Mehr als ein Drittel der Geschäfte verkauft bei Testkäufen Hochprozentiges an Minderjährige Alkohol an Kinder verkauft

Bünde (WB). 41,4 Prozent der Bünder Geschäfte und Tankstellen verkaufen hochprozentigen Alkohol an Minderjährige. Das ist das Ergebnis der Alkohol-Testkäufe, die das Jugendamt vor wenigen Monaten durchgeführt hat.

Von Kathrin Brinkmann
In den Bünder Läden und Tankstellen wurden vor Kurzem Alkohol-Testkäufe durchgeführt. Das Ergebnis ist alarmierend. 41,4 Prozent der Kassierer verzichteten auf eine Ausweiskontrolle und verkauften auch starke Alkoholika an Minderjährige.
In den Bünder Läden und Tankstellen wurden vor Kurzem Alkohol-Testkäufe durchgeführt. Das Ergebnis ist alarmierend. 41,4 Prozent der Kassierer verzichteten auf eine Ausweiskontrolle und verkauften auch starke Alkoholika an Minderjährige. Foto: dpa

»Es gibt eine bedenkliche Entwicklung«, informierte Dirk Brandmeier vom Jugendamt. Seit zehn Jahren führe seine Behörde nun Alkohol-Testkäufe durch. »Damals war uns aufgefallen, dass es sehr viele Gruppen 13- bis 14-Jähriger gibt, die sich auf öffentlichen Plätzen treffen und schwere Alkoholika wie Wodka trinken. Wir haben uns gefragt, wie die Jugendlichen überhaupt an Alkohol kommen.« Bei Alkohol-Testkäufen habe das Jugendamt damals die erschreckende Erfahrung gemacht, dass 52,9 Prozent aller Geschäfte und Tankstellen Alkohol an Jugendliche verkauften, ohne eine Ausweiskontrolle vorzunehmen.

Nachdem das Amt regelmäßige Kontrollen einführte, sei es gelungen, diese Quote im Jahr 2012 auf 28,1 Prozent zu drücken. »Viele Geschäfte haben seither Hinweisschilder präsenter angebracht und ihr Kassensystem umgestellt, so dass Kassierer automatisch aufgefordert werden, den Ausweis zu kontrollieren. Außerdem werden die Kassierer regelmäßig zum Thema geschult«, sagte Brandmeier. Einige hätten sogar in ihren Arbeitsverträgen stehen, dass sie fristlos gekündigt werden können, wenn sie Alkohol an Minderjährige verkaufen. Nach den Erfolgen in 2012 sei 2013/14 jedoch die Quote wieder nach oben gegangen. »36,4 Prozent, also mehr als jedes Dritte Geschäft, kontrollierte nicht mehr«, sagt Brandmeier.

Eltern kaufen ihren 13-jährigen Kindern Wodka-Flaschen

Weil alle Aufklärungsversuche keinen Erfolg zeigten, sei das Jugendamt 2015 dazu übergegangen, erstmals Ordnungsstrafen zu verhängen. Die Bußgelder müssten direkt von den jeweiligen Kassiererinnen, nicht aber von den Läden selbst, bezahlt werden. Bei erneuten Kontrollen Ende 2015 sei trotzdem noch ein Viertel aller Geschäfte negativ aufgefallen. »Zum ersten Mal haben wir daher bereits drei Monate später wieder kontrolliert. Die Geschäfte haben damit wohl nicht gerechnet. Eine Negativ-Quote von 41,4 Prozent hat uns ziemlich geschockt«, sagt Brandmeier.

Alarmierend sei auch, dass Kassierer geschildert hätten, dass oftmals Erwachsene von Jugendlichen vor den Geschäften angesprochen werden. Viele Erwachsene seien bereit, den Jugendlichen Alkohol aus den Läden zu besorgen. Auch die Eltern seien immer schwieriger für das Thema zu sensibilisieren. »Neu ist, dass man in den Läden sogar Vater, Mutter und Kind mit Einkaufswagen voller Wodkaflaschen sieht. Die Eltern kaufen selber für die Partys ihrer Kinder ein«, sagt Brandmeier. Das beginne etwa ab Klasse 8.

Zwar träfen sich die Jugendlichen heute nicht mehr auf öffentlichen Plätzen, um zu trinken, aber der neue Trend sei teilweise noch viel gefährlicher. »Die Saufgelage passieren zu Hause und werden immer exzessiver. Oft, wenn die Eltern weg sind. Wir hatten letztes Jahr einen Fall, bei dem ein stark alkoholisierter 14-Jähriger Stunden lang in seinem Erbrochenen liegen gelassen wurde. Nur weil die Mutter ihn nachts suchte, fand und sofort ins Krankenhaus brachte, ist der Vorfall glimpflich ausgegangen«, sagt Brandmeier.

Etwas besser als die Geschäfte hätten die Tankstellen bei den Test-Käufen abgeschnitten. »Hier wird seltener Alkohol an Minderjährige verkauft.« Einige Tankstellenmitarbeiterinnen hätten jedoch berichtet, dass sie sich nachts, wenn sie allein im Dienst sind, nicht trauen, keinen Alkohol an Minderjährige auszugeben. Die jungen Männer, die teilweise sehr maskulin wirkten, kämen oft in Gruppen auf das Gelände und wirkten bedrohlich.

Kommentare

@Lucas - Aber in den von chico beschriebenen Ländern gibt es trotzdem Tankstellen.

@Lucas => So ist das Leben. Tankstellen sind ein Auslaufmodell. Es gibt vielleicht noch ein paar Jahrzehnte Benzin. Die Elektroautos kommen. Die Tankstellen können ja zu Coffeeshops werden.

@chico: Dann können die Tankstellen ja gleich dicht machen. Den Großteil ihres Gewinns, mal eher relativ von der Marge als absolut gesehen, machen die sicherlich nicht mit Benzin.

Es gibt eine ganz einfache Lösung, die andere Länder längst etabliert haben: Es gib ganz spezielle Läden, in denen Getränke mit mehr als 5 % Alkohol gekauft werden können. Dann brauchen die Verkäufer/innen in Tankstellen und anderen Geschäften keine schwierigen Entscheidungen mehr treffen.

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