Freiwillige Helfer begrüßen Flüchtlinge in der Ahler Notunterkunft – Spielplatz wird nicht abgebaut »Wir müssen einfach helfen«

Bünde (WB). 50 Flüchtlinge sind am Freitagnachmittag an der Notunterkunft in der ehemaligen Ahler Grundschule angekommen. Empfangen wurden sie bei ihrer Ankunft aber nicht nur von den Ehrenamtlern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und Mitarbeitern der Stadt, sondern auch von mehreren Bürgern, die freiwillig in der Notunterkunft mit anpacken.

Von Daniel Salmon
Ralf Nagel (von links), Johannes Möntmann und Patrick Gläsker haben sich beim »Team Westfalen« des DRK als freiwillige Helfer registrieren lassen. Nun unterstützt das Trio die Flüchtlinge bei ihrem Aufenthalt in der Ahler Notunterkunft.
Ralf Nagel (von links), Johannes Möntmann und Patrick Gläsker haben sich beim »Team Westfalen« des DRK als freiwillige Helfer registrieren lassen. Nun unterstützt das Trio die Flüchtlinge bei ihrem Aufenthalt in der Ahler Notunterkunft. Foto: Daniel Salmon

Gegen 16 Uhr hält der Bus mit Frauen, Männern und Kindern, die größtenteils aus Pakistan, Syrien, dem Irak, Bangladesch und Somalia stammen, an der Schierholzstraße. »Ein weiterer Flüchtlingstransport soll gegen Abend eintreffen. Am Samstag wird dann der letzte Bus erwartet«, so Henriette König von der Stadtverwaltung.

Zu den ersten Bündern, die die Asylsuchenden auf ihrer Durchgangsstation in der Elsestadt zu Gesicht bekommen, gehört auch  Ralf Nagel. Der 54-Jährige ist einer der Freiwilligen, die sich für einen Einsatz an der seit Sommerbeginn stillgelegten Bildungseinrichtung gemeldet haben. Erst vor kurzem ist er aus seinem Türkei-Urlaub zurückgekehrt. »Dort gibt es Zeltstädte, in denen zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien untergebracht sind und wo ihnen geholfen wird. Das hat mich motiviert, auch hier bei uns tätig zu werden«, sagt Ralf Nagel. Aus den Medien hatte er vom Aufruf des DRK und der Stadt erfahren, dass Freiwillige Helfer gesucht werden.

Auch der Rödinghauser Patrick Gläsker hilft am Freitagmorgen eifrig beim Aufbau der 150 Betten, der Tische und Bänke für den Speiseraum sowie weiteren Vorbereitungsarbeiten mit. »Ich habe bereits in Bremen in einem Flüchtlings-Camp gearbeitet und Kinder und Jugendliche betreut.« Seine dort gesammelten Erfahrungen will der 32-Jährige nun auch in Bünde einbringen. Er findet: »Wir müssen den Menschen, die zu uns kommen, einfach helfen. Was wir tun können, sollten wir auch möglich machen.«

Große Hilfsbereitschaft

Laut Henriette König hätten sich auf den Aufruf so viele Freiwillige gemeldet, dass sie gar nicht alle auf einmal an der Flüchtlingsunterkunft eingesetzt werden könnten. »Die Stadt kann wirklich stolz sein auf die große Hilfs- und die enorme Spendenbereitschaft ihrer Einwohner«, sagt sie. Auch Vereine hätten ihre Hilfe angeboten und stellen beispielsweise Dolmetscher zur Verfügung. Gemeldet hätten sich außerdem zahlreiche Ärzte, die sich stundenweise um die medizinische Betreuung der Flüchtlinge kümmern. »Darunter sind auch Kinderärzte. Sollte einer der Flüchtlinge fachärztliche Hilfe benötigen, wird er von Mitarbeitern der Bünder Feuerwehr dort hingebracht«, sagt DRK-Leiter Sven Kampeter.

