Der Bünder Sven Schüngel (39) nimmt mit einem Kumpel an einer 7500 Kilometer langen Charity-Rallye teil Mit dem Scirocco zum Nordkap und zurück

Bünde (WB). Zwei Männer, ein alter VW Scirocco, 7500 Kilometer Piste: Der Bünder Dr. Sven Schüngel (39) und sein Kumpel Sven Jörgenshaus (35) nehmen im Juni an einer Charity-Rallye rund um die Ostsee teil. Der Teamname des Gespanns: »Die schrecklichen Svens«.

Von Daniel Salmon
7500 Kilometer will der Bünder Sven Schüngel mit dem VW-Scirocco zurücklegen. Sein Co-Pilot auf der Tour ist sein Kumpel Sven Jörgenshaus.
7500 Kilometer will der Bünder Sven Schüngel mit dem VW-Scirocco zurücklegen. Sein Co-Pilot auf der Tour ist sein Kumpel Sven Jörgenshaus. Foto: Daniel Salmon

»Baltic Sea Circle 2017« (BSC) nennt sich das Event, bei dem das Duo Geld für den guten Zweck sammeln will. Von Hamburg bis zum Nordkap und wieder zurück, führt die Tour der beiden Freunde – ein großer Teil der Strecke liegt dabei mitten in der russischen Pampa. Ihr Fahrzeug ist ein alter VW Scirocco, Baujahr 1989. »Die Wagen, die an der Rallye teilnehmen dürfen, müssen mindestens 20 Jahre alt sein«, sagt Sven Schüngel. Weitere Bedingung der Veranstalter: Die Nutzung von GPS zur Orientierung ist nicht erlaubt. Stattdessen müssen die Starter auf »altmodische« Straßenkarten zurückgreifen. »Außerdem dürfen wir keine Autobahnen benutzen. Und das wird auch keiner tun – das gehört zum Ehrenkodex der Starter«, ergänzt der Bünder.

Unterstützung für »The Black Fish«

Mit der Teilnahme am BSC wollen die beiden – wie übrigens auch die rund 200 anderen Teams der Tour – auf ein gemeinnütziges Projekt aufmerksam machen und dieses auch finanziell fördern. »In unserem Fall ist das ›The Black Fish Deutschland‹, eine Organisation, die sich weltweit für den Erhalt der Ökologie und der Artenvielfalt der Meere einsetzt. Ihr Engagement macht unter anderem die Überfischung wieder zu einem Thema in Europa und hilft dabei, illegale und zerstörerische Fischerei aufzudecken und dagegen vorzugehen«, erklärt der in der Pharma-Branche tätige Diplom-Humanbiologe.

Die Spendengelder wollen der Bünder und sein Kumpel aus Eltville am Rhein über Deutschlands größte Spendenplattform betterplace.org generieren. »Wir wollen so mindestens 1500 Euro zusammenbekommen. Wer uns unterstützt, bekommt natürlich eine Spendenquittung. Unser persönliches Motto lautet dabei ›Für die Ostsee um die Ostsee‹«, sagt Schüngel. Los geht’s für die »schrecklichen Svens« am 17. Juni von Hamburg aus. Zehn Anrainerstaaten der Ostsee gilt es bei der Rundtour zu durchqueren. »Das sind Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen und Polen. Nach 16 Tagen kommen wir dann wieder in Hamburg an«, erklärt der 39-Jährige.

Auf Geschwindigkeit kommt es nicht an

Er fährt fort: »Beim BSC geht’s nicht um Geschwindigkeit. Stattdessen müssen auf der Route verschiedene Aufgaben erfüllt werden, für die es Punkte gibt. Der Sieger erhält einen Pokal und darf kostenlos bei einer der künftigen Charity-Rallyes des Veranstalters an den Start gehen.« Bei den Aufgaben geht es zum Beispiel darum, besondere Fotos an speziellen Plätzen zu machen.

