Jüdisches Familien-Schicksal: Böckstiegel-Museum Werther möchte „Zerbrochenes Vermächtnis“ im Sommer zeigen
Hoffnung auf Weinberg-Installation

Werther -

„Fractured Legacy“ („Zerbrochenes Vermächtnis“) nennt die kanadische Künstlerin Mia Weinberg ihre multimediale Installation. Diese sollte eigentlich schon in diesem Jahr im Wertheraner Böckstiegel-Museum gezeigt werden, doch dann kam bekanntlich alles anders. Museumsleiter David Riedel hofft nun, das im kommenden Jahr nachholen zu können. Das Kunstwerk selbst ist bereits vor Wochen in Werther eingetroffen.

Dienstag, 10.11.2020, 19:14 Uhr aktualisiert: 10.11.2020, 19:16 Uhr
Mia Weinbergs Werk thematisiert die Verfolgung ihrer Familie unter der Nazi-Diktatur. Foto: Museum Peter August Böckstiegel

 

„Diese multimediale Installation sollte ja eigentlich von Juli 2020 bis Februar 2021 gezeigt werden im Rahmen der aktuellen Ausstellung. Die Installation hätte die Böckstiegel-Ausstellung sehr gut ergänzt und das so wichtige wie ernste Thema der Verfolgung jüdischer Familien auch in Werther thematisiert“, weiß Riedel.“ Denn Mia Weinberg beschäftigt sich mit der Geschichte ihrer Familie, die auf dem Haus Werther gelebt hat und dort eine Zigarrenfabrikation betrieb. Und es wäre zum ersten Mal ein Werk zeitgenössischer Kunst im Museum zu sehen gewesen. Ich freue mich, dass diese Arbeit nun im kommenden Sommer gezeigt werden kann“, so der Museumsleiter. „Die Bezirksregierung hat uns die Verschiebung der zugesagten Mittel ins nächste Jahr bewilligt, so dass Mia Weinberg dann hoffentlich ohne Reisebeschränkungen durch Covid-19 nach Werther reisen kann. Wir möchten sie gerne zur Eröffnung im Juni begrüßen und mit ihr feiern“, hofft David Riedel.

Geplant sind dann Workshops und Führungen, um „Fractured Legacy“ den Besuchern auch erklären zu können. „Zur Ausstellung, die maßgeblich von den Mitgliedern des Arbeitskreises ‚Spuren jüdischen Lebens in Werther‘ vorbereitet worden ist, ist in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis auch ein kleiner Katalog erarbeitet worden.“

Mia Weinberg ist die Tochter des aus Werther emigrierten Kurt-Wilhelm Weinberg. Sie verdeutlicht in dem Werk das Schicksal ihrer Familie während der Nazi-Diktatur, thematisiert die Brüche in ihrer Herkunftsgeschichte. Sie entstammt einer jüdischen Familie. Ihr Urgroßvater Bendix Aron Weinberg baute mit seiner Ehefrau Elfriede in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die elterliche Zigarrenfabrik in Werther aus. Sohn Julius übernahm das Unternehmen zusammen mit seiner früh verwitweten Mutter, so dass es in den 1920er Jahren zu einem der größten Arbeitgeber der Stadt wurde. Im Haus Werther wohnte er mit seiner Familie.

Zu den ersten gewaltsamen antijüdischen Übergriffen auf das Wohnhaus kam es schon am 1. April 1933. In den folgenden Jahren bis 1939 litt auch diese Familie unter zunehmender Diskriminierung und Entrechtung: Die vier Kinder Bernd, Kurt Wilhelm, Eva und Resi durften in Werther nicht mehr zur Schule gehen; 1938 musste die Tabakmanufaktur weit unter Wert an einen „arischen“ Zigarrenfabrikanten veräußert werden; Julius Weinberg war mehrere Wochen in Buchenwald inhaftiert. Bis Mitte 1939 wurden alle vier Kinder getrennt voneinander mit Kindertransporten nach England in Sicherheit gebracht. Die Eltern konnten im August 1939 ebenfalls emigrieren.

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