Zahlen für den Kreis und die Stadt Bünde vorgestellt Pflege wird immer wichtiger

Bünde (WB). Die Menschen werden immer älter – und die Zahl der älteren Menschen nimmt stetig zu. Das Thema Pflege im Alter gewinnt damit an Bedeutung. Über den Stand der verbindlichen Pflegeplanung im Kreis Herford informierte am Mittwochabend Leitender Kreisrechtsdirektor Paul Bischof die Mitglieder des Ausschusses für Generationen und Soziales.

Von Hilko Raske
Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den kommenden 15 Jahren deutlich ansteigen. Darauf hat der Kreis Herford mit einer verbindlichen Pflegeplanung reagiert. Die aktuellen Zahlen sind am Mittwochabend in einem Fachausschuss vorgestellt worden.
Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in den kommenden 15 Jahren deutlich ansteigen. Darauf hat der Kreis Herford mit einer verbindlichen Pflegeplanung reagiert. Die aktuellen Zahlen sind am Mittwochabend in einem Fachausschuss vorgestellt worden. Foto: dpa

Pflegeplanung nun Pflicht

Weshalb überhaupt Pflegeplanung? Auf Landesebene wurde die gesetzliche Grundlage für die kommunale Pflegeplanung durch das Alten- und Pflegegesetz NordrheinWestfalen nachhaltig verändert. »Die Kreise und kreisfreien Städte sind nun verpflichtet, eine den örtlichen Bedarfen entsprechende pflegerische Angebotsstruktur sicherzustellen«, sagte Bischof. Das setze natürlich eine Bestandsaufnahme voraus, die auch Konsequenzen für Bünde habe. Die Bestandsaufnahme sei erstmals zum Ende des vergangenen Jahres vorgenommen worden, und zwar vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (IGS) mit Sitz in Köln.

Ambulant vor stationär

Bei der Bestandsaufnahme sei man unter anderem von dem Grundsatz ausgegangen, dass eine ambulante Versorgung Vorrang vor einer stationären haben solle. Zudem wolle man alle an der Pflege Verantwortlichen im Kreis und den Kommunen, aber auch Träger von Diensten und Einrichtungen mit einbeziehen. Ferner solle die Pflegeplanung alle zwei Jahre fortgeschrieben werden. Wichtige Komponenten der Pflegeplanung im Kreis Herford seien natürlich der demografische Wandel, die vorhandenen Angebote und die Bedarfsanalyse.

»27,3 Prozent aller Menschen in Deutschland waren im Jahr 2014 über 60 Jahre alt. Bünde liegt lag mit 28 Prozent knapp über dem Bundesdurchschnitt. In Spenge wiederum betrug dieser Anteil 30 Prozent«, informierte Bischof. Diese Zahlen würden sich, bedingt durch den demografischen Wandel, bis zum Jahr 2030 noch deutlich verändern. Der Anteil der über 80-Jährigen – in dieser Altersgruppe ist die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, am größten – um 20 Prozent. In Bünde habe es beispielsweise Ende 2014 12 633 Personen über 60 Jahre gegeben. 2030 würden schon etwa 16 000 Personen über 60 Jahre in Bünde leben.

Pflegebedürftige überwiegend über 80 Jahre alt

Pflegebedürftige habe es Ende 2013 im Kreis genau 7697 Personen gegeben -– der überwiegende Teil über 80 Jahre alt und weiblich. 2030 sind es voraussichtlich 8821 Menschen, die im Kreis der Pflege bedürfen.

40 ambulante Pflegedienste im Kreisgebiet

Wie schaut es nun mit der Versorgung aus? 40 ambulante Pflegedienste gibt es im Kreisgebiet, die bis Ende des vergangenen Jahres 1271 Mitarbeiter beschäftigten. In acht Tagespflege-Einrichtungen stehen 97 Plätze für diese Form der teilstationären Pflege zur Verfügung. Von 31 Einrichtungen wird Kurzzeitpflege auf 315 Plätzen angeboten. Bei der vollstationären Pflege bieten 30 Einrichtungen 2261 Plätze an. In einigen Bereichen stellt die Bestandsaufnahme einen Bedarf an Erweiterung und Ausbau fest. Dies gilt insbesondere für die Tagespflege, das betreute Wohnen und für eine eigenständige Kurzzeitpflege. Bei der stationären Pflege beispielsweise werde der Bedarf bis 2018 um 214 Plätze steigen. »Da aber derzeit drei Einrichtungen gebaut werden – unter anderem eine in Bünde –, die dann 221 neue Plätze bereitstellen, ist dieser Bedarf gedeckt.«

Mittel zur Steuerung

Generell, so Bischof, gebe die verbindliche Pflegeplanung dem Kreis die Möglichkeit, bis zu einem gewissen Grad den Bau von Pflegeeinrichtungen zu steuern. »Dort, wo Fördermittel eingesetzt werden können, gibt es diese für Investoren nur noch dann, wenn der Planungsbedarf vorhanden und ausgeschrieben worden ist.«. Günter Berg, Beigeordneter der Stadt Bünde, begrüßte die verbindliche Pflegeplanung – »das ist ein Steuerungselement gegen den Wildwuchs im Pflegebereich.« Diese Planung müsse in Bünde zu einem sozialen Schwerpunktthema des nächsten Jahres werden.

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