Sven Kampeter beantwortet in der Grundschule Holsen-Ahle Fragen von Kindern »Sind Flüchtlinge schüchtern?«

Bünde (WB). Es ist kein regulärer Unterricht, trotzdem zeigen die Finger reihenweise nach oben – zahlreiche Fragen liegen den Grundschüler auf den Lippen. Sie wollen es ganz genau wissen: wer die Flüchtlinge sind, die derzeit in der ehemaligen Grundschule Ahle leben, wo sie herkommen, warum sie hier sind, was sie essen, ob sie Taschengeld bekommen und ob man mit ihnen sprechen darf.

Von Karl-Hendrik Tittel
Die Jungen und Mädchen der vierten Klasse haben viele Fragen zu den Flüchtlingen. Und Sven Kampeter beantwortet sie alle. Mit großer Geduld, mit Ruhe und Eindringlichkeit und in kindgerechten Formulierungen.
Die Jungen und Mädchen der vierten Klasse haben viele Fragen zu den Flüchtlingen. Und Sven Kampeter beantwortet sie alle. Mit großer Geduld, mit Ruhe und Eindringlichkeit und in kindgerechten Formulierungen. Foto: Karl-Hendrik Tittel

Mit ruhigen, eindringlichen und kindgerechten Worten erklärt Sven Kampeter den Mädchen und Jungen der Grundschule Holsen-Ahle, warum  vor gut einer Woche die  Flüchtlingsunterkunft an der Schierholzstraße eingerichtet worden ist. »Ich freue mich sehr, dass die Kinder Anteil nehmen und so viele Details wissen wollen – sie haben ganz tolle und unterschiedliche Fragen gestellt«, sagt Kampeter. Und diese waren nicht mit den jeweiligen Klassenlehrerinnen vorbereitet worden, wie Lehrerin Kathrin Stintmann betont. Sie hatte die Idee zu dieser Informationsveranstaltung für die zweiten, dritten und vierten Klassen der Grundschule Holsen-Ahle. »Während der Anliegerversammlung am Sonntag habe ich Sven Kampeter angesprochen, ob er nicht Interesse hätte, den Kindern etwas über die Flüchtlinge, die plötzlich unter uns leben, zu erzählen.« Sofort hatte der Bünder Rotkreuzleiter, der trotz seines Urlaubs in Sachen Flüchtlingsunterkunft seit Tagen mehr oder weniger im Dauereinsatz ist, zugesagt. Er spricht vom Tagesablauf der zurzeit 139 Flüchtlinge in der ehemaligen Grundschule, der Ausstattung der Unterkünfte, den Sicherheitsvorkehrungen und den vielen freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung. Kampeter will Ängste und Vorbehalte nehmen, aber auch objektiv darstellen. Das gelingt ihm augenscheinlich. Nicht zuletzt, weil er die Grundschüler zu Wort kommen lässt – und die waren wissbegierig, was ihre interessierten Fragen im Folgenden beweisen:
 
Wie geht es den Flüchtlingen denn?
Kampeter: So weit ganz gut. Einige sind noch erschöpft von der langen Reise. Sie freuen sich, dass sie jetzt ein wenig zur Ruhe kommen können.

Warum sind sie denn geflüchtet?
Kampeter: Sie kommen aus Ländern, wo es Krieg gibt. Sie sind geflohen, um sich zu retten.

Sind die Flüchtlinge schüchtern?
Kampeter: Zuerst vielleicht ein wenig, denn sie kommen ja von weit her  und aus unterschiedlichen Ländern. Inzwischen ist die Stimmung aber gut.

Darf man mit den Flüchtligen, wenn sie draußen sind, denn spielen?
Kampeter: Ja, das dürft ihr. Auch der Spielplatz ist wieder für alle freigegeben. Zuerst stand ein Zaun davor, denn man musste sich erst einmal auf die neue Situation einstellen. Es wird am nächsten Donnerstag ab 17 Uhr ein Spielplatzfest für alle mit dem Spielmobil der Stadt Bünde veranstaltet.

Wie lange sind die Flüchtlinge da?
Kampeter: Das wissen wir noch nicht. Es kann sein, dass einige abgeholt werden, während andere neu dazukommen. Ich denke, das wird noch eine Weile dort weitergehen.

Kriegen die auch Taschengeld?
Kampeter: Ja, jeden Freitag bekommen die Erwachsenen 30 und die Kinder 15 Euro, das bezahlt das Land.

Wollen einige denn wieder weg?
Kampeter: Das ist schwer zu sagen. Ich denke, sie sind froh, dass sie etwas zur Ruhe kommen und dass Menschen da sind, die sich um sie kümmern. Eine Helferin sagte mir: Man bekommt auch etwas zurück, man lächelt die Menschen an, und sie lächeln zurück.

Sehen die Flüchtlinge anders aus als wir?
Kampeter: Nein. Einige haben vielleicht eine etwas dunklere Hautfarbe, aber sonst sehen sie aus wie wir und sind wie wir. Die Kinder spielen genauso gerne wie ihr auch oder hören Musik mit ihren Handys.

Dürfen auch Kinder den Flüchtlingen helfen?
Kampeter: Nein, das dürfen innerhalb der Unterkunft nur Erwachsene, die dafür vorgesehen sind. Aber Kinder dürfen natürlich zum Spielfest nächsten Donnerstag kommen – und ihr könnt ihnen zuwinken oder sie grüßen, wenn ihr sie auf der Straße oder beim Einkaufen seht.

Gibt es dort auch genug Babysachen für Angela Merkel?
Kampeter: (lacht, denn die Schülerin spricht auf das Baby an, das eine Mutter aus Ghana aus Dankbarkeit nach der Kanzlerin benannt hatte) Dieses Baby ist nicht hier, aber wir haben ein anderes, und dafür sind auch genug Sachen da

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