Mieteinnahmen sollen in Bildungsbereich investiert werden – Start im August 2017 Politik stimmt für private Gesamtschule

Bünde (WB). Bündes Schullandschaft ist ab 2017 um eine private Gesamtschule reicher. Der Schulausschuss hat am Mittwoch einstimmig bei vier Enthaltungen für die Errichtung einer privaten zweizügigen Gesamtschule in Trägerschaft der Forscherhaus Bildungsgesellschaft mbH gestimmt.

Von Kathrin Heeren
Im Gebäude der jetzigen Hauptschule, Heidestraße 41, soll ab August 2017 der erste zweizügige Jahrgang der privaten Forscherhaus-Gesamtschule starten. Bis 2021 werden beide Schulen das Gebäude gemeinsam nutzen.
Im Gebäude der jetzigen Hauptschule, Heidestraße 41, soll ab August 2017 der erste zweizügige Jahrgang der privaten Forscherhaus-Gesamtschule starten. Bis 2021 werden beide Schulen das Gebäude gemeinsam nutzen. Foto: Kathrin Heeren

Dieser Entschluss hat weitreichende Auswirkungen auf die sonstige Entwicklung der Schullandschaft in der Elsestadt. Der sehr kontrovers diskutierte Umzug beider Realschulen ins Hauptschulgebäude ist nun definitiv vom Tisch. Stattdessen soll die Forscherhaus-Gesamtschule im August 2017 den Betrieb in den Hauptschulräumen aufnehmen – bis zum Jahr 2021 sollen Haupt- und Forscherhaus-Gesamtschule gemeinsam an der Heidestraße untergebracht sein. Eine gemeinsame Nutzung der Mensa und des Schülercafés wird angestrebt.

Der Erste Beigeordnete, Günther Berg, betonte, dass die Ansiedlung der privaten Gesamtschule kein Problem löse, jedoch zur positiven Entwicklung der Schulsituation insgesamt beitragen könne. Die Stadt verdiene durch die schrittweise Vermietung der bisherigen Hauptschulräume an die Forscherhaus Bildungsgesellschaft nämlich Geld, das sie nun zielgerichtet nutzen könne, um in die Schulen und die Bildungsstruktur zu investieren.

Berg betonte, dass die Gründung privater Schulen im deutschen Grundrecht verankert sei. Ziel sei es nicht, Privatschulen und öffentliche Schulen als Konkurrenten nebeneinander zu stellen, sondern Pluralität zu sichern.

Fast alle Politiker standen der privaten Gesamtschule offen gegenüber, sprachen jedoch die Tatsache, dass der Betrieb nicht ohne Elternbeiträge möglich ist, vielfach an.

Elgin Willmann, Geschäftsführerin der Forscherhaus Bildungsgesellschaft mbH, erklärte, dass Eltern, die ihr Kind an die Gesamtschule schicken möchten, mit monatlichen Beiträgen in Höhe von 150 bis 170 Euro rechnen müssten. Wenn eine Familie die Kosten nicht tragen könne, gebe es jedoch die Möglichkeit, dass der Förderverein entlastend einspringe.

Die Forscherhaus Bildungsgesellschaft betreibt seit 2009 bereits eine private Grundschule in Herford und seit 2014 einen privaten Kindergarten. »Da lag die Konsequenz nahe, zu sagen, dass wir nun auch gerne in den weiterführenden Bereich vorstoßen wollen«, so Elgin Willmann.

Die neue Forscherhaus-Gesamtschule in Bünde ist die erste private Gesamtschule im Kreis Herford. Elgin Willmann rechnet damit, dass nicht nur Bünder Schüler das Angebot wahrnehmen. »Erfahrungsgemäß liegt das Einzugsgebiet etwa bis 25 Kilometer rund um den Schulstandort.« Inklusion sei während der Anfangsphase des Schulaufbaus leider noch kein Schwerpunkt.

Aus den Reihen der SPD enthielten sich einige Ausschussmitglieder. »Nicht, weil uns der pädagogische Ansatz nicht gefällt. Sie bieten sicherlich das Optimum. Aber Schule hat aus unserer Sicht eine Integrationsaufgabe«, sagte die Fraktionsvorsitzende Andrea Kieper. Und die sehe die SPD mit der Ansiedlung der Privatschule gefährdet. »Sie werden vor allem Familien ansprechen, die bildungsnah sind, denen es wert ist, Geld für Bildung auszugeben und die Fahrtkosten zur Schule zu tragen. Diese Schüler entziehen Sie dem öffentlichen Schulsystem. Diese Kinder kommen uns für die Integrationsaufgabe also abhanden.«

Nachdem die Abstimmung für die Errichtung des Forscherhauses ausfiel und somit klar war, dass die Realschule Nord künftig im Schulzentrum Ennigloh bleiben wird, beauftragte die Politik die Verwaltung einstimmig damit, im Schulzentrum Nord die Bereitstellung von Unterrichtsräumen zu regeln. Im Klartext heißt das, dass die Realschule Nord wegen sinkender Schülerzahlen weitere Räume abgeben muss, so dass auf den steigenden Raumbedarf am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und an der Erich-Kästner-Gesamtschule reagiert werden kann.

Auch wurden Verwaltung und Kommunalbetriebe damit beauftragt, zeitnah Planungen für die Schaffung einer multifunktional nutzbaren Mensa im Schulzentrum Nord vorzulegen – geprüft werden sollen eine zentrale sowie eine dezentrale Lösung.

Auch für die Realschulen wurde ein wichtiger Grundstein gelegt. Die Verwaltung soll nämlich abklären, wie die Voraussetzungen an beiden Bünder Realschulen aussehen, um dort Bildungsgänge ab Klasse 7 einzurichten, die zum Hauptschulabschluss führen.

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