„Shared Spaces“ und Wohlfühlzonen: Politik und Planer diskutieren „klimafreundliche Mobilität“ in Werther
Den Alten Markt für Autos sperren?

Werther -

Einbahnstraße, Radschutzstreifen, Autos aussperren: Viele Möglichkeiten, Werther zu einer „klimafreundlichen Mobilität“ zu bringen. Mehrere Ideen dazu wurden wieder einmal im Ausschuss vorgestellt.

Donnerstag, 04.03.2021, 18:58 Uhr
Beispiel Haller Straße: Parkende Autos zwingen Radfahrer dazu, auf die Fahrbahn auszuweichen. Abhilfe könnte ein Fahrradschutzstreifen schaffen. Foto: Klaus-Peter Schillig

Umweltgerechte Mobilität und die Aufenthaltsqualität in Werthers Innenstadt waren Kernpunkte in den Wahlprogrammen sämtlicher Parteien während des Kommunalwahlkampfes. Bürgermeister Veith Lemmen hat hier zahlreiche Gemeinsamkeiten ausgemacht und hofft darauf, „am Ende des Tages einen breiten Kompromiss zu erzielen“. Grundlage kommender Beratungen ist der Sachstandsbericht des Büros Planersocietät Dortmund, der jetzt den Mitgliedern des Ausschusses für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität und Digitales vorgestellt wurde.

Eine interne Arbeitsgruppe, die personell in etwa der Besetzung des Ausschusses entspricht, soll bis zum Sommer umsetzbare Ergebnisse liefern. „Noch ist nichts in Stein gemeißelt“, betont Veith Lemmen. Dennis Stocksmeier und Caroline Huth, Fachleute im Bereich Raum- und Verkehrsplanung, erläutern ihre Vorstellungen zu den Verkehrsbereichen Rad- und Fußverkehr und stellen Konzepte für die öffentliche und private Entwicklung der motorisierten Fortbewegung vor.

Bis hin zur kompletten Umgestaltung des Straßenraums

Die Planer sehen in Bezug auf das Radwegenetz unterschiedliche Ansatzpunkte. Neben Fahrradstraßen und Fahrradzonen, in denen sich auch andere Fahrzeuge untergeordnet bewegen dürfen, geht es um den Ausbau von Radwegen und Schutzstreifen bis hin zur kompletten Umgestaltung des Straßenraums. So sei nach Ansicht der Planer ein verkehrsberuhigter Alter Markt „für Werther durchaus ein Pfund, aus dem man etwas machen könnte“. Im Rahmen einer achtwöchigen Pilotphase wäre leicht herauszufinden, wie sich derartige Veränderungen, verbunden mit Sitz- und Spielmöglichkeiten, auf die Aufenthaltsqualität auswirken.

Zu den Vorteilen von Fahrradstraßen zählen die Stadtplaner das angenehme Fahren in akzeptabler Reisegeschwindigkeit abseits der Hauptverkehrsrouten und die recht kostengünstige Realisierung. Sicherheitsprobleme und Konfliktpotenzial entstehen aber im Bereich von Knotenpunkten. So sei die angestrebte Verkehrsführung an der Ampelkreuzung Haller Straße/Borgholzhausener Straße noch nicht die ideale Lösung, räumt Verkehrsplaner Dennis Stocksmeier nach Einwand von Wolfgang Böhm (WDGA) ein.

Im Bereich „Fußverkehr“ schlagen die Planer neben der Einrichtung verkehrsberuhigter Zonen die bauliche Verbreiterung von Gehwegen, eine barrierefreie Anpassung des Straßenbelags und den Abbau von Hindernissen vor allem für in ihrer Mobilität eingeschränkte Bürgerinnen und Bürger vor. Sichere Fußwege zu Schulen, Geschäften und Betrieben sollten dabei durch angemessene Öffentlichkeitsarbeit flankierend unterstützt werden.

Teilsperrung der Alten Bielefelder Straße?

Dass der Alte Markt derzeit weniger ein Wohlfühlort als vielmehr eine von hohem Durchgangsverkehr frequentierte Wegeverbindung ist, wird den Ausschussmitgliedern auch beim Blick durch die Fenster des evangelischen Gemeindesaales vor Augen geführt, in dem sie derzeit tagen. Eine Teilsperrung der Alten Bielefelder Straße könnte – wie im ISEK-Maßnahmenkatalog vorgesehen – dem Begegnungs-, Aufenthalts- und Ruhebedürfnis der Anwohner entgegen kommen.

Auch die Ravensberger Straße ist stark vom Durchgangsverkehr mit motorisierten Privatfahrzeugen betroffen. Hier regen die Stadtplaner eine Umgestaltung im Sinne von „Shared Space“ an. Darunter ist eine gemeinsame Fläche zu verstehen, die sich alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt teilen. Ein Ziel besteht laut Verkehrsplaner Dennis Stocksmeier darin, die Geschwindigkeit so weit zu reduzieren, „dass nichts mehr passieren kann“. Das reine Durchfahren einer vermeintlichen Abkürzung verliere so an Attraktivität. Alternativ hält er hier auch eine Einbahnstraßenregelung für denkbar, entgegnet Stocksmeier auf den Einwurf Heinz-Peter Kuhlmanns (Grüne), der den vorhandenen Straßenraum als nicht ausreichend erachtet.

Schließlich fordern die Stadtplaner eine Digitalisierung und Flexibilisierung des öffentlichen Personennahverkehrs. Mittelfristig seien neben dem Ausbau der Barrierefreiheit auch Überlegungen zu alternativen Antriebsarten anzustellen. Im bereits erwähnten Arbeitskreis, der die weiteren Planungsschritte konkretisieren soll, kommen dann auch Feinheiten und nicht zuletzt die von Alexander Fillers (CDU) eingebrachte Frage nach den Kosten der einzelnen Maßnahmen zur Sprache.

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