Am ersten Weihnachtsfeiertag 2011: Explosion zerstört Wohn- und Geschäftshaus Verdacht auf Brandstiftung: Familienclan vor Gericht

Rödinghausen/Bünde (WB). Erster Weihnachtstag 2011: Wenige Minuten nach 3 Uhr fliegt ein Wohn-und Bürohaus an der Parkstraße in Rödinghausen in die Luft, die Trümmer gehen in Flammen auf. Jetzt wird der Familienclan, dem das Gebäude gehörte, vor Gericht gestellt.

Von Rainer Grotjohann
In der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag des JAhres 2011 explodierte das etwa 90 Jahre alte, aber erst kurz zuvor erweiterte und umgebaute Wohn- und Bürogebäude an der Poststraße im Ortskern von Rödinghausen.
In der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag des JAhres 2011 explodierte das etwa 90 Jahre alte, aber erst kurz zuvor erweiterte und umgebaute Wohn- und Bürogebäude an der Poststraße im Ortskern von Rödinghausen. Foto: Annika Tismer

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft sechs Mitgliedern der Familie im Alter von 36 bis 46 Jahren vor, die Explosion selbst herbeigeführt und dafür gesorgt zu haben, dass anschließend das Feuer ausbrach.

Mehr als 300 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, DRK und Polizei waren in der eisigen Weihnachtsnacht im Einsatz. Zeitweilig mussten Nachbarn evakuiert werden, da weitere Explosionen befürchtet wurden. Die mutmaßlichen Täter hätten Versicherungsbetrug begehen wollen, heißt es in der Anklageschrift.

Gerüchte über Brandstiftung gab es früh

Schon in der Brandnacht hatte es entsprechende Gerüchte gegeben, als unter den noch rauchenden Trümmern keine Opfer gefunden wurden. Denn in Bünde war Jahre zuvor schon ein Haus des Clans in Flammen aufgegangen. Die Familie hatte sich Tage zuvor auf den Weg in ihr Heimatland auf dem Balkan gemacht. Und dabei »wesentliche Teile ihres Hausrates« mitgenommen, wie die Staatsanwaltschaft annimmt.

Das Gebäude war auch Sitz einer als GmbH betriebenen Trockenbaufirma, deren Inhaber und Geschäftsführer Mitglieder der Familie waren. Dem Inventarversicherer der GmbH und der Hausratversicherung sollen überhöhte Schadenslisten präsentiert worden sein. Dabei, so die Staatsanwaltschaft, seien im Wesentlichen Gegenstände aufgeführt worden seien, die vor der Brandlegung aus dem Haus geschafft worden wären.

Anklage wegen Versicherungsbetrugs

36.500 Euro leisteten die Versicherungen als Vorschuss, dann stellten sie die Zahlungen ein, denn: Die Brandreste waren mit den eingereichten Schadenslisten »nicht in Einklang zu bringen«. Es sei »detektivische Kleinarbeit« geleistet worden, sagte Christoph Mackel, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld.

In Untersuchungshaft sitze keiner der insgesamt sechs Angeklagten (drei Männer, drei Frauen). Auch liege seines Wissens kein Geständnis vor.

Auch weitere Straftaten stehen im Raum

Das Verfahren vor der IX. Strafkammer beginnt am 29. September. Bislang sind 20 Verhandlungstage angesetzt worden. Neben dem Verdacht der Brandstiftung in einem besonders schweren Fall stehen noch weitere Anklagepunkte an. So soll eines der Familienmitglieder, ein 43-Jähriger, im November 2013 in Enger eine Körperverletzung begangen haben. Nach einer verbalen Auseinandersetzung soll er seinem Opfer »plötzlich und unvermittelt mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben«.

Und gegen zwei Männer, 46 beziehungsweise 41 Jahre alt, wird Anklage wegen verschiedener Eigentumsdelikte erhoben. Als »faktische  Geschäftsführer« einer GmbH mit Sitz in Bünde, die 2009 in Konkurs ging, sollen sie in vier Fällen entweder selbst oder über einen von ihnen eingesetzten Scheingeschäftsführer Waren bestellt und erhalten haben, die sie – »wie von vornherein geplant« – nicht bezahlt   haben sollen, mit der wahrheitswidrigen Behauptung, die Waren nicht bekommen zu haben.

Außerdem sollen diese beiden Männer, als sie im März 2009 Eigenantrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die GmbH stellten,  wahrheitswidrig behauptet haben, das Unternehmen habe weder Werkzeuge noch Maschinen.

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