1100 Gäste kommen in den Stadtgarten – Vorstellung beginnt wegen Andrangs später Torsten Sträter trifft den Nerv

Bünde (WB). Das hat es so im Bünder Stadtgarten länger nicht mehr gegeben. Der Andrang auf die Karten von ­Torsten Sträter war so groß, dass die Vorstellung um etliche Minuten nach hinten verschoben werden musste.

Von Henning Tonn
Mehr als 1100 Gäste wollten Torsten Sträter in Bünde sehen.
Mehr als 1100 Gäste wollten Torsten Sträter in Bünde sehen. Foto: Henning Tonn

Mit »Ich war schon da, habe nur auf euch gewartet«, begrüßte Torsten Sträter 1100 Gäste und deutete gleichzeitig seinen letzten Besuch im vergangen Jahr im Universum an – dort war der Künstler auf der Autobahn stecken geblieben und zu spät erschienen.

»Gar nicht schlecht, bei meinen Vorstellungen weiter hinten zu sitzen. Siehst eh nur einen dicken alten Mann«, legt Sträter gewohnt tiefenentspannt los und erntet die ersten beeindruckenden Lachsalven.

Markenzeichen schwarze Mütze

Der Mann aus Waltrop, komplett und leger in schwarz gekleidet, dazu sein Markenzeichen die schwarze Mütze tief ins Gesicht gezogen und mit dieser unverwechselbaren tiefen, hocherotischen Stimme, muss sich selber erst an die gigantisch volle Halle gewöhnen.

»Bünde hat 40.000 Einwohner und mehr als 1000 sind hier. In meiner Stadt Waltrop kommen keine 200 und in der Fußgängerzone und werde ich noch angemeckert, dass es auch schon mal besser war«, ist Sträter sichtlich erstaunt über den Zulauf in der Stadthalle.

Er trifft den Nerv

Der Mann weiß seinem Publikum zu schmeicheln, okay, dann überzieht er etwas mit, »Toll in Bünde. Auf dem Hinweg habe ich zum ersten Mal ein Einhorn gesehen.« Sträter macht kein Kabarett (»Wenn ihr das von mir erwartet, sind wir heute Abend schnell durch.«), Sträter erzählt Geschichten aus dem Leben. V

ielleicht wird auch noch etwas draufgepackt. Sehr viel sogar. Aber er trifft den Nerv, ist nie langweilig in fast drei Stunden Programm, fesselt mit seiner Hammerstimme und seinen irren Geschichten.

Nie versiegender Applaus

Ein nie versiegender Applaus bei seinen Veranstaltungen ist nichts Ungewöhnliches für den Malocher-Typen aus dem Ruhrpott. »Wir hatten ja früher nix. Keine Handys oder so. Wir haben uns nach der Schule getroffen, ne Kuh angezündet, fertig«, sieht man förmlich das Kopfkino bei den supervergnügten Zuhörern auf Hochtour laufen.

Die Idee, am Heiligen Abend um 23 Uhr bei den Zeugen Jehovas anzuschellen und mit ihnen über den Sinn des Lebens und der Playstation 4 zu reden, ist eine köstliche. »›Erwachtet!‹ Blöder Name für ein Programm. Meins würde lauten: Leg dich wieder hin!«

Das auffällig bunt gemischte Publikum lässt sich komplett mitreißen und lauscht und staunt und lacht an diesen denkwürdigen Sträter-Abend über die verrücktesten Sachen.

Süßigkeiten-Freak

»Ihr müsst auch was Gescheites mitnehmen von diesem Abend«, trifft der Mützenmann mit seinem Programm »Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben« auf komplett offene und dankbare Ohren. Auch Arme haben Beine oder Schokolade ist sechs Monate haltbar –»Wozu!?!« grinst der Süßigkeiten-Freak frech und verständnislos in seine nickenden und lachenden Zuschauerreihen.

Berichte vom Auftritt in der Schweiz und der lange Kampf mit dem 9 Euro teuren Schokoriegel – der natürlich verloren geht – sind genauso krass wie die über das Schoko-Leckerchen, das im Acrylwürfel sicher aufgehoben ist. Denkste, landet komplett im Bauch des gierigen Künstlers und muss dort am Ende rausoperiert werden.

Skurril, skurriler, Sträter, so die klare Erkenntnis eines Abends, der noch lange in den Sphären der Stadthalle geistern wird.

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