Stelle doch noch gegen eine Häcker-Ansiedlung ausspricht. »Ich werde auch noch ein Schriftstück an die Landesregierung in Düsseldorf schreiben«, sagt Schendel.

Nach Meinung der beiden Anlieger werde in der Sache zudem mit zweierlei Maß gemessen: »Wir haben große Grundstücke. Als unsere Kinder hier bauen wollten, ging das nicht.« Bei einem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet scheine die Stadt aber keine Probleme mit einer Genehmigung zu haben.

Bürgerversammlung am Dienstag

Waldemar Schendel kritisiert: »Bei allem werden wir Bürger darum angehalten, mehr auf die Umwelt und die Natur zu achten. In diesem Fall spielt das allerdings keine Rolle. Hauptsache es fließen Gewerbesteuern. So eine Denkweise finde ich mittlerweile empörend.« Im Landkreis werde immer davon gesprochen, den Flächenfraß zu beenden. In Bünde setze man sich über solche Beschlüsse hinweg, plane stattdessen eine 30 Hektar große Fläche für immer zu versiegeln.

»Erst zerstört man ein unwiederbringliches Stück Natur und dann renaturiert man für Steuergelder eine unzusammenhängende Fläche. Mit diesem Bauvorhaben wird die typische Ravensberger Kulturlandschaft in diesem Bereich für immer zerstört.« Die Muckumer hoffen nun, dass sie für ihr Anliegen auch weitere Bünder gewinnen können: »Denn für einige Politiker sind der Erhalt und Schutz der Natur nur leere Phrasen.«

In einer Bürgerversammlung will die Initiative am Dienstagabend, 28. März, um 18 Uhr in der Adventskapelle mit Bürgern zu dem Thema diskutieren.

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