Notunterkunft für Flüchtlinge löst sehr unterschiedliche Reaktionen aus – Schulbushaltestelle wird verlegt Vorbehalte und Hilfsbereitschaft

Bünde (WB). Angst, Wut, Mitleid, Unsicherheit: Seit die Grundschule Ahle zur Flüchtlingsunterkunft geworden ist, kochen die Emotionen bei den Anwohnern hoch – und sind auch sehr gespalten. Am Sonntagabend konnten die Bürger ihre Sorgen und Bedenken in einer Bürgerrunde im Gemeindehaus Holsen äußern.

Von Annika Tismer und Rainer Grotjohannn

Bürgermeister Wolfgang Koch, Erster Beigeordneter Günther Berg sowie Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes und des Sicherheitsdienstes HNR stellten sich den Fragen der etwa 180 Anwohner und erläuterten die aktuellen Gegebenheiten. »Derzeit haben wir 139 Flüchtlinge in der Unterkunft untergebracht, größtenteils Männer«, erläuterte Berg.

Sie würden für einige Tage dort bleiben, registriert werden und die Einrichtung schließlich wieder verlassen. Die meisten Flüchtlinge kämen aus Afghanistan, Pakistan oder Somalia. »Es sind größtenteils Kriegsflüchtlinge, die eine schwere Zeit hinter sich haben und nun zur Ruhe kommen müssen«, betonte Berg.

Warum die Grundschule Ahle hierfür ausgewählt worden sei, wollten zahlreiche Anwohner wissen. »Weil hier die entsprechenden Kriterien erfüllt werden. Es geht unter anderem um Brandschutz, Sicherheit und sanitäre Anlagen. An keinem anderen Ort wäre dies alles so schnell leistbar gewesen«, betonte Bürgermeister Wolfgang Koch. Der Stadt sei es zudem wichtig gewesen, menschenwürdige Unterkünfte zu schaffen.

Zwei zusätzliche Haltestellen

Geäußert wurden seitens der Anwohner auch viele Ängste. Unter anderem bangen sie um die Sicherheit ihrer Kinder. Ein wesentliches Thema war hierbei die Bushaltestelle an der Grundschule Ahle, an der die Kinder abgeholt werden, um zur Grundschule Holsen gebracht zu werden. Hier wünschten sich die Eltern zwei zusätzliche Haltestellen, die etwas weiter entfernt eingerichtet werden sollten.

Dem hat die Verwaltung entsprochen. Ab Mittwoch, zu Schuljahresbeginn, werden zwei zusätzliche Haltepunkte eingerichtet, und zwar vor dem Haus Schierholzstraße 64 und auf dem Parkstreifen gegenüber dem Haus Schierholzstraße 37. Die neuen Haltepunkte, teilte die Verwaltung gestern Nachmittag mit, werden entsprechend beschildert. Dies soll heute, Dienstag, geschehen. Die Grundschule Holsen/Ahle und die betroffenen Eltern werden informiert.

Ahler Vereine suchen Lösungen

Auch Vereine, die die Räumlichkeiten der Grundschule Ahle genutzt haben, meldeten sich zu Wort und fragten nach Lösungen für die Weiterführung ihrer Angebote. Im Zusammenhang mit Sportangeboten sei die Stadt mit Marcel Ta im Gespräch, um Alternativen zu schaffen, auch der VfL Holsen teilte am Sonntagabend mit, die Ahler Vereine unterstützen zu wollen.

Ta durchforstet seit Freitag die Belegungspläne der Sporthallen und -plätze, um Übergangslösungen für die Abteilungen des SV Ahle zu finden. Am Mittwochabend wird er sich mit Vereinsvertretern treffen, die die Situation am Montagabend intern erörtert haben. Ta zeigte sich im Gespräch mit dieser Zeitung optimistisch, es gebe durchaus Möglichkeiten, den Ahlern zu helfen.

Gute Nachricht auch für den Ahler Seniorenclub: Er hat von der Philippus-Kirchengemeinde die Zusage erhalten, das Gemeindehaus nutzen zu dürfen.

Spielplatz soll Treffpunkt werden

Noch einmal dementiert wurde das Gerücht, die Spielgeräte auf dem Schulhof sollten abgebaut werden. Der Spielplatz soll vielmehr zum Treffpunkt für einheimische und Flüchtlingskinder werden. Zudem soll das Spielmobil zum Einsatz kommen und gemeinsame Spielaktionen ermöglichen.

Auch Spendenbereitschaft wurde deutlich, mehrere Anwohner wollten Kleider oder Spielzeug spenden. Diese Spenden werden aktuell noch am DRK-Heim an der Sachsenstraße entgegengenommen. »In Ahle haben wir leider keine Lagerungsmöglichkeiten«, sagte Susanne Paul-Brandt vom DRK. Ebenfalls angeboten wurden verschiedenste Formen der Hilfe.

Einige Anwohner berichteten, diese bereits geleistet und dafür viel Dankbarkeit erfahren zu haben. Um auch auf Dauer mit den Anwohnern im Gespräch bleiben zu können und mögliche weitere Maßnahmen zu planen, soll zudem eine Arbeitsgruppe gegründet werden. Interessierte können sich an den Beigeordnete Günther Berg wenden.

Anwohner stellen Fragen

Nach etwa zweieinhalb Stunden war die Veranstaltung beendet, ohne offene Beleidigungen gegen die Vertreter der Stadt. Obwohl: Koch war anzumerken, dass er bei einigen Äußerungen von Anliegern nur mühsam die Fassung bewahren konnte. Beispiele: Eine Frau bezeichnete die meist jungen männlichen Flüchtlinge als »geile Böcke«.

Ein anderer Ahler echauffierte sich darüber, dass sich ein Flüchtling auf die Schaukel des Spielplatzes gesetzt hatte ?– der sei schließlich nur für Kinder bis zwölf Jahre zugelassen. Unwirsch zeigte sich Koch, als er gefragt würde, ob er garantieren könne, dass es keine Straftaten der Flüchtlinge geben werde. Natürlich könne er das nicht.

Heute wird die ehrenamtliche Phase des DRK-Engagements beendet sein. Gestern sollten erste Arbeitsverträge unterzeichnet werden, gesucht werden etwa sechs Hauptamtliche (im Schichtdienst) zur Betreuung der Notunterkunft. Arbeitgeber wird das DRK sein, die Kosten trägt das Land. Auf eine DRK-interne Ausschreibung habe es schnell viele Bewerbungen geben.

Erleichtert zeigte sich Koch, dass es gelungen sei, ein kompetentes Bewachungsunternehmen zu engagieren. Um Firmen dieser Art würden jetzt viele Kommunen werben.

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