Neben den zahlreichen Freiwilligen sind Einsatzkräfte des DRK bei der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft im Dauereinsatz gewesen. Etwa 30 Helfer waren mit Unterstützung des Technischen Hilfswerks mit der Herrichtung der Räume beschäftigt und übernahmen jetzt auch die Registrierung der Asylsuchenden. »Für den normalen Betrieb der Unterkunft dürften dann 15 Rotkreuz-Mitarbeiter ausreichen«, so Susanne Paul-Brandt, DRK-Beauftragte für den Kreis Herford. Diese kümmern sich dann unter anderem um die Ausgabe des Essens, das von einem Caterer aus Kirchlengern geliefert wird, und gewährleisten einen permanenten Sanitätsdienst.

Flüchtlingskinder

Auch an  die Flüchtlingskinder ist gedacht worden. Für die Jungen und Mädchen gebe es in dem obligatorischen Beutel mit Waren des täglichen Bedarf, wie Zahnpasta, Duschgel und Bettzeug  auch ein Kuscheltier, so Bereichsleiterin Henriette König. Entgegen aufkeimender Gerüchte in den Sozialen Medien werden sich die Kinder auch auf dem Spielplatz der ehemaligen Schule austoben können. Mehrere Bürger hatten gemutmaßt, dass der Spielplatz abgebaut werde – wohl wegen des vermeintlich fehlenden Versicherungsschutzes. »Tatsächlich haben uns mehrere Passanten danach gefragt«, sagt auch eine Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes HNR, der für die Überwachung des Grundschulkomplexes zuständig ist. »An diesem Gerücht ist allerdings nichts dran. Der Spielplatz bleibt«, sagt Ralf Bartling, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales bei der Stadtverwaltung.

Wie auch ein Großteil der Grundschule ist der Spielplatz umzäunt. Zutritt haben nur jene, die sich mit einem speziellen Armband bei den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes zu erkennen geben. Mit dieser Maßnahme soll die Privatsphäre der Flüchtlinge, die oftmals viel Leid erlebt haben, vor Unbefugten geschützt werden. »Die Flüchtlinge dürfen sich aber natürlich frei im Ort bewegen. Das ist schließlich kein Gefängnis hier«, sagt  Beigeordneter Berg.

Darum Ahle

Laut dem Ersten Beigeordneten Günter Berg sei nach dem  Amtshilfeersuchen  der Bezirksregierung  Detmold am Mittwoch nicht nur die Ahler Grundschule als möglicher Standort für einen Flüchtlingsunterkunft in Betracht gezogen worden. »Wir haben uns mehrere Objekte angesehen, die auch eine passende In­frastruktur gehabt hätten«, so Berg. Letztendlich habe  sich aber der Brandschutz für die meisten ebenfalls in Frage kommenden Gebäude als K.O-Kriterium herausgestellt. Nur die Ahler Grundschule, die bis vor Kurzem noch in Betrieb war, habe   diese Anforderung erfüllt.

Der Beigeordnete versprach, in der Anwohnerversammlung am Sonntag, 8. August, im  Gemeindehaus Holsen-Ahle, auch weitere Fragen zur Notunterkunft zu beantworten. So soll es auch um die Vereine gehen, die die Sporthalle an dem Gebäude bislang genutzt haben. »Wir sind dabei, die Belegungslisten für  die anderen Hallen im Stadtgebiet durchzusehen«, sagte Berg, Demnach hätten sich andere Vereine sowie der Stadtsportverband mit den Betroffenen solidarisch erklärt und Hilfe angeboten. »Es wird bald eine Lösung in dieser Sache geben«, so Berg.

Weiterhin nimmt das Deutsche Rote Kreuz  als Betreiber der Notunterkunft Spenden auf einem eigens eingerichteten Konto bei der Sparkasse Herford entgegen. Die Kontonummer dazu  lautet: DE84494501200200028702.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.