Schulausschuss: Mehrheit stimmt für sukzessive Auflösung der Hauptschule – Ratsentscheidung am 22. September »Eine Ära geht zu Ende«

Bünde (WB). Während auf dem Rathausvorplatz fröhlich auf einen 30. Geburtstag angestoßen wurde, herrschte im großen Ratssaal des Verwaltungsgebäudes bedrückte Stimmung: »Mit Bauchschmerzen« haben sich die Mitglieder des Schulausschusses mehrheitlich für die auslaufende Auflösung der Bünder Hauptschule ausgesprochen.

Von Daniel Salmon
Folgt der Rat in seiner nächsten Sitzung dem Beschlussvorschlag des Schulausschusses, werden an der Bünder Hauptschule an der Heidestraße ab dem kommenden Schuljahr keine neuen Eingangsklassen mehr gebildet. Die Schulform läuft somit sukzessiv aus.
Folgt der Rat in seiner nächsten Sitzung dem Beschlussvorschlag des Schulausschusses, werden an der Bünder Hauptschule an der Heidestraße ab dem kommenden Schuljahr keine neuen Eingangsklassen mehr gebildet. Die Schulform läuft somit sukzessiv aus. Foto: Daniel Salmon

Mit einem Votum von zwölf Ja-Stimmen bei zwei Ablehnungen und zwei Enthaltungen fiel das Votum am Dienstagabend nach einer kurzen aber intensiven Diskussion zwar nicht einstimmig, aber eindeutig aus. Die letzte Entscheidung in dieser Sache wird nun am 22. September der Bünder Rat fällen. Sollte dieser dem Beschlussvorschlag des Schulausschusses folgen, würde die Verwaltung die Genehmigung zur sukzessiven Auflösung bei der oberen Schulaufsichtsbehörde einholen. Ab dem Schuljahr 2016/17 würden an der Hauptschule dann keine neuen Eingangsklassen für einen fünften Jahrgang mehr gebildet.

»Eine Ära geht zu Ende, aber die Eltern haben in dieser Sache mit den Füßen abgestimmt«, bedauerte Grünen-Ratsherr Christian Kowalewsky und spielte gleichzeitig auf die seit Jahren schwächelnden direkten Anmeldezahlen für den fünften Hauptschuljahrgang an. Dieser Meinung schloss sich auch CDU-Fraktionssprecher Dr. Heinz-Georg Beneke an. Dessen Parteifreund Martin Schuster sprach sich indes vehement gegen eine auslaufende Auflösung der Hauptschule aus: »Ich finde es katastrophal, wie mit Schülern umgegangen wird, die diese Schulform brauchen.« Nach diesen Worten brandete auf der mit etwa 30 Bürgern besetzten Zuschauertribüne im Ratssaal kurzzeitig Applaus auf. Auch Eva Dorothee Steuer (CDU) wollte dem Beschlussvorschlag nicht zustimmen: »Das ist gegen meine pädagogische Überzeugung.«

UWG-Fraktionsmitglied Norbert Darnauer betonte, er habe bei der Entscheidung für eine Auflösung ein »schlechtes Bauchgefühl«, zumal er bis Weihnachten von weiter steigenden Flüchtlingszahlen in Bünde ausgehe. »Und da werden sicher viele Familien mit Kindern darunter sein«, so Darnauer. Diese müssten schließlich beschult werden. Der Unabhängige forderte die Fraktionen auf, sich zu dem Thema Gedanken zu machen.

»Auch wir haben kontrovers diskutiert. Das ist schließlich ein emotionales Thema«, machte SPD-Ratsherr Ulf Dreier den Standpunkt seiner Partei klar.

Nur unter Vorbehalt votierte FDP-Mitglied Ernst Tilly für die Auflösung der Hauptschule. »Alle schätzen die Schule«, betonte der Ratsherr. Er forderte, dass die derzeitigen Lehrer auch in Zukunft Sprachunterricht, beispielsweise für Flüchtlinge, geben sollten. Darüber hinaus müsse die Verwaltung weiterhin mit der Schulleitung im Gespräch bleiben, im Hinblick auf die Lern- und Lehrqualität der auslaufenden Bildungseinrichtung.

Als »dramatische Entwicklung« bezeichneten indes zwei Bürgerinnen auf den Zuschauerrängen den gefassten Beschluss. Vor allem auch mit Blick auf die zahlreichen Schüler, die bisher von anderen Schulen in die siebte Klasse der Hauptschule gewechselt seien. Wie berichtet, sind der siebte und die folgenden Jahrgänge an der Heidestraße seit geraumer Zeit im Gegensatz zu den Eingangsklassen zweizügig.

Wie es in der Bünder Schullandschaft auch ohne eine eigene Hauptschule am Ort weitergehen könnte, wurde am Rande der Sitzung bei der Kenntnisnahme einer Schulrechtsänderung von den Ausschussmitgliedern thematisiert:

Real- statt Hauptschule?

Der NRW-Landtag hat im Juni das Gesetz zur Sicherung von Schullaufbahnen und zur Weiterentwicklung des Schulrechts verabschiedet. Demnach kann ein Schulträger einer Realschule dort einen Bildungsgang ab Klasse 7 einrichten, der zu den Abschlüssen der Hauptschule führt – insbesondere dann, wenn eine öffentliche Hauptschule in der Gemeinde oder dem Gebiet des Schulträgers nicht vorhanden ist. Sollte die Hauptschule, wie beabsichtigt, auslaufen, käme eine solche Möglichkeit für Bünde in Betracht, meinte Thomas Clausing von der Stadtverwaltung. »Der Tagesordnungspunkt könnte dann durchaus wieder bei uns auftauchen«, meinte Ulf Dreier (SPD). Sein Fraktionskollege Ralf Brinkmann wollte wissen, worin die Unterschiede zu einer Sekundarschule bestünden. »Das ist doch dann quasi eine«, so der SPD-Politiker. »Das sehe ich auch so. Wir sollten die Landesregierung fragen, warum das so eingerichtet wurde«, kommentierte Bündes Jugendamtsleiterin Ingrid Wolff. Eine weitere Spitze in Richtung Düsseldorf hatte Ernst Tilly (FDP) in petto: »Werden wir beim Arbeitstempo des Kultusministeriums in absehbarer Zeit dafür ein pädagogisches Konzept hinkriegen?« Der Liberale betonte, dass die Eltern der Kinder mit Hauptschulempfehlung schließlich Klarheit in der Sache bräuchten.

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