600 Kilometer will das Team pro Tag, an sechs oder sieben Stunden, mit dem alten Scirocco zurücklegen. »Zumindest haben wir uns das vorgenommen. Wir wissen ja noch nicht genau, wie die Straßen in der russischen oder finnischen Einöde beschaffen sind«, sagt Sven Schüngel. Abends wird dann gezeltet. Alles Lebensnotwendige wird im Wagen und der Dachbox verstaut. Mit an Bord sind zudem zwei Kanister mit jeweils 20 Liter Benzin: »Man weiß schließlich nicht, wo die nächste Tankstelle zu finden ist.«

Bericht auf Facebook-Blog

Die Motivation der beiden Kumpels ist es, bei der Tour Spaß zu haben und die nordische Natur zu genießen: »Wir beide finden Skandinavien atemberaubend. Und die Möglichkeit, die Länder rund um die Ostsee zu besuchen und das Ganze mit einer guten Sache zu verbinden – besser geht’s nicht.« Dass sich das Duo bei der tagelangen Fahrt, durch eine teils menschenleere Gegend gegenseitig auf die Nerven geht, bezweifelt Schüngel. »Das wird keinesfalls passieren. Wir haben schließlich einige Zeit gemeinsam in einer WG im Raum Frankfurt gewohnt.«

Berichten wollen sie über ihre Erfahrungen bei der BSC zudem über einen Blog auf Facebook (@SvenBSC2017) – auch, um noch mehr Menschen auf den guten Zweck ihrer Reise aufmerksam zu machen. Obwohl es noch einige Monate dauert, bis das Duo zu seinem Abenteuertrip aufbricht, kann Sven Schüngel den Startschuss der Rallye kaum noch abwarten: »Das wird ein riesen Abenteuer für uns. Ich möchte am liebsten sofort starten.«

Auto hat erst 70.000 Kilometer runter

Den Scirocco GT II, Baujahr 1989, haben Sven Schüngel und Sven Jörgenshaus extra für die Rallye gekauft. »Ich kenne den Wagen schon seit meiner Kindheit. Er gehörte einem Nachbarn, ist top in Schuss und hat erst knapp 70.000 Kilometer gelaufen«, sagt der 39-Jährige. Und in der Tat: Der 28 Jahre alte VW gibt beim Druck aufs Gaspedal einen satten Sound von sich. Auf der Autobahn hat der Bünder das 90 PS starke Fahrzeug bereits auf 180 Stundenkilometer gebracht. Eine Geschwindigkeit, die während der Tour auf den Straßen zum Nordkap und zurück wohl nicht erreicht werden wird.

Weil der Wagen allerdings einige Zeit lang nicht bewegt wurde, mussten bereits mehrere Teile ausgetauscht werden. Schüngel: »Zum Beispiel mussten die Bremsscheiben, Zahn- und Keilriemen, Zündkerzen, ein Kugellager und eine Menge sonstiger Verschleißteile grunderneuert werden. Bei diesen Arbeiten hat uns das Autohaus Bünde extrem unterstützt und gesponsert.« Ebenso wie die Bünder Firma Horn Werbedesign. »Die haben uns die komplette Folierung mit dem Logo unseres Charity-Partners ›The Black Fish‹ gespendet«.

Logo selbst ausgedacht

Auch das Team selbst hat sich ein witziges Logo ausgedacht, das mittlerweile den Scirocco ziert und an die Comicfigur »Hägar, der Schreckliche« angelehnt ist. Ein befreundeter Grafikdesigner übernahm den Feinschliff. Derzeit ist noch etwas Platz für die Embleme weiterer Sponsoren, die das Team unterstützen könnten.

Sven Schüngel hofft, dass der Wagen die Rallye unbeschadet übersteht. »Und solange wir keinen Achsenbruch oder Ähnliches haben, hält das Auto die Tour auch durch«, ist er überzeugt und ergänzt: »Wenn alles gut läuft, werden wir den Scirocco dann auch nach der Rallye auf jeden Fall noch weiter fahren.«

Kontakt zu den »schrecklichen Svens« können Spender und Sponsoren per Mail aufnehmen an: sven_bsc2017@gmx.de